Von Mobbing zum Durchbruch

Cyndi Thomson entdeckt ihre Stimme

Cindy Thomson
Cyndi Thomson träumte schon früh von einer Karriere in der Countrymusik. Trotz Mobbing in ihrer Jugend entdeckte sie ihre Stimme und folgte ihrem Traum nach Nashville. Dort erreichte sie grossen Erfolg … doch innerlich begann ein anderer Kampf.

Während sie zuhause träumen durfte, wurde Cyndi Thomson in der Schule stark gemobbt. «Tief in meinem Inneren wollte ich eigentlich gar nicht gesehen werden. Ich war ein ruhiges kleines Mädchen, das einfach verschwinden wollte. Zu Hause hatte ich ein sehr gutes Umfeld, ich fühlte mich sehr geliebt. Ich war eigentlich sehr selbstbewusst, aber diese ganze Erfahrung hat mich verändert.»

Ihre Schwester spielte in einer Blaskapelle. «Es war eine grosse Band. Ich selbst spiele Klarinette und dachte, dass ich da untergehen könne. Also trat ich der Band bei, aber ich war eine schreckliche Klarinettenspielerin. Ich sass ganz hinten. Eines Nachmittags kam die Chorlehrerin herein und fragte: ‘Ist Cyndi Thomson hier?’ Es war eine riesige Klasse, und schliesslich hob ich zögerlich die Hand. Ich war schüchtern und hatte Angst. Sie bat mich, nach draussen zu kommen.»

«Ich habe gehört, dass…»

Die Lehrerin sagte: «Ich habe gehört, dass du singen kannst.» Sie bat sie, mit in ihren Unterricht zu kommen. «Wir gingen in den Chorraum, wo all die coolen Kids waren, und sie stellte mich vor das Klavier und spielte Tonleitern, eine nach der anderen. Sie bat mich, sie nachzusingen. Sie wurden immer schwieriger, und ich schaffte sie alle. Die Lehrerin sagte: ‘Was auch immer du mit deiner Klarinette machst, das ist jetzt dein Platz.’»

Das war für Cyndi schwer zu verstehen. «Weil ich gerade aus dieser Mobbing-Erfahrung kam und nicht wusste, wer ich war. Sie war die erste Person, die wirklich ausgesprochen hat, was Gott in mein Leben gelegt hatte. Sie sah eine Salbung, die ich selbst nicht sah.»

Plötzlich erfolgreich

Sie erhielt einen Plattenvertrag, «für mich bedeutete Erfolg in erster Linie, dass ich einen Traum verwirklichen konnte, von dem ich glaubte, dass Gott ihn mir ins Herz gelegt hatte: nach Nashville zu ziehen und einen Plattenvertrag zu bekommen. Und noch besser war, dass die Plattenfirma ‘Capitol’ an die Songs glaubte, die ich geschrieben hatte, und mir erlaubte, sehr stark Teil des Projekts zu sein.»

Man möchte, dass der eigene Song die Charts anführt. «Man möchte Anerkennung und Auszeichnungen bekommen, weil das in gewisser Weise zeigt, dass die harte Arbeit und die Kunst gesehen wurden. Für mich waren das damals die Dinge, die zählten. Allein bei einem Label zu sein und meine Songs auf einer Platte zu haben, bedeutete mir unglaublich viel.»

Grosse Schmerzen

Dann entschied sie sich dazu, die Musikindustrie zu verlassen. «Es war ein Prozess, den ich mit niemandem geteilt habe. Es war, als hätte ich ein grosses Geheimnis, das ich niemandem erzählen konnte, weil ich meinen ultimativen Traum erreicht hatte. Man nannte mich das ‘It-Girl’. So viele Dinge passierten, von denen man träumt. Doch tief in mir hatte ich Panikattacken. Ich war depressiv und nahm Antidepressiva. Mein Herz wurde jede Woche überwacht. Ich hatte grosse Schmerzen und verstand nicht, warum, denn das Leben, das ich führte, war so schön.»

Von aussen sah alles fantastisch aus, «und das war es in vielerlei Hinsicht auch. Aber ich sage immer: Berühmtheit ist unnatürlich. Das heisst nicht, dass wir nicht bekannt sein dürfen oder dass Gott uns nicht in Positionen stellt, um ihn zu repräsentieren oder ein Licht für die Welt zu sein. Aber mir war damals einfach klar, dass ich nicht wusste, was passieren würde, wenn ich nicht gehen würde.»

Der Zusammenbruch

Rückblickend war es Selbstschutz und ganz klar die Hand Gottes über ihrem Leben, erklärt Cyndi Thomson. «Diese Entscheidung war von viel Gebet begleitet. Ich habe keine anderen Menschen in diese Entscheidung einbezogen, weil ich ihnen nicht die Last eines Ja oder Nein aufbürden wollte. Es war ein privates Gespräch zwischen mir und dem Herrn. Ein privater innerer Kampf, weil er mir diesen Traum letztlich gegeben hatte.»

Eines Abends brach sie hinten im Bus zusammen. «Ich hatte das Gefühl, dass der Herr zu mir sagt: ‘Geh. Du kannst mir darin vertrauen. Ich bitte dich nie um etwas, das ich in deinem Leben nicht vollende. Und ich sagte: ‘Nein.’ Also arbeitete ich weiter. Ich bat den Herrn um etwas Übernatürliches.»

