Kann man sich verändern? – Jesus im Herzen, aber Opa in den Knochen...

Christ werden ist nicht schwer, Christ sein dagegen sehr. Wie ist es möglich, dass man nicht nach einiger Zeit frustriert aufgibt, sondern ein Leben lang dranbleibt und verändert wird?
17.10.2024
3 min
Älterer Herr auf einer Bank
Unsplash/ @Mike Cox
Älterer Herr auf einer Bank

Mit der Veränderung ist das so eine Sache: Wir haben Angst davor, es gibt ein Trägheits- und Beharrungsmomente – gleichzeitig wünschen wir uns, anders zu werden. «Ich bin OK, du bist OK» kann zum Faulheits-Argument werden. Mindestens wenn man Christ wird, steckt die Sehnsucht in einem drin, sich persönlich und charakterlich in eine bestimmte Richtung zu verändern – in Richtung «Christus» nämlich.

Veränderung – ein grosses Geheimnis

Wenn wir fragen, wie Veränderung geschieht, stossen wir auf ein Paradox: Bekanntlich gibt es eine geschätzte Million säkulare Bücher dazu - und einige tausend christliche - aber die wenigsten Christen haben eine klare Vorstellung, wie sie «intentional», langfristig und nachhaltig vorgehen sollen. Der Wille ist eine gute Sache, aber allein mit dem Willen geht es nicht. Bibellesen ist auch eine gute Sache, aber dieser gute Rat allein bringts auch nicht. Und ein Download vom Himmel – so schön geistliche Erfahrungen sein können – schafft es in der Regel auch nicht.

Das Ergebnis: ein stiller Frust, dass «es» nicht klappt. Bei anderen vielleicht – sie sehen ja am Sonntag so erlöst aus – aber bei mir nicht. Meine Gene, meine Schwäche und Opa in meinen Knochen sind scheinbar stärker.

You Gotta Serve Somebody

Es ist gut, dass der Begriff «Jüngerschaft» in den letzten Jahrzehnten ins christliche Bewusstsein gerückt ist. Er weist auf die Grundfrage meines Lebens hin: «Wem folge ich?» «You Gotta Serve Somebody» hat Bob Dylan vor Jahren gesungen: Jemandem musst du dienen. Jeder Mensch «dient» oder «folgt» – sei es einer Person oder einer Idee oder seinem Bauch oder was oder wem auch immer. «Jüngerschaft» bedeutet: Ich habe mich entschieden, einem Meister nachzufolgen, nämlich Jesus. John Mark Comer fasst in seinem Buch «Leben vom Meister lernen» die Ziele dieser Nachfolge ganz einfach dreifach zusammen: 1. Mit Jesus zusammen sein, 2. Jesus ähnlich werden und 3. Handeln wie Jesus.

Einfach mal lieben

Veränderung fängt immer mit Jesus an. Und es ist etwas Befreiendes: Am Anfang steht nicht meine Leistung, meine Willenskraft oder Intelligenz, sondern die Pflege einer Beziehung. Nicht ein System oder eine Religion verändert mich, sondern zuallererst mal das Zusammensein mit diesem Jesus. Einfach Sein. Das ist gerade für alte fromme Hasen ein Umlernen: ohne zuerst zu bitten oder zu klagen oder sonstwas. Einfach lernen, mit Jesus zusammen zu sein. Viele kleine Augenblicke am Tag, an denen ich – statt zur Zeitung oder zum Handy zu greifen – mal mit Jesus zusammen bin.

Ohne dieses häufige «Zur-Ruhe-Kommen» bei Jesus werden es immer andere Kräfte sein, die uns bestimmen: meine Triebe und Gewohnheiten, die laute Welt und die tausend Pflichten und Aufgaben des Lebens. Und mit der Zeit kann das «Bei ihm sein» zur Default-Haltung werden – denn es ist einfach schön.

Das ist nicht alles, und es geht gar nicht um mystische Weltflucht, aber hier fängt Veränderung an. Alle weiteren geistlichen Übungen und Entwicklungen wachsen aus dieser inneren Wurzel. Es ist ein Lebensgesetz: Wir werden zu dem, auf das – oder auf den – wir sehen.

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