Gläubige Patientinnen bewältigen Krankheit besser

Patientin Spital
Bad Kreuznacher Rehabilitationsklinik Nahetal

Hilft Religiosität bei der Krankheitsbewältigung? Dieser Frage geht eine Studie nach, bei der an der Rehabilitationsklinik Nahetal in Bad Kreuznach derzeit 518 Darmkrebs-Patienten befragt werden.

"Krebs ist eine Diagnose, die vom Patienten als lebensbedrohlich empfunden wird, die Angst verursacht. Wir wollen wissen, inwieweit der Glaube an Gott, die Religion, die Fähigkeit eines Menschen beeinflussen, mit dieser Angst umzugehen", erläutert Dr. Jürgen Körber, Ärztlicher Direktor der Klinik, berichtet das „Wiebadner Tagblatt“. Gemeinsam mit Dr. Sebastian Murken, Projektleiter am Forschungszentrum für Psychologie und Psychosomatik der Universität Trier, führt Körber die Studie durch.

Neu sei das Thema für die beiden nicht. Zwischen 2003 und 2005 hätten sie eine ähnliche Studie mit rund 190 Frauen durchgeführt, die an Brustkrebs erkrankt waren. "Frauen leben ihre Religiosität aber möglicherweise anders als Männer. Aus diesem Grund möchten wir nun beide Geschlechter zu diesem Thema befragen", erläutert Körber.

Weniger Depressionen

Bei den erkrankten Frauen zeigte sich, dass diejenigen, die als "hochreligiös" eingestuft wurden (etwa 20 Prozent der Befragten), weniger depressiv waren als Patientinnen, die "mittelreligiös" (80 Prozent) oder nicht religiös (20 Prozent) waren.

"Bei letzteren stellte sich wiederum heraus, dass sie einen weniger starken Halt hatten, die Belastung dadurch höher war", erläutert Körber. Die Religion, auch das hat die Studie mit den Brustkrebs-Patientinnen gezeigt, beeinflusst den Umgang mit der Krankheit nicht nur positiv. "Es gab Patientinnen, die ihre Situation als Strafe Gottes ansahen, weil sie nicht richtig oder fest genug geglaubt haben", berichtet der Direktor der Bad Kreuznacher Klinik.

Eine Änderung hat es laut dem „Wiebadner Tagblatt“ bereits an der Bad Kreuznacher Rehabilitationsklinik gegeben, nachdem die Ergebnisse der ersten Studie mit den Brustkrebspatientinnen vorlagen: Es wurde ein Fahrdienst eingerichtet, der die Patienten sonntags zum Gottesdienst bringt.

Quelle: Wiebadner Tagblatt

Datum: 21.10.2006

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