Die Frau im Rollstuhl

Und es geschah. «Ich war auf einem Flughafen, mein Flug hatte Verspätung. Ich war mit meiner Band unterwegs, sie gingen etwas essen, und ich sass mit meinem Mann zusammen. Er las Zeitung und ich hatte mir ein neues Selbsthilfebuch gekauft. Ich suchte den Herrn im Gebet. Etwa zwei Gates weiter, beide waren geschlossen, wurde eine afroamerikanische Frau Ende achtzig im Rollstuhl abgestellt, mit dem Gesicht zur Wand. Die Airline-Mitarbeiterin liess sie dort zurück. Sie versuchte, ihren Rollstuhl zu bewegen. Ich dachte: Das ist seltsam, dass man so mit jemandem umgeht. Ich sagte zu meinem Mann: ‘Schau mal, das ist merkwürdig. Es sieht so aus, als müsste sie irgendwohin.’ Er sagte: ‘Vielleicht solltest du ihr helfen.’ Und ich antwortete: ‘Nein, ich habe mein Selbsthilfebuch. Niemand ruft mich an, alle denken, ich sitze im Flugzeug. Ich habe gerade Ruhe.’ Aber es liess mich nicht los. Also stand ich schliesslich auf, ging zu ihr und fragte: ‘Ma’am, müssen Sie irgendwohin?’ Und sie sagte: ‘Ja, Liebling, ich muss auf die Toilette.’ Ich sagte, dass ich sie hinbringen kann.»

«Du musst glücklich sein»

Cyndi Thomson schob die Frau im Rollstuhl durch den Menschenstrom. «Dabei begegnete mir eine junge Frau, die mich wütend ansah, weil ich ihr im Weg war. Und ich dachte: Das bin irgendwie ich geworden. Es war ein kurzer Moment, alles geschah schnell und fühlte sich gleichzeitig wie Zeitlupe an.»

Nachdem sie der Frau geholfen hatte, nahm diese Cyndis Hände und sagte: «Du musst die Entscheidungen treffen, die dich im Leben glücklich machen. Du musst glücklich sein.» In diesem Moment wusste sie, dass der Herr zu ihr sprach und ihr erklärte: «Ich höre dich, und ich habe dir heute etwas gegeben, um dir zu zeigen, dass es in Ordnung ist, diese Entscheidung zu treffen.» Es folgten Gespräche mit dem Label, der Abschied und plötzlich kam alles zum Stillstand.

«Wahrscheinlich werden sie mich hassen»

Kein Tourbus, keine Interviews, keine Flüge, keine roten Teppiche. Alles war weg und sehr still. 

Sie erhielt eine Anfrage, jungen Mädchen von ihrem Erleben zu erzählen und für sie zu singen. «Es war ein Ort für Mädchen, die sehr traumatische Erfahrungen gemacht hatten. Es war kein grosses Haus, sie nahmen nur wenige gleichzeitig auf, weil sie sich stark auf deren Heilung konzentrierten. Es war ein wunderschöner Ort.»

Doch dann begannen Zweifel an ihr zu nagen. «Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr dachte ich: Ich kann da nicht hingehen. Ich hatte eine tolle Kindheit, liebevolle Eltern, einen Plattenvertrag … und ich habe ihn aufgegeben. Warum sollten sie sich mit mir identifizieren? Wahrscheinlich werden sie mich hassen. Diese Gedanken hörten bis zur Nacht vor der Abreise nicht auf. Aber ich hatte zugesagt, also ging ich.»

Gottes Bestätigung in der Stille

Die Leiterin sagte: «Wir haben einen strengen Zeitplan. Um neun müssen alle im Bett sein. Wenn du deine Geschichte teilst, bleibt Zeit für ein Lied.» Als die Mädchen hereinkamen, sah ich einige, die neu waren und die sich über ihre Situation ärgerten. «Und dann war da ein Mädchen, das sich ganz vorne hinsetzte und mich nur anstarrte.»

Cyndi Thomson erzählte ihre Geschichte und sang. Die Lehrerin gewährte noch einen zweiten Song. Dabei war gar kein zweiter vorberietet. «Da sagte mein Mann: ‘Ich habe eine Idee.’» Er schlug einen anderen Song vor. «Als wir zu singen begannen, fing das Mädchen in der ersten Reihe an zu weinen. Nach dem Lied blieb sie und bat mich, mich zu ihr zu setzen. An diesem Abend wäre ich eigentlich bei den ‘ACM Awards’ gewesen. Stattdessen sass ich dort mit diesem wunderschönen jungen Mädchen. Sie sagte: ‘Als ich erfahren habe, dass du kommst, konnte ich es fast nicht glauben. Ich wollte dich schon mein ganzes Leben treffen.’»

Das Lied war mit einer Erinnerung verbunden, warum sie in diesem Haus war. «Sie bat Gott um eine neue Erinnerung zu diesem Lied. An diesem Punkt weinte ich, es war, als würde der Herr zu mir sagen: ‘Cindy, ich weiss, wo du sein wolltest. Aber ich kümmere mich um die eine Person.’ Das ist eine wunderbare Geschichte, die zeigt, dass Gott sich um den Einen kümmert. Und er geht jeden Weg, um ihn zu erreichen.» Nun arbeitet Cyndi Thomson an ihrem Comeback.

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Datum: 26.01.2026
Autor: Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle: Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch

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