Was ich am Morgen nach Halloween erkannte

Viele Christen beschäftigen sich damit, wie sie mit Halloween umgehen sollen: Sie planen alternative Veranstaltungen oder erklären, warum sie das Fest nicht feiern möchten. Dabei geht oft vergessen, dass «Halloween» für viele Menschen kein gruseliges Vergnügen, sondern bittere Realität ist – sei es durch Krieg, Gewalt oder zerbrochene Familien.

2.11.2026
4 min
geschrieben von
Beat Kunz
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Unsplash
Manchmal fühlen wir uns machtlos, aber Gott verspricht, dass er Recht schaffen wird.

Als ich diesen Blogbeitrag schreibe, ist Sonntag, der 1. November. Wie fast jeden Morgen lese ich die Bibelver-Losungen der Herrnhuter – jeweils einen Vers aus dem Alten und einen aus dem Neuen Testament. Da heute Sonntag ist, kommt ein zusätzlicher Vers hinzu, und weil es der 1. November ist, folgt ein weiterer als Monatsspruch. Beim Lesen bleibe ich bei diesem Spruch hängen. Als unser Pfarrer ihn am Ende des Gottesdienstes auch noch erwähnt hatte, war ich mir sicher, diesen Vers noch etwas bewegen zu wollen. Er fiel wie ein Samenkorn auf guten Boden. Ich las ihn zwei, drei Mal und dachte im Gespräch mit meiner Frau weiter darüber nach. Einige Stunden später ist daraus ein Pflänzchen gewachsen, das ich gerne mit euch teile. 

Bevor ich dieses Pflänzchen mit euch teile – es wächst immer noch und ist schon etwas grösser und kräftiger –, blicke ich auf den vorherigen Tag zurück. Gestern war der 31. Oktober, der durch Einflüsse aus Übersee auch bei uns zu einem besonderen Tag geworden ist.

Halloween wird jedes Jahr am 31. Oktober gefeiert, am Vorabend von Allerheiligen. Seine Wurzeln liegen im keltischen Fest Samhain, an dessen Tag man glaubte, die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten werde dünn. Im 19. Jahrhundert brachten irische Auswanderer den Brauch in die USA, wo er sich zu dem heutigen, stark kommerzialisierten Fest entwickelte. Typisch sind Kürbislaternen, gruselige Verkleidungen und das Verteilen von Süssigkeiten, wenn Kinder mit dem Ruf «Süsses oder Saures!» von Haus zu Haus ziehen. Auch in der Schweiz und im restlichen Europa wird Halloween seit den 1990er-Jahren zunehmend gefeiert, etwa mit Partys und Umzügen.

Typische Reaktionen von Christen auf Halloween

Viele engagierte Christen und Kirchen beschäftigen sich intensiv mit dieser Entwicklung, und immer häufiger entstehen Gegenaktionen gegen diese «Verherrlichung» des Todes – etwa durch einen Beitrag in den sozialen Medien oder einen Abendgottesdienst unter folgendem Motto: 

«Wir feiern das Licht – nicht die Finsternis. Wir feiern die Liebe – nicht die Angst. Wir feiern die Freude – nicht das Erschrecken. Wir feiern das Leben – nicht den Tod. Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis.» (Vergleich zu 1. Johannes 1,5)

Ich kann dieses Engagement gut nachvollziehen und begrüsse es sehr, doch der folgende Monatsspruch für den November hat mich heute mit einigen Fragezeichen zurückgelassen. Dort heisst es:

Icon Bibel

«Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.»

Jesaja 2,4

EU

«Halloween» ist für viele Alltag

Nur wenige Stunden nach Halloween sitzen viele engagierte Christen, mich eingeschlossen, in einem Gottesdienst – in einer gut geheizten Kirche, einer Eventhalle oder vielleicht noch im Pyjama vor einem Livestream-Gottesdienst. Wir geniessen die Lieder, sehen Freunde oder Verwandte und hören hoffentlich einer erbauenden Predigt zu. Alles verläuft wie an jedem Sonntag: Wir schätzen die Ruhe vom Alltag und den gemütlichen Kaffee nach dem Gottesdienst. 

Ein paar hundert Kilometer entfernt sieht es anders aus. Dort ist Halloween vorbei und wird durch den alltäglichen Horror abgelöst. Das Gruseln ist hier kein Spiel, sondern todernst. Das Blut ist echt und lässt sich nicht einfach mit einem Make-up-Tuch abwischen. Abgetrennte Körperteile sind nicht einfach aus Plastik, und der Schrecken sowie die Angst hören nicht auf. Nicht nur in der Ukraine herrscht Krieg; in vielen Teilen der Welt dauert «Halloween» viel zu lange an, und ein Ende ist nicht absehbar. Oft werden diese Kriege und das Säbelrasseln mit religiöser Unterstützung geführt. Mächtige Staatsführer in West und Ost missbrauchen christliche Symbole, Bibelverse und Gebete, um daraus ein Narrativ zur Rechtfertigung ihres Handelns zu konstruieren.

Jesaja fordert eine permanente Haltung gegen Gewalt

Diese Überlegungen führen mich dazu, folgende Frage zu wagen:

Ist unser Einsatz gegen das Dunkle, das Zerstörerische, das Menschenverachtende und das Tödliche bereits nach 24 Stunden beendet, oder sollte es uns täglich so sehr beschäftigen, dass wir «Stopp» rufen?

Vielleicht fühlen wir uns machtlos. Vielleicht glauben wir selbst die Behauptung, dass ein «gerechter» Krieg nötig sei oder dass dies Gottes Plan darstelle.

Heute Morgen habe ich durch den Monatsspruch für den November einen völlig neuen Blick auf den Plan Gottes kennengelernt. Jesaja vermittelt im zweiten Kapitel einen radikalen Gedanken und fragt uns direkt:

Glaubst du daran und möchtest du an diesem Plan mitwirken?

Ich wünsche dir einen (un)ruhigen November, viel Mut und Gottes Segen.

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