230 Sozialangestellte in 35 Jahren

Würdigung für einen Pionier der Schweizer Diakonie

Gründer Hans Eglin (links) und Nachfolger Marco Ferraro (rechts)
Seit 35 Jahren fördert die Stiftung Jugendsozialwerk Blaues Kreuz BL (JSW) die soziale und berufliche Integration zahlreicher Jugendlichen und Erwachsenen. Jetzt gab der Pionier und Gründer Hans Eglin sein Lebenswerk endgültig an Marco Ferraro ab.

«Das Ende einer Ära» titelte Radio Basilisk, als Hans Eglin Ende letzten Jahres die Arbeit in seinem Lebenswerk beendete. Als er 1990 den ersten Jugendtreff im alten Feuerwehrmagazin in Liestal eröffnet hatte, konnte er nicht erahnen, welche Dimensionen das Projekt jemals erreichen würde. In 35 Jahren entstand daraus eines der grössten Sozialunternehmen der Region mit bedeutender Wirkung. Das Jugendsozialwerk (JSW) Blaues Kreuz Basel umfasst heute 230 Angestellte und 110 Freiwillige. So werden 260 Arbeitsintegrationsplätze ermöglicht, 120 Wohnplätze und zwölf Jugendzentren.

Die Organisation umfasst auch zwei Brockenstuben und ein Restaurant, mit welchen das Jugendsozialwerk eigenständig Geld erwirtschaften kann. Eindrücklich ist, dass JSW als christliches Werk viele öffentliche Aufträge erhält, dass Gemeinden und Kantone ihnen vertrauen und ihre Arbeit sehr schätzen. Die Kombination Offene Kinder-und Jugendarbeit, schulergänzende Tagesstruktur, Schulsozialarbeit und Wohn- und Arbeitsintegration ist in dieser Grösse einmalig. 

Idee sogar mit Volksreferendum angefochten

Gründer und Pionier Hans Eglin ist gelernter Werkzeugmacher und absolvierte dann eine berufsbegleitende Ausbildung zum Jugendarbeiter – heute «soziokulturelle Animation». So fand er seine Berufung als 25-Jähriger in der sozialen Arbeit. Später bildete sich der heute 65-jährige Hans Eglin mit einem Nachdiplomstudium in NPO-Betriebswirtschaft weiter. Er ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder, sechs Enkelkinder und wohnt in Sissach.

Ende der 1980er-Jahre stiess Hans Eglin erstmals auf das Konzept der offenen Jugendarbeit. Er hatte ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Jugendlichen und traf mit der Idee des Jugendhauses offensichtlich einen Nerv. Da kamen Jugendliche, die kifften und sich mit Sprayereien Probleme eingehandelt hatten. In den Anfangsjahren sei das «Splash», so hiess damals das Provisorium im alten Feuerwehrmagazin, mit zeitweise rund 300 Jugendlichen regelrecht überrannt worden. Gestemmt habe diesen Andrang ein grosses Freiwilligenteam, erinnert sich Hans Eglin. «Ohne genau zu wissen, wie es werden könnte, entwickelten wir in diesen ersten Jahren die Vision von Wohnangeboten, Arbeitsintegration und Gemeinschaftsangeboten», schreibt die Zeitung «Volksstimme». In den folgenden Jahren hat sich diese Vision tatsächlich erfüllt. 

Öffentlicher Auftrag – Glaube als Ressource

Als christliche Stiftung verpflichtet sich das Jugendsozialwerk zum diakonischen Handeln wie es Jesus im Neuen Testament formulierte: «Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!». Hans Eglin legt Wert darauf, dass sich die Mitarbeitenden und die Arbeitsbereiche nach christlichen Grundwerten orientieren und das Beten auf freiwilliger Basis in der Mitarbeiterschaft einen grossen Stellenwert einnimmt. «Als Sozialwerk sind wir dem öffentlichen Auftrag verpflichtet, der sich durch Klarheit, Professionalität und Fachkompetenz auszeichnen muss. Wir wissen aber, dass unser Glaube eine zusätzliche Ressource ist. So profitieren die Menschen in unserer Arbeit vom fachlichen Know-how und von unserer christlichen Kraftquelle – im doppelten Sinne.»

Hoffnung, Kraft und Vertrauen 

In den 35 Jahren seit der Stiftungsgründung hat Hans Eglin viele Herausforderungen, Erfolge und auch Rückschläge erlebt. Was ihn durch die Herausforderungen seines bewegten Berufslebens getragen hat, beantwortet Hans Eglin ohne Zögern: «Mein persönlicher christlicher Glaube, der mit Hoffnung. Kraft und Vertrauen verbunden ist.» Angst vor dem Ruhestand hat er nicht. Nach einer zweimonatigen Auszeit auf den Skipisten will er weiterhin soziale Mandate übernehmen und bleibt dem JSW ab Mitte 2026 als Mitglied des Stiftungsrats erhalten. Damit bleibt Hans Eglin dem Werk verbunden, das er mit Professionalität, Leidenschaft und Überzeugung über Jahrzehnte geprägt hat.

Dabei verlief das Leben von Hans Eglin nicht immer so einfach: Seine Frau Käthi wurde 1985 zum ersten Mal schwanger und verlor das Kind in den ersten Wochen. Ein Jahr später war sie wieder schwanger und bekam in der 16. Woche starke Blutungen und verlor das Kind erneut. Abklärungen ergaben, dass Hans einen Fehler hatte und das Chromosom 21 dreifach vererbte. Die beiden Kinder wären vermutlich schwer behindert gewesen. Sie erlebten damals übernatürliche Dinge und persönliche Aufbrüche – eine neue Dimension des Heiligen Geistes, die ihnen bis dahin fremd war. Hans erlebte Heilung durch ein Gebetsteam und liess das beim Arzt abklären. Tatsächlich hatte sich sein Blutbild verändert. «Das war Gnade pur, voll unabhängig von unserem Glauben», erklärte Käthi später. Käthi verhütete dann nicht mehr, wurde sofort schwanger und gebar ihr erstes Kind. «Ein Wunder ist wie ein Weihnachtsgeschenk. Die Gottesbeziehung lebt nicht davon. Der Glaube muss sich immer weiterentwickeln.»

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Dienstagsmail Nr. 907.

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Datum: 15.01.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Dienstagsmail

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