Ursula Bruhin

Vom Wettstreiten zum Wegbegleiten

Im olympisch gestylten Pyeongchang hat sich die sportliche Elite gemessen und ist weiterhin mit den Paralympics dran. Als vierfache Weltmeisterin und mit 109 Podestplätzen hatte auch Ursula Bruhin einen 7. Rang an olympischen Spielen errungen. Was sie danach als Sportlercoach begann, führt sie nun als Lebensberaterin weiter. Und was geschah sonst noch?

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Ursula Bruhin
Die XXIII. Olympischen Winterspiele fanden vom 9. bis 25. Februar 2018 in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang unweit der Küste statt. Bleibt denn nun mehr als Schall und Rauch übrig, wenn die russische Hymne nicht erschallen durfte und die olympische Feuerflamme erloschen ist? Ursula Bruhin kennt das «Danach» bestens. Sie ist heute nach erfolgreicher Sportlerinnen-Karriere als Referentin, Sportmentorin und Lebensberaterin tätig.

Livenet: Wie fanden Sie den richtigen Moment, Ihre erfolgreiche Karriere zu beenden?
Ursula Bruhin: Ein Jahr vor den Olympischen Spielen 2006 in Turin realisierte ich, dass meine Motivation langsam zu Ende ging. So fragte ich Gott im Gebet, ob ich noch an die Olympischen Spiele gehen sollte? Durch ein Lied erhielt ich die Antwort, dass Gott mir genug Kraft schenken wird, das Training durchzuhalten. Bei jedem Motivationsloch kam mir das wieder in den Sinn und half mir, weiter zu trainieren. Dadurch schaffte ich es schlussendlich, an den Olympischen Spielen 2006 den 7. Platz zu erreichen und in der Weltrangliste mit dem 3. Platz abzuschliessen. Meine Teamkollegin Fränzi Mägert-Kohli übernahm als würdige Nachfolgerin meinen Platz. Meine letzte Schweizermeisterschaft und gleichzeitig mein letztes Rennen beendete ich mit dem 2. Platz.

Nach meinem Karriereende engagierte mich ein Hauptsponsor, seine VIPs an der Weltmeisterschaft zu begleiten. Das war eine willkommene Anstellung und super bezahlt. Es bestätigte mir, dass ich im rechten Moment den Sprung in einen neuen Lebensabschnitt geschafft hatte.

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Ursula Bruhin konnte in ihrer Karriere grosse Erfolge feiern.
Was vermissen Sie am meisten?
Das viele Reisen schweisste uns zusammen wie eine zweite Familie. Einer im Team organisierte gerne. So bekamen wir neben dem Austragungs-Ort der Wettkämpfe viel von Land und Leuten mit, verbunden mit schönen Erinnerungen. Diese «zweite Familie» verteilte sich nun natürlich in alle Himmelsrichtungen.

Wie kann der Glaube im Sport helfen?
Für mich ist der Glaube an Gott wie ein fester Fels, auf dem ich sicher stehen kann. In schwierigen Zeiten weiss ich, dass ich nicht tiefer fallen kann als in seine Arme. Er ist mein «bester Trainer», denn er ist Tag und Nacht bei mir. 

Welche Leidenschaften leben Sie heute?
Ich bin unterwegs in Sport-Camps und begleite und coache unterschiedliche Menschen im Alltag. Zu sehen wie Personen in die Freiheit kommen, begeistert mich immer wieder von neuem. Als Referentin meine Erfahrungen weiter zu geben, erfüllt mich mit Freude. Dazwischen betätige ich mich als Facility-Managerin. 

Korruption, Doping und anderes verpassen dem Sport ein übles Image. Was denken Sie dazu?
Haben Sie schon mal «Neo-Citran» eingenommen? Das war damals noch auf der Dopingliste. Bevor wir andere verurteilen, sollten wir nicht vergessen, zuerst immer bei uns selber hinzuschauen. Natürlich ist Doping eine hässliche Sache, vor allem wenn man den Zweitplatzierten um seinen Sieg und seine Siegesfeier betrügt. Teilweise werden Dopingmittel verabreicht, weil der Staat erfolgreich sein will. Er will den Sportler fördern, macht Versuche ohne Wissen des Athleten, wie in der ehemaligen DDR. Daraus entstehen krasse Spätfolgen. Doch wer fragt zehn Jahre später nach diesen Opfern und deren verkrüppelten Körpern? Wer fängt sie auf, wenn sie am Ende sind? Ja es gibt einige, die unwissend gedopt wurden. Sie waren noch zu jung und unmündig, um das Ganze überhaupt zu verstehen.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche, Perspektiven fürs 2018?
Dank der Lebensberatungs-Schulung durfte ich in vielen persönlichen Sachen zuerst selber in die Freiheit kommen. Nun kann ich andere darin begleiten. Es ist ein Geschenk, zu erleben, wie Hoffnung in ihnen entsteht und wie sie sich durch neue Erkenntnisse aus ihren alten Mustern lösen können.

Menschen bei Sport, Spiel und Spass in die Freiheit führen und... Auf jeden Fall: Mit mir selber achtsam sein und respektvoll mit anderen umgehen!

Zur Webseite:
Ursula Bruhin

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Datum: 14.03.2018
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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