Feier, Trauer und Skipower
Partys und das offizielle Programm des Freitagabends wurden abgesagt, Bars und Essenstände auf dem Gelände vom Weltcup blieben geschlossen – im Rahmen des nationalen Trauertages. Vergangenes Wochenende fanden die berühmten Weltcup-Skirennen mit rund 20'000 Besuchern in Adelboden statt.
Trotzdem, oder umso mehr, war die Evangelische Allianz mit der «Offenen Kirche» präsent und kümmerte sich um die Gäste. Auf der Homepage ist es so formuliert: «Wir sind mitten drin, als Gottes Bodenpersonal! Da sein – Zeit haben – Menschen begegnen und dienen – beten.»
Vor beiden Rennen gedachten die Skifans mit Schweigeminuten der Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana: «Die ganze Chuenisfamilie ist tief betroffen», und mit den Worten «Crans-Montana, nous sommes avec toi» (Crans-Montana, wir sind bei dir) endeten die Gedenkmomente.
Der Schweizer (Ski)Seele tat es dann gut, dass im Klassiker Riesenslalom der Dominator und sympathisch-beliebte «Odi National», Marco Odermatt, zuoberst auf dem Podest stand und ein Moment der Freude herrschen konnte.
Auch Gespräche über Sinn des Lebens
Das OK (Organisationskomitee) der Weltcup-Skirennen bat die Evangelische Allianz, für die Gäste bereits am Freitag das Gedenkbuch und den Ort der Stille bereitzustellen. Zur Evangelischen Allianz Adelboden gehören die Kirchen vor Ort: Pfimi, Gemeinde für Christus, Heilsarmee, Reformierte Kirche und die Freie Missionsgemeinde; zudem die angeschlossenen Werke Verein Zueflucht und Gebetsraum Adelboden, sowie das Hotel Alpina.
Livenet war mit dem Allianzpräsidenten David Glaser im persönlichen Austausch.
Sie haben bereits im vergangenen Jahr dem Ski-Weltcup gedient, jetzt kommen die Ereignisse von Crans Montana dazu. Wie haben Sie Ihre Angebote angepasst oder erweitert? Und wie erlebten Sie die tragischen Umstände persönlich?
David Glaser: Bereits im letzten Jahr durften wir die «Offene Kirche» im Weltcupdorf an den beiden Renntagen am Samstag und Sonntag als sehr bereichernd erleben. Für dieses Jahr waren deshalb lediglich einige kleinere Anpassungen am bestehenden Angebot geplant. Schon seit mehreren Jahren unterhält zudem die Heilsarmee eine Sanitätsstation in ihren Räumlichkeiten und ist gleichzeitig mit Patrouillen im gesamten Dorfgebiet unterwegs, um hilfsbedürftige Personen zu unterstützen.
Durch den nationalen Trauertag am Freitag ergab sich jedoch eine neue Situation: Die sonst so freudigen Eröffnungsfeierlichkeiten mit Startnummernauslosung, Interviews und Rahmenprogramm wurden kurzfristig abgesagt. In dieser besonderen Stimmung kam das Organisationskomitee des Weltcups auf uns zu mit der Anfrage, ob wir die Kapelle bereits am Freitag öffnen könnten. So entstand spontan die Möglichkeit, einen Raum für Trauer, Gespräche und Stille anzubieten – für Menschen, die von den Ereignissen zu Jahresbeginn erschüttert waren. Neben persönlichen Begegnungen bestand auch die Möglichkeit, Gedanken im aufgelegten Kondolenzbuch festzuhalten. Persönlich habe ich diese Situation als sehr bewegend erlebt: Die Kirche wurde in einem unerwarteten Moment zu einem Ort, an dem Menschen mit ihren Fragen, Sorgen und ihrer Trauer willkommen waren.
Würden Sie uns das Projekt «Offene Kirche» beschreiben?
Die Allianz ist während des Ski-Weltcups mit der «Offenen Kirche» im Weltcupdorf präsent. Ziel ist es, den Menschen ein offenes und niederschwelliges Angebot zu machen. Die Kirche soll ein Ort sein, an dem Besucherinnen und Besucher zur Ruhe kommen und Wärme finden können. Das gut sichtbare Kirchgebäude der Pfimi liegt mitten im Weltcupdorf. Es bietet bewusst einen Rückzugsort abseits des oft lauten Geschehens. Damit möchten wir zu einem guten Klima und zu einem ganzheitlichen Angebot rund um den Weltcup beitragen. Der Leitgedanke lautet: «Offene Kirche – Ruhe, Wärme, Begegnung.» Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass die Kirche häufig zum Aufwärmen und Verweilen genutzt wurde. Gleichzeitig entstanden immer wieder Gespräche und persönlicher Austausch. So stellte ein Besucher mitten in einem Gespräch die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Erzählen Sie uns gerne von ein paar Begegnungen, die sich rund um das vergangene Wochenende abspielten.
«Danke vielmals, dass ich an einen Ort der Ruhe kommen darf.» Solche Rückmeldungen waren während des Weltcup-Wochenendes mehrfach zu hören. Der Trubel rund um die Skirennen ist nicht für alle nur angenehm – gerade für Menschen, die eher zufällig vor Ort waren. Umso grösser war ihre Dankbarkeit für ein ruhiges Gespräch und einen warmen Kaffee.
Die tragischen Ereignisse aus der Silvesternacht liessen hin und wieder bei Besucherinnen und Besuchern die eigenen Erlebnisse und Verluste präsent werden. In der Offenen Kirche erzählten einzelne Personen von persönlichen Erfahrungen und Trauer. Gäste aus Crans-Montana betonten, wie sie die Lebendigkeit des Weltcups in Adelboden schätzten. Gleichzeitig schätzten sie die Solidarität, die gute Nachbarschaft zwischen Adelboden und Crans-Montana sowie die weltweit gesprochenen Gebete.
Wie reagiert die Bevölkerung auf die Angebote der Evangelischen Allianz, wie stark ist sie integriert?
Die Planung der «Offenen Kirche» erfolgte von Beginn an in Absprache mit dem Organisationskomitee des Weltcups. Die Zusammenarbeit ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Und natürlich ist es uns eine Freude, als Offene Kirche, mit unserem Angebot gebraucht zu werden.
Zur Website:
«Offene Kirche» am Weltcup
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Datum: 16.01.2026
Autor:
Roland Streit
Quelle:
Livenet