Trotz «hartem Boden»

Über Beziehungen Schritt für Schritt ein Drogenquartier verändern

Gemeindegründer Marco Palma aus Neapel (Italien) fand eine Strategie, durch die sich die Zahl der Besucher in seiner Gemeinde in einem Jahr verdoppelte. An einer Tagung in Bern erzählte er von den kreativen Wegen, wie er Leute für den Glauben zu begeistern versucht und neue Gemeinden gründet.
Marco Palma
Evangelistische Zeitschrift «Real Life»
Kühlschrankmagnet mit Aufdruck «Ich liebe Dich. Gott»
Flashmob in Italien

Nach schwierigen Erfahrungen mit Haus-zu-Haus-Evangelisation fand Palmas Gemeinde in Neapel neue Strategien, wie man die Leute für Jesus gewinnen konnte – mit Erfolg. Mit seiner Gemeinde hat er eine Verteilaktion durchgeführt, bei der 1'500 Häuser erreicht wurden. Ausserdem hat er die Jugendbewegung «Generazione Senza Confini» (Generation ohne Grenzen), mit der er evangelistische Events und grosse Jugendfreizeiten organisiert.

Hoffnung im Drogenquartier

Marco Palmas Gemeinde grenzt an ein Quartier mit ungefähr 90'000 Einwohnern, das im ganzen Land für seinen Drogenhandel bekannt ist. Der Drogenhandel ist dort das Haupteinkommen: Jeden Tag werden ca. 1 Mio. Drogen verkauft. Aus dem ganzen Land kommen Menschen, um dort Drogen zu kaufen.

Die Gemeinde, die seit drei Jahren dort besteht, sah in diesem Standort eine Gelegenheit, das Milieu zu verändern. Marco Palma lud auf einen Vorschlag von EHC verschiedene Pastoren ein und begann das Pilotprojekt «Real Life» mit einer evangelistischen Zeitschrift, die auch den Terrorismus thematisiert. Im Rahmen dieses Projekts wurden auch 500 Bibeln und ein Buch zu den ersten Schritten im Glauben verteilt. Zum Start des Projekts lud Palma Pastorenfreunde ein und stellte ihnen das Projekt mit den 40'000 gedruckten Zeitungen vor, die möglichst gut eingesetzt werden sollten.

Ein hartes Pflaster

Es gab aber ein Problem: in Italien werden Wohnungen zwar schnell für einen Besuch geöffnet, aber wenn man über den Glauben sprechen will, blocken die Leute ab. Oft denken sie, es seien Zeugen Jehovas. Zudem sind viele Leute grundsätzlich gesättigt von Religion, Institutionen und Missionierung. Die Hürden schienen also hoch und der Boden hart zu sein. Erschwerend kam hinzu, dass nicht die Möglichkeit bestand, die Zeitungen in die Briefkästen zu legen, mussten sich Palma und seine Teams eine Alternative ausdenken.

So haben sie Einladungen für eine Begegnung bei einem Kaffee verteilt und Treffen organisiert, wo man etwas essen und über die Zeitung sprechen konnte. Anschliessend gaben sie den Leuten Zeitungen mit und baten sie, diese an Nachbarn weiterzugeben.

Persönliche Begegnungen führen zu Offenheit und Interesse

Ausserdem luden sie Nachbarn zu sich nach Hause ein und gaben Ihnen eine Bibel und ein Büchlein über den christlichen Glauben ab. Da sie sich kannten, nahmen die Nachbarn die Bücher bereitwillig – aus Höflichkeit – an. Eine weitere kreative Idee war zudem, Kühlschrankmagnete zu verteilen, die auch nach dem Lesen der Zeitung erhalten bleiben und die Menschen an die Begegnung erinnerten.

Aus diesen persönlichen Begegnungen entsprang dann Offenheit. Deshalb ist das Beziehungen Bauen die Basis für die Gemeindearbeit. «Bevor wir über Jesus reden, sprechen wir über die persönlichen Probleme wie Eheprobleme, Depressionen, Arbeitslosigkeit. Wenn die Leute an so ein familiäres Treffen kommen, können sie Kirchenluft schnuppern und lassen sich dann in die Gemeinde einladen.»

Camper-Café und grosser Markt

Neben der persönlichen Evangelisation verteilt Palmas Team auch Zeitungen im öffentlichen Raum: am Hauptbahnhof, in Armenvierteln kombiniert mit etwas zu essen, an Taxistationen und Busbahnhöfen. Es gab auch Evangelisationen mit Pantomime und Theater, und sie entdeckten, dass die heissgeliebte Pasta auch ein gutes Mittel ist, um das Evangelium zu verbreiten.

Ausserdem organisieren die Teams evangelistische Events, Konzerte und Musicals mit weltlichen Liedern, wo die Leute gern kommen und dann über die Lösung für ihre Stadt oder ihr Herz sprechen. Auch wird jedes Jahr im Dezember ein Markt über 1'000 Quadratmeter organisiert, wo den Besuchern am Ausgang eine evangelistische Zeitung in die Hand gedrückt wurde. 

Ernte nach 40 Jahren

In Palmas Gemeinde bekehrte sich bei einem Einsatz eine Ärztin, die ein Familienhaus in Avellino hatte. Sie nahm also alle Kinder des Hauses und verteilte mit ihnen Zeitungen im ganzen Quartier. Dadurch wurde eine Gemeinde gegründet, in der sich bereits 40-50 Personen jeden Samstagnachmittag treffen.

Er traf auch einen Mann, der in Avellino bereits vor fast 40 Jahren begonnen hatte, evangelistische Verteilschriften zu verteilen, und jetzt können sie die Frucht sehen, die daraus entstanden ist mit dieser wachsenden Gemeinde.

Nächsten Herbst organisiert Palma zudem eine interkonfessionelle Konferenz in Italien, wo 80-90 Werke und praktisch jede Denomination mitwirken. Dies ist das erste gemeinsame grosse Projekt Italiens, da sonst jede Denomination für sich bleibt und so kaum Ausstrahlungskraft hat.

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Datum: 20.12.2016
Autor: Anja Janki
Quelle: Livenet / EHC International

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