Unsere Identität geht viel tiefer

Wenn wir einen Menschen neu kennenlernen, fragen wir oft: «Wer bist du?» Die meisten antworten mit ihrem Namen, vielleicht auch mit ihrem Beruf, Zivilstand oder Herkunftsort. All das gehört zu unserer Identität. Doch aus biblischer Sicht kratzen wir damit nur an der Oberfläche. Denn die Frage, wer wir wirklich sind, geht viel tiefer.

20.10.2026
4 min
karl-dittli
geschrieben von
Karl Dittli
Mann schaut nach unten
Unsplash+
Zu wissen, wer wir sind und was uns ausmacht, ist für uns alle von zentraler Bedeutung.

Vor etwa 24 Jahren begegnete ich einem jungen Mann, der mein Leben für immer verändern sollte. Ich selbst war gerade in meine Berufslehre gestartet. In der Berufsschule stellte er sich mir mit seinem Namen vor – eigentlich nichts Besonderes. Doch sein strahlender Blick, seine für sein Alter ungewöhnliche Reife sowie seine Ruhe und Selbstsicherheit zeigten mir: Da ist mehr.

Schnell wurde er zu einem meiner besten Freunde. Immer wieder erzählte er mir von seinem lebendigen Glauben an Jesus Christus. Ich hingegen war damals noch auf der Suche nach meinem Platz im Leben. In einer atheistischen Familie aufgewachsen, war ich überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Doch das unerschütterliche Vertrauen meines Freundes und die Ausstrahlung, die daraus erwuchs, liessen mich zweifeln. Schliesslich besuchte ich mit ihm einen Gottesdienst und was ich hörte, überzeugte mich. Ich entschied mich, mein Leben Jesus anzuvertrauen. Diese Entscheidung war die wichtigste meines Lebens.

Wissen, wer man ist

Im Johannes-Evangelium wird berichtet, wie Johannes der Täufer von Priestern, Leviten und Pharisäern zur Rede gestellt wurde. Sie wollten wissen, wer er sei. Johannes antwortete:

Icon Bibel

«Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: ‹Macht den Weg frei für den Herrn!›»

Johannes 1,23

HFA

Johannes wusste auch, wer er nicht war. Er machte klar, dass er weder der Christus noch Elia oder der angekündigte Prophet sei. Stattdessen verstand er sich als Wegbereiter für Jesus Christus, den Messias und Retter. Er kannte seine Aufgabe und wusste, worauf es ankam.

Wer bist du in Gottes Augen?

Die eigene Identität zu kennen und wissen, was sie ausmacht, ist für uns alle zentral. Johannes wurde von religiösen Autoritäten gefragt, wer er sei. Auch wir werden mit den Erwartungen und Meinungen anderer konfrontiert. Familie, Freunde und Arbeitskollegen können unser Selbstbild beeinflussen. Doch ihre Einschätzungen müssen nicht bestimmen, wer wir sind. Von Johannes dürfen wir lernen, unsere Identität nicht allein davon abhängig zu machen, was andere in uns sehen, sondern auch danach zu fragen, wer wir in Gottes Augen sind.

Es braucht Zeit, um zu verstehen, wer wir in Gottes Augen sind und welchen Weg er mit uns gehen möchte. Dabei können uns eigene Zweifel, die Erwartungen anderer oder frühere Erfahrungen verunsichern. Deshalb lohnt es sich, immer wieder nach Gottes Willen zu fragen und uns von ihm prägen zu lassen. Unsere Identität hängt nicht davon ab, was wir leisten, wie andere uns sehen oder welche Fehler wir gemacht haben. Sie gründet vielmehr darin, dass Gott uns liebt und uns durch Jesus Christus neues Leben schenkt.

Neue Ordnung und neue Gedanken

Aber wie gelingt das? Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Ein wichtiger Schlüssel ist die Erneuerung unseres Denkens. Im Römerbrief schreibt Paulus:

Icon Bibel

«Weil Gott so barmherzig ist, fordere ich euch nun auf, liebe Brüder, euch mit eurem ganzen Leben für Gott einzusetzen. Es soll ein lebendiges und heiliges Opfer sein – ein Opfer, an dem Gott Freude hat. Das ist ein Gottesdienst, wie er sein soll. Deshalb orientiert euch nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt, sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut ist und ihn freut und seinem Willen vollkommen entspricht.»

Römer 12,1-2

NLB

Paulus nennt dabei zwei wichtige Aspekte:

  1. Gott unser Leben anvertrauen: Wir sollen unser ganzes Leben Gott zur Verfügung stellen. Nicht unsere eigenen Wünsche und Vorstellungen sollen uns bestimmen, sondern Jesus Christus soll unser Denken und Handeln prägen.

  2. Unser Denken erneuern lassen: Wir sollen lernen, die Welt, uns selbst und unser Leben aus Gottes Perspektive zu betrachten. Dazu hilft uns die Bibel, durch die wir Gottes Wesen und seinen Willen besser kennenlernen. Auch wenn wir durch Jesus Christus neues Leben empfangen haben, ändern sich nicht alle unsere Gedanken und Einstellungen automatisch. Wir sind eingeladen, uns bewusst von Gott prägen zu lassen und alte Denkmuster zu hinterfragen.

Weniger ist mehr

Johannes der Täufer kann uns als Vorbild und Ermutigung dienen. Im Matthäus-Evangelium sagt Jesus über ihn:

Icon Bibel

«Ich versichere euch: Von allen Menschen, die je geboren wurden, ist keiner bedeutender als Johannes der Täufer. Trotzdem ist selbst der Geringste in Gottes himmlischem Reich grösser als er.»

Matthäus 11,11

HFA

Jesus würdigt Johannes in aussergewöhnlich hohem Mass. Als Wegbereiter des Messias hatte er die besondere Aufgabe, die Menschen auf Jesus vorzubereiten. Dennoch erklärt Jesus, dass selbst der Geringste im Himmelreich grösser ist als Johannes. Damit unterstreicht er, wie wertvoll es ist, zum Reich Gottes zu gehören und durch Jesus Christus Anteil an Gottes Heil zu erhalten.

Das ist eine ermutigende Botschaft: Unser Wert hängt nicht davon ab, wie bedeutend wir sind, was wir leisten oder wie würdig wir uns fühlen. Durch den Glauben an Jesus Christus dürfen wir zu Gott gehören.

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