Während des Gottesdienstes

Nigeria: Massenentführung von 177 Christen

Während des Gottesdienstes wurden in Nigeria 177 Christen entführt (Symbolbild)
Am Sonntag, dem 18. Januar, sind in einem Dorf im Bundesstaat Kaduna (Mittelnigeria) 177 Christen von militanten Fulani aus drei Gottesdiensten entführt worden. Regierung und Polizei hatten den Vorfall zunächst bestritten.

Es geschah am Sonntagvormittag: Christen treffen sich zum Gottesdienst in der «Cherubim and Seraphim»-Pfingstgemeinde im Dorf Kurmin Wali in Kajuru County, Nigeria. «Wir waren gerade in der Kirche und beteten, als Fulani-Terroristen aus drei Richtungen auftauchten», berichtete Yunana Dauji, Sekretärin der Kirche, gegenüber der Organisation «Truth Nigeria». «Sie waren mit AK-47-Gewehren bewaffnet und umzingelten die Kirche. Sie warnten, dass jeder, der versuchen würde zu fliehen, erschossen würde.» Die Angreifer identifizierten sich als Fulani und zwangen die Gläubigen, mit ihnen zur zweiten Cherubim- und Seraphim-Kirche zu gehen – insgesamt mehr als 50 Christen aus beiden Gemeinden.

Gegen 9 Uhr morgens, als gerade die Sonntagsschule beginnen sollte, überfielen die Fulani eine dritte Gemeinde, die «Evangelical Church Winning All» (ECWA). Joseph Bawa, Sekretär der ECWA von Kurmin Wali, erklärte gegenüber Truth Nigeria: «Sie stürmten in die Kirche und riefen ‚Allahu Akbar‘. Sie warnten uns, nicht wegzulaufen, sonst würden wir getötet werden.»

Die Angreifer trieben 177 Gläubige der drei Gemeinden in die nahegelegene Wildnis. Elf der Entführten konnten zurückbleiben und fliehen, sodass 166 Christen noch in der Gewalt der Terroristen sind.

Behörden sind nervös

Die Polizei im Bundesstaat Kaduna bestritt zunächst die Entführungen und bezeichnete die Berichte als Panikmache und Lügen. Dorfbewohner berichteten, dass Regierungsvertreter sie gedrängt hätten, den Vorfall nicht öffentlich zu machen. Mitarbeitern von «Christian Solidarity Worldwide Nigeria», die den Vorfall untersuchen wollten, wurde der Zugang zum Dorf verwehrt und die Zufahrtsstrassen wurden gesperrt. Am Dienstag (20. Januar) gab die Polizei dann schliesslich eine Erklärung ab, in der sie die Entführungen bestätigte und angab, zusammen mit weiteren Sicherheitskräften daran zu arbeiten, «die Opfer zu lokalisieren, sicher zu retten und die Ruhe in der Region wiederherzustellen».

Christian Solidarity Worldwide Nigeria (CSW) legte der New York Times eine vorläufige Liste mit Namen von Personen vor, die am Sonntag aus den Kirchen entführt worden waren, nachdem sie die Familienangehörigen informiert hätten, berichtete die Zeitung.

Nigeria steht unter dem Druck der US-Regierung, die Gewalt gegen Christen zu beenden. Am 25. Dezember hatte US-Präsident Trump Luftangriffe auf mutmassliche Stellungen des Islamischen Staates im Bundesstaat Sokoto im Nordwesten Nigerias an der Grenze zum benachbarten Niger angeordnet.

Fulani-Hirten und mit ihnen verbündete islamistische Terroristen haben in Nigeria innerhalb von vier Jahren mehr Zivilisten getötet als die islamistischen Extremistengruppen Boko Haram und Islamic State West Africa Province (ISWAP) zusammen. Zwischen Oktober 2019 und September 2023 töteten «Bewaffnete Fulani-Hirten» 11'948 Zivilisten, während «andere terroristische Gruppen», gemeinhin als «Fulani-Banditen» bezeichnet, in diesem Zeitraum 12'039 Zivilisten töteten. Boko Haram und die Islamische Provinz Westafrika (ISWAP) sind zusammen in diesem Zeitraum für den Mord an 3'079 Zivilisten verantwortlich.

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Datum: 24.01.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Daily International

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