«Siehe, ich mache alles neu»
Nach langem Ringen, unzähligen Gebeten und einem verzweifelten Festhalten an der Hoffnung auf Heilung starb vor einigen Jahren zum zweiten Mal ein geliebter Mensch aus meinem engsten Kreis an Krebs. Erst mein Vater, als ich 15 war, und dann, 2019, auch noch meine Schwägerin. Dieser Verlust war der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Mitten in der Überforderung durch zwei kleine Kinder, in tiefer Trauer und geplagt von Ängsten, Panikattacken und Depressionen tauchte plötzlich ein Vers in meinen Gedanken auf: «Siehe, ich mache alles neu.» (Offenbarung 21,5 ELB)
Angesichts meiner Lage klang er wie Hohn – unmöglich, unerreichbar, wie ein Märchen. Doch mein Leben war innerlich wie äusserlich so zerbrochen, dass gerade dieser Satz zu meinem letzten Hoffnungsschimmer wurde.
Von klein auf hatte ich an Gott geglaubt. Doch die schweren Jahre voller Leid und die wiederholte Konfrontation mit dem Tod hatten mein Vertrauen in einen liebenden Gott zutiefst erschüttert. Ich fragte ihn, was er dazu zu sagen hatte – doch Gott schwieg. Ich suchte nach Antworten, doch Worte konnten meinen Schmerz nicht lindern. Ich sehnte mich nach Wiederherstellung, aber wie sollte etwas heil werden, das in tausend Stücke zerbrochen war?
Neu
Meine Aufmerksamkeit blieb an diesem Wort hängen: Neu. Genau das wünschte ich mir – aber was bedeutete es wirklich? Meine Fantasie und Ideen kannten keine Grenzen: ein veränderter Ehemann, der mein Gefühlschaos versteht. Kinder, die endlich durchschlafen. Ein grösseres, schöneres Zuhause. Ein Körper, der wieder Kraft zurückgewinnt.
Meine Schlussfolgerung: Damit mein Herz zur Ruhe kommen könnte und ich ein Leben in Fülle erlebte, müsste alles um mich herum neu werden. Doch diese Vorstellung war zu märchenhaft und zerplatzte wie der Zauber um Mitternacht bei Cinderella. Ich wartete regelrecht auf Veränderung, sehnte mich nach etwas Neuem. Aber im Aussen blieb alles gleich.
Und doch schwebte der Vers weiterhin in meinen Gedanken, wie eine leise Einladung. Dann gesellte sich eine Frage dazu: «Bist du bereit?» Bereit wozu? Ich wusste es nicht. Aber ich ahnte, dass ich an einem Wendepunkt stand. Alles oder nichts. Also machte ich mich auf eine Reise – zu Gott, zu meinem Schmerz und meinem Innersten.
Alles
Es fühlte sich an wie eine Herzoperation – und in gewisser Weise war es das auch. Denn es ging um mein Innerstes, um mein Herz, um alles. «Mehr als alles … behüte dein Herz, denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens» (Sprüche Kapitel 4, Vers 23 ELB).
So schloss ich meine Augen, und vor meinem Inneren entfalteten sich Bilder, Szenen, ganze Filme, wie Tagträume. Sanft, aber auch ehrlich hielten sie mir einen Spiegel vor: Sie zeigten Gedanken, Muster und Themen, die mich gefangen hielten, mir Freude und Leben raubten. Zugleich schenkten sie tiefe Erkenntnisse und eröffneten neue Perspektiven.
Und mitten in diesen Bildern begegnete ich immer wieder Gott. Nicht als strafendem, verurteilendem oder fernem Gott, wie meine Erfahrungen mir zuflüsterten. Sondern als einem Gott voller Geduld, Kraft und Liebe.
Die Begegnungen mit Gott waren wie heilende Umarmungen. Die Bilder wie Spiegel, die befreiende Wahrheiten brachten und zugleich eine Einladung, ehrlich hinzusehen, alte Muster loszulassen und mein Denken erneuern zu lassen. Die Veränderung begann nicht sichtbar im Aussen, sondern leise und behutsam in meinem Herz.
Mache
Statt wie befürchtet einen schmerzhaften Prozess antreten zu müssen, erlebte ich, wie Gott mein Inneres sanft bewegte – nicht durch Regeln und Gebote, sondern durch Bilder und Worte.
Diese inneren Gleichnisse offenbarten mir mein zerbrochenes Herz – nicht, um Schuld oder Urteil über mich zu sprechen, sondern um Licht ins Dunkel zu bringen und Totes aufblühen zu lassen.
Ich lernte, meine Aufmerksamkeit auf das Gute, auf Gott selbst, zu richten und so mein Herz mit Leben und Freude zu füllen. Denn womit wir uns füllen, das wird unweigerlich auch wieder aus uns herausfliessen. So wurden die Wahrheiten Gottes aus der Bibel Schritt für Schritt zu meiner neuen Realität und Identität.
Ich
Wenn Gott spricht «Siehe, ich mache alles neu», dann ist entscheidend, ihn wirklich kennenzulernen. Sein Wesen ist keine Frage von Meinungen, Erfahrungen oder Interpretationen, sondern Wahrheit, die unverrückbar bleibt. Gott ist gut.
Meine Geschichte hatte mich seine Güte anzweifeln lassen – und sicher bleiben Fragen bis an mein Ende offen. Doch auf dieser Reise durfte ich seine unfassbare und bedingungslose Liebe neu erfahren. Eine Liebe, die bis in den Tod geht, ist keine Liebe, die Schmerz zufügt.
Siehe
Seit dieser Vers mein Herz bewegt hat, hat sich mein Leben so sehr verwandelt, dass ich selbst staunend zurückblicke. Er hat mein Leben nicht nur verändert, sondern gerettet.
Gott spricht
Diese Zusage aus Offenbarung Kapitel 21, Vers 5 gilt nicht nur mir, sondern steht wie eine Überschrift über dem neuen Jahr 2026. Sie klingt wie ein Märchen, doch sie ist eine Einladung zum grössten Abenteuer und zur schönsten Liebesgeschichte. Sie wird lebendig in jedem, der sein Leben in Gottes Hände legt und sich ihm hingibt.
Denn Gott fragt dich: «Bist du bereit? Siehe, ich mache alles neu.»
Fabienne Sita arbeitet als Autorin, freiberufliche Fotografin und Grafikerin und lebt mit ihrer Familie in Wetzikon ZH. Ihre besondere Geschichte mit der Jahreslosung 2026 erzählt Fabienne Sita ausführlich in dem Buch «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu – Das Buch zur Jahreslosung 2026» (R.Brockhaus). Dort beschreibt sie, wie sie Gottes erneuernde Liebe in einer schmerzhaften Zeit in ihrem Leben neu erfahren hat.
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Datum: 01.01.2026
Autor:
Fabienne Sita
Quelle:
Magazin Joyce 04/2025, SCM Bundes-Verlag