Mary Marantz – Wenn die schwierige Vergangenheit zur Superkraft wird

Mary Marantz
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Mary Marantz
31.5.2022
4 min

Mary Marantz wuchs in den 1980er-Jahren in einem kleinen Wohnwagen auf. Einerseits erlebte sie eine schöne Kindheit, gleichzeitig war die Situation schwierig, da man mit der Zeit durch den Boden fallen konnte…

«Ich wuchs in den 1980er Jahren im ländlichen West Virginia auf einem Berg in einem einachsigen Wohnwagen auf», erinnert sich Mary Marantz. «Mein Vater war Holzfäller und meine Mutter Putzfrau.»

Bis sie im Alter von 18 Jahren aufs College ging, lebte sie in diesem kleinen Wohnwagen. «Schon sehr früh begann das Dach undicht zu werden. Und wie das Wasser so ist, bahnte es sich seinen Weg durch den Boden, die Spanplatten begannen zu bröckeln und nachzugeben, so dass man, wenn man aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer ging, genau wissen musste, wie man über den braunen Zottelteppich hoppeln musste, um nicht durch den Boden zu fallen.»

Wunderbare Kindheit

Trotz diesen ärmlichen Verhältnissen spricht Mary Marantz von einer wunderbaren Kindheit. «Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang war ich im Wald.»

Ihr Vater ging nie in die Kirche. Er arbeitete sechs Tage die Woche hart. Den Sonntag verbrachte er auf der Couch. Aber ihre Grossmutter Goldie unterrichtete in der Sonntagsschule. «Ich kann mich erinnern, dass ich vier oder fünf Jahre alt war, und das Gefühl hatte, Gott als besten Freund zu kennen.»

An einer Strasse, die sie regelmässig entlang fuhr, stand das Geburtshaus der Nobelpreis- und Pulitzerpreisgewinnerin Pearl S. Buck. «Vor dem Haus gibt es ein kleines Schild: 'Geburtshaus von Pearl S. Buck'. Und vermutlich als kleiner Einblick von Gott war es, als würde ich hören: 'Du wirst deine Worte benutzen. Du wirst Schriftstellerin werden.'»

Nicht die gleichen Muster

Die Geschichte ihres Vaters und ihre eigene Geschichte waren sehr ähnlich. «Wir wuchsen im selben Hof auf. Wir gingen in dieselbe Grundschule, wir gingen in dieselbe Sonntagsschule. Mit zwölf Jahren begann er, als Holzfäller im Wald zu arbeiten. Er hatte kaum die Highschool abgeschlossen.»

In der Schule war er ausgelacht worden. «Für ihn bedeutete das, dass er nicht für die Schule oder die Ausbildung geschaffen war, dass er nicht sehr klug war, dass er nicht dazu bestimmt war, etwas anderes zu sein als, in seinen eigenen Worten ein 'dummer alter Holzfäller'.»

Doch er lernte bereits vor dem Kindergarten mit Mary anhand von Schulbüchern. «Und das hatte zur Folge, dass ich von Anfang an mit Bezeichnungen wie 'klug', 'begabt' und 'der Klasse voraus' bezeichnet wurde. Die Worte, die wir aussprechen, haben die Macht, über Leben und Tod zu entscheiden. Diese Etiketten wurden zu einer Rettungsleine, die mir sagte: 'Vielleicht kannst du mehr sein als das, was du am Anfang warst.'»

Ermutigt

Es sei gewesen, als hätte Gott schon früh zu ihr gesagt: «Das wird alles einen Sinn haben. Das Zerbrochene, das Harte – ich werde es alles nutzen. Eines Tages wird das alles einen Sinn ergeben.»

Es habe viele Zeiten gegeben, in denen sie verbittert und wütend auf Gott war. Schliesslich, im Alter von 40 Jahren verfasste sie ihr erstes Buch. «Dass ich von 0 bis 18 in einem Wohnwagen lebte, war mehr Erinnerung als Erfahrung.» Nach und nach sei auch ihre Bitterkeit gewichen. Und Gott könne damit umgehen. «Ich glaube, das führt zu einer tieferen, echteren Beziehung zu ihm, wenn man zu ihm kommt und sagt: 'Ich verstehe dich nicht, ich habe schwierige Fragen an dich, und ich bin nicht wirklich glücklich, aber ich höre zu.'»

Ein heilender Prozess

In vielerlei Hinsicht war das Schreiben ihres Buches «Dirt» («Dreck») ein heilender Prozess. «Es war eine der greifbarsten Erfahrungen mit Gott, die ich je gemacht habe. Ich hoffe, dass andere Menschen sich in meiner Geschichte wiederfinden. Und dass sie den Mut finden, zu vergeben und sich zu versöhnen. Ich hoffe, dass sie den Mut haben, nicht mehr zu denken, dass die Vergangenheit sie disqualifiziert, sondern dass sie mit ihr Frieden schliessen können.»

Die Vergangenheit könne auch zur Superkraft werden. «Was sich wie Schwäche anfühlt, kann anderen Mensch Mut machen.»

Zur Webseite:
marymarantz.com

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