John Piper ist 80
John Piper ist eine Ausnahmeerscheinung. Unauffällig, ohne Skandale, menschenfreundlich und zugewandt ist er dennoch einer der grossen evangelikalen Theologen mit weltweitem Einfluss. Sein Kernthema ist dabei seit vielen Jahren die Freude des Menschen an Gott. Er sagt: «Gott wird am meisten in uns verherrlicht, wenn wir in ihm unsere grösste Zufriedenheit finden.» (God is most glorified in us, when we are most satisfied in him.) Dieser Gedanke durchdringt viele seiner rund 75 Bücher und unzähligen Predigten und Artikel. Für die einen ist es Freude an Gott, er selbst bezeichnet es als «christlichen Hedonismus».
2013 zog sich Piper als Pastor der Bethlehem Baptist Church in Minneapolis und als Professor zurück. Er ist immer noch ein gefragter Konferenzredner und stellt viele seiner Ressourcen regelmässig im Internet auf der Seite Desiring God zur Verfügung.
Glauben und Leben
Niemand wird als Theologe geboren, und auch John Pipers Leben als Christ hatte einen Anfang. Er erzählt selbst darüber: «Ich habe schon immer geglaubt, soweit ich mich erinnern kann.» Sein Vater, eine Reiseevangelist, hatte ihm berichtet, dass er sich mit sechs Jahren während eines Urlaubs in Florida bekehrt hätte. Eine wichtige Weichenstellung danach war seine Collegezeit. Piper wollte ursprünglich Arzt oder Tierarzt werden, hatte sich aber nach einer Krankheitsphase dazu entschieden, Literatur und Theologie zu studieren. Dabei stiess er auf einen Römerbrief-Kommentar von John Stott, der ihn dazu animierte, Gott sein Leben zur Verfügung zu stellen. «Der Römerbrief wurde nicht nur die Interpretation meiner Bekehrung; er bestätigte meine Berufung in den Dienst», hält er fest.
Piper studierte in den USA, promovierte schliesslich in München und unterrichtete dann an der St. Paul University in Minneapolis. 1980 wurde er als Pastor an die Bethlehem Baptist Church berufen und füllte dieses Amt bis 2013 aus. 1982 heiratete er seine Frau Noël, sie haben fünf Kinder.
Zu konservativ oder schon liberal?
Bei einem Theologen fragen viele: Was glaubt er und wo steht er denn so? Das ist bei John Piper nicht einfach zu beantworten. Als Evangelikaler gehört er zu den konservativen Theologen und positionierte sich in vielen Fragen rund um Ehe oder auch Homosexualität entsprechend – er unterzeichnete zum Beispiel die «Nashville-Erklärung». Gleichzeitig akzeptierte und verteidigte er es, dass einer seiner Nachfolger im Gemeindedienst homosexuell empfindet, was wiederum konservative Christen in Deutschland zu einer Stellungnahme herausforderte. Ausserdem passte seine Offenheit gegenüber charismatisch geprägten Christen und überhaupt seine Zusammenarbeit mit «zweifelhaften Personen des Evangelikalismus» nicht ins Konzept.
Je nach eigener Einstellung vermuten andere bei ihm eine gesunde oder eine ungesunde Beeinflussung durch seine theologischen Vorbilder, die er gern zitiert: seinen Professor am Fuller Seminary, Daniel Payton Fuller, und den irischen Literaturwissenschaftler und Autor C. S. Lewis. Jemand, der wie John Piper Kritiker, aber vor allem Freunde und Begleiter aus verschiedenen Glaubensprägungen hat, ist vor allem eines: ein eigenständiger Denker und ein verbindender Gläubiger.
Sehnsucht nach Gott
Bereits in seinen frühen Jahren als Pastor schrieb Piper das Buch, das Grundlage seines (ebenfalls oft kritisierten) «christlichen Hedonismus» wurde: «Sehnsucht nach Gott: Leben als ‹christlicher Geniesser›» (Desiring God: Meditations of a Christian Hedonist). Was der deutsche Verlag in Anführungszeichen setzte, ist dem Jubilar bis heute ein grosses Anliegen: Für ihn lässt sich Glaube überhaupt nur leben, wenn er in einer tiefen Zufriedenheit und Freude in Gott ruht.
An seinem 80. Geburtstag wurde er befragt, wie es ihm ginge, und was sein Gebet wäre. John Piper antwortete, dass er dankbar sei für 61 Jahre als Christ, 44 Jahre mit seiner Frau und 33 mit seiner Gemeinde. Und dass er jetzt im Blick nach vorne denke: «Gott, lass mich das nächste Kapitel nicht verspielen.» Sein Gebet ist das eines Pastors, der immer noch sich und andere im Blick hat, wenn er sagt: «Gott, lass es mich nicht verschwenden und gib, dass dein Name durch mein Leben geheiligt werde, dass dein Reich durch mein Leben komme, dass dein Wille in meinem Leben geschehe. Ich möchte in allem eine Leidenschaft für deine Allmacht ausstrahlen, o Herr, zur Freude aller Menschen durch Jesus Christus. Halte mich also bei der Stange und lass mich mein Leben nicht vergeuden.»
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Datum: 19.01.2026
Autor:
Hauke Burgarth
Quelle:
Livenet