«Good Morning, Church!»

Die Neue

Was wenn jemand in der Kirche keinen Platz machen will? (Symbolbild)
Wie gehen wir in unseren Kirchen auf Neue zu? Interessieren sie uns wirklich? Oder ist es nicht viel entspannter, mit vertrauten Leuten auf vertrauten Plätzen zu sitzen und über Vertrautes zu reden? Machen wir Platz für Neue? Dazu ein Bibelimpuls.

«Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die Menschenmenge machte ihm keinen Platz.» (Lukas Kapitel 19, Vers 3)                                                                                                      

Sie war neu zugezogen in die ländliche Gemeinde am Niederrhein. Und dass sie aus der Stadt kam, sah man auf den ersten Blick. Ein modisch-schickes Kostümchen, dazu der dezent aufgetragene Lippenstift. Für den Seniorennachmittag kam sie etwas zu früh. «Ja, ich wusste nicht genau, wann es anfängt», entschuldigte sie sich. «Kein Problem, schön, dass Sie da sind.» Und nach einem kurzen Smalltalk fügte ich hinzu: «Wir können uns nachher gerne unterhalten, ich muss noch etwas holen, aber die anderen kommen ja auch gerade, setzen Sie sich doch schon mal.» Die Neue setzte sich gleich vorne hin, da wo sonst Frau Birke und Frau Meyer normalerweise sitzen. Ich verschwand.

Als ich wieder zurückkam, war der Kirchgemeindesaal gefüllt, nur die Sitzordnung hatte sich verändert: Die Neue sass jetzt ganz hinten am Tischende. «Hat es Ihnen gefallen?», fragte ich sie nach der Veranstaltung etwas zaghaft, denn dass irgendetwas nicht stimmte, lag in der Luft. «Eigentlich schon», sagte sie kurz, dann platzte es aus ihr heraus: «Als die anderen Damen gekommen sind, haben sie mir gleich erklärt, dass dies ihr Platz sei. Neue hätten sich hintenanzustellen. Wenn Sie mich vorhin nicht so nett begrüsst hätten, wäre ich gleich wieder gegangen, aber…», ergänzte sie kämpferisch mit Ruhrpottschnautze, «ich bin ja nicht aus Pappe, die werden mich schon noch kennenlernen!»

Ich musste an die Heilung des Gelähmten denken, als die vier Männer mit dem Gelähmten wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durchkamen. Weil die Leute ihnen den Weg nicht frei machten. Oder wie Zachäus auf den Baum klettern musste, weil man ihm keinen Platz machte.

Next step: Wo stehe ich anderen im Weg? Umgekehrt: Wie gehe ich mit Widerständen um? Ziehe ich mich zurück, bin gar beleidigt, oder bleibe ich kämpferisch, kreativ oder gar humorvoll und steige auf’s Dach wie die vier Freunde, klettere wie Zachäus auf Bäume oder begegne dem Widerstand mit Ruhrpottschnautze, weil ich nicht aus Pappe bin?

Zum Buch:
Das Buch
«Good Morning, Church» bietet tägliche Bibelimpulse für die Church Family, aber auch für Menschen, die es lieben, den Dingen auf den Grund zu gehen. Der Leser kann 100 Tage lang jeden Tag mit einem Bibelimpuls beginnen und im Abschnitt «Next Steps» einen Schritt weitergehen, um Gott näherzukommen, Jüngerschaft zu leben, Kirche zu träumen und zu leben. In «Good Morning Church!» gibt es Humorvolles und Tiefgang, Alltagssituationen und Abenteuergeschichten, Kirchliches und Persönliches. Livenet bringt in den kommenden Wochen Auszüge aus dem Buch.

Zum Thema:
«Good Morning, Church!»: Eine Thurgauerin verliert ihren Apfel 
Filmtipp zu M.L. King jr.: Widerstand – aber wie genau? 
«Ich kann alles schaffen»: Wenn ein Kampfgeist an seine Grenzen kommt

Datum: 18.01.2026
Autor: Marc Ditthardt
Quelle: Good Morning, Church

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