Undercover … und auf der Kanzel
«Den Grossteil meiner Laufbahn arbeitete ich in der Drogenbekämpfung», blickt Dale Sutherland zurück. Er besuchte aber auch eine Bibelschule. «Als ich in den Ruhestand ging – und sogar schon während der letzten zwölf Jahre meiner Polizeikarriere – tat ich beides gleichzeitig: Ich war Pastor und zugleich verdeckter Polizeibeamter.»
Auch sonst wird ihm nicht langweilig: «Ich habe drei Töchter, dreizehn Enkelkinder und zwei weitere sind unterwegs.»
Er habe schon immer eine Leidenschaft dafür gehabt, das Evangelium weiterzugeben und die Bibel zu lehren. «Ich erinnere mich, wie ich mit 16 Jahren meine erste Predigt hielt und den Wunsch hatte, die Bibel zu unterrichten. Ich wollte immer, dass das Evangelium hinausgeht und Menschen Christen werden. Das Beste, was ich irgendjemandem geben kann, ist, ihn mit dem Retter der ganzen Welt bekannt zu machen – dem Schöpfer und dem, der sein Leben für die Menschen gegeben hat.»
Polizeiarbeit während der Crack-Epidemie
Irgendwann entschied er sich, Jugendpastor zu werden und mit Jugendlichen aus städtischen Problemvierteln zu arbeiten. «Das führte mich nach Washington, D.C. und schliesslich zur Polizei. Die Arbeit als Polizeibeamter war manchmal gefährlich, besonders am Anfang meiner Laufbahn.»
Er trat seinen Dienst mitten in der Crack-Epidemie an. «In dieser Zeit lag die Mordrate in praktisch jeder Stadt der USA plötzlich etwa fünfmal höher als normal. Es passierte ständig etwas, Menschen wurden erschossen.»
Er erinnert sich an eine Nachtschicht, «in der es in meinem Bezirk fünf Schiessereien innerhalb weniger Häuserblocks gab – fünf Opfer. Meine Aufgabe war es, zu jedem Tatort zu fahren und festzustellen, ob das Opfer vermutlich überleben würde oder nicht, weil wir entscheiden mussten, ob Mordermittler oder Bezirksdetektive geschickt werden sollten.»
Beantwortete Gebete
Wenn er sich auf einen verdeckten Einsatz vorbereitete, betete er jeweils. «Ich bin überzeugt, dass jeder Erfolg oder jede Bewahrung, die ich erleben durfte, ein Ergebnis des Wirkens des Herrn und der Beantwortung all dieser Gebete war.»
Er wurde beschossen, ausgeraubt und vielfach bedroht – auch von sehr gefährlichen Menschen, die planten, ihn zu töten. «Doch durch Gottes Gnade bin ich heute hier. Ich fühlte mich in dieser Welt sicher, weil der Herr mich dort dienen liess. Ich sah viele dunkle Dinge. Ich erinnere mich, wie ich zeitweise von Gewalt, Schüssen und Blut umgeben war und leicht hätte abstumpfen können. Darüber spricht man bei Polizisten, Ärzten, Pflegekräften und Soldaten oft – man sieht so viel Leid. Ich sage, der Herr gibt einem eine gewisse Widerstandskraft, damit man nicht innerlich zerbricht oder alles zu seinem eigenen macht.»
Mit Traumata umgehen, ohne abzustumpfen
«Der Herr half mir enorm, damit ich meine Arbeit tun konnte, ohne mich ständig von Sorgen oder Ängsten über das, was passieren könnte oder bereits geschehen war, beherrschen zu lassen. Eine Ausnahme waren Kinder. Wenn bei Durchsuchungen Kinder beteiligt waren – Türen aufgebrochen wurden, Drogenverstecke durchsucht wurden – und man dann in einer Ecke ein weinendes Kind sah, das vermutlich in Pflege kommen würde, dann ging mir das deutlich näher.»
In seiner Polizeikarriere hatte er einerseits mit viel Stress und Angst zu tun, und zu einem Zeitpunkt wurde er sogar zu Unrecht beschuldigt. «Man sagte mir, sie wüssten, dass ich es nicht getan hatte, aber man müsse es untersuchen. Man meinte, es würde vermutlich zwei Wochen dauern. Am Ende zog es sich über sechs Monate hin – es betraf mich und zwei Kollegen. In dieser Zeit rechnete ich ständig damit, eine Panikattacke zu bekommen, weil es eine grosse Sache war.»
Plötzlich unter Personenschutz
Es gab auch andere Situationen – etwa als ein Kartell festgenommen worden war und Drohungen ausgesprochen wurden. «Der Polizeichef wollte, dass ich ständig unter Personenschutz stand. Das war übertrieben und zugleich sehr belastend. Aber auch da tat ich dasselbe: Ich wandte mich an Jesus und sagte: ‘Jesus, ich brauche dich. Du bist der, der mich gerettet hat. Du bist der, der mich bewahren kann.’ Zu seinen Füssen finde ich grossen Trost.»
Als er in den Ruhestand ging, war er bereits als Pastor tätig. «Nach dem Ruhestand fiel der Polizeidienst weg, und ich war ganz im pastoralen Dienst tätig. Meine erste Aufgabe in der Gemeinde war die des Outreach-Pastors. Ich wollte wirksam sein.»
Parallele zu Polizeidienst
Er liebe das Bild des Streifenpolizisten, der auf Notrufe reagiert und in akuten Krisen eingreift, um sie physisch zu stoppen. «Genau dieses Prinzip übertrugen wir auf einen Dienst namens ‘Boost Others’. Die Idee ist, dass ein Sozialarbeiter uns einen Fall meldet; jemanden in einer akuten Krise. Diese Meldung kommt in unser Büro und wird dann an unser Team weitergeleitet, das wir ‘Patrouillenseelsorger’ nennen. Diese Seelsorger reagieren so schnell wie möglich, je nach Auslastung, und gehen direkt zu den Menschen in Not.»
Begleitet werden Missbrauchsfälle «und wir arbeiten viel mit schwerkranken Kindern, etwa mit Krebs oder auf der Neugeborenen-Intensivstation. Dabei können wir Dinge ermöglichen, die Krankenhäuser nicht leisten können. Wir kauften beispielsweise Ernährungssonden für ein siebenjähriges, obdachloses Mädchen mit Leberkrebs, weil die Familie die Versorgung zwischen den Krankenhausaufenthalten nicht finanzieren konnte. So konnten wir auf ganz besondere Weise helfen.»
In jeder Krise wird versucht, der Familie Gebet anzubieten «und 99,9 Prozent wünschen sich das. Ausserdem ermutigen wir sie und stellen ihnen Jesus aus der Bibel vor. Vielleicht nicht den Jesus aus dem Fernsehen oder den, den sie sich vorgestellt haben, sondern den Jesus der ganzen biblischen Wahrheit: den Jesus, der gekommen ist und der seine Liebe gezeigt hat, indem er für die Sünde bezahlt hat.»
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Datum: 19.01.2026
Autor:
Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle:
Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch