Kritik an Migros-Aktion

Marketing-Aktionen und der einseitige Blick der Medien

Wenn einer der beiden Schweizer Grossverteiler eine Aktion zur Verkaufsförderung startet, geht er manchmal an die Grenzen des Zuträglichen. Gerade wenn sich die Aktion an Kinder richtet. Doch die Kriterien für die Kritik sind sehr zeitgeistig geprägt.

Zoom
«Micky Maus»-Hörspiel-Figur
Migros-Kunden bzw. ihre Kinder können jetzt bei ihren Einkäufen Stempel sammeln. Wenn sie genug beisammen haben, erhalten sie dafür Disney-Figuren, die in Kombination mit einer Stereobox das Abspielen von Hörspielen ermöglichen. Da die Stempel aber nur digital abgegeben werden, braucht es dazu ein Smartphone und die Migros-App.

Digitale Promotion unter Kritik

Auf der Migros-Facebook-Seite sind nun einige hundert Kommentare eingegangen, die sich kritisch dazu äussern, dass die neue Aktion alle ausschliesst, die kein Smartphone haben. In einem Artikel in der Zeitung «Nordwestschweiz» wird sodann darauf hingewiesen, dass die Migros zugleich ihre Handy-App eloquent weiterverbreitet. Die Migros verlautet dazu, dass man die laufende «digitale Promotion» als Testprojekt sehe.

Dass Kinder für eine Werbeaktion eingesetzt werden, um möglicherweise sanften Druck auf ihre Eltern auszuüben, in der Migros (etwas mehr) einzukaufen, ist kein Thema. Das war es auch nicht, als Livenet vor sechs Jahren die damalige Aktion «Animanca» unter anderem kritisierte, weil Kinder vor den Karren einer Verkaufsaktion gespannt werden. Die Hauptkritik richtete sich damals allerdings gegen die Werbung für Esoterik, welche die Migros mit der Aktion betrieb. Diese fand noch weniger Verständnis bei den Medien, sie mobilisierte sie vielmehr zur Kritik an den Freikirchlern. Für den damaligen Chefredaktor von Livenet gab es sogar den «Kaktus» der «L'illustré», dem Westschweizer Pendant zur Schweizer Illustrierten.

Legitim ist Kritik nicht an esoterischem Gedankengut...

Man lerne daraus: Viele Eltern scheinen wenig Probleme damit zu haben, dass ihre Kinder von Grossverteilern ins Marketing einbezogen und damit letztlich instrumentalisiert werden. Ein Problem haben sie, wenn sie vom Mitmachen aus technischen Gründen ausgeschlossen werden. Auch Ausflüge ins Esoterische stören in der medialen Wahrnehmung nur einige fromme Christen, obwohl gerade Pädagogen und Medienschaffende auf Missionarisches sehr sensibel reagieren. Speziell auf christliche Mission. Esoterik hingegen scheint vom Mainstream akzeptiert, obwohl sie eine Weltanschauung vermittelt, zum Beispiel den Glauben an die Existenz von übersinnlichen Kräften in Tieren oder Pflanzen.

...sondern an unredlichem Geldverdienen

Wenn eine Aktion kritikwürdig ist, muss es um Geld gehen. Wenn Menschen Geld ausgeben, weil sie getäuscht werden. Oder wenn unredliche Versprechungen gemacht werden, um Kunden zu werben. Oder wenn man Daten preisgeben muss, um günstig einkaufen zu können. Oder wenn ein Produkt die Gesundheit gefährden könnte.

Doch immerhin hat die Migros seit 2012 auf weitere Aktionen mit esoterischen Inhalten verzichtet, so weit wir das überblicken können. Damit hat die Prügel für die Livenet-Redaktion von 2012 wohl dennoch etwas Positives bewirkt.

Zum Thema:
Migros lanciert «Animanca»: «Offen für das Geheimnisvolle werden»
Animanca und die Medien: «Freikirchen laufen Sturm»
Christliche Juristen und Medien: «Gott geniesst keinen Schutz»

Datum: 08.07.2018
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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