Ein wertvoller Assistent

KI in der Jugendarbeit

KI kann ein Assistent für Bibelarbeiten und Vorbereitungen von Gruppenstunden sein (Symbolbild)
Gabriel investiert viel Zeit in Planung, Texte und Flyer – Zeit, die bei Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen fehlt. Darum fragt er sich: Wie kann künstliche Intelligenz im Gemeindekontext helfen, damit mehr Raum für echte Begegnungen bleibt?

Als Leiter engagiert zu sein, bedeutet nicht nur, jüngerschaftlich mit Kindern und Jugendlichen unterwegs zu sein, sondern sich auch mit vielen organisatorischen und planerischen Aufgaben zu beschäftigen. Teilweise braucht man viel zu viel Zeit um Flyer zu gestalten, Programme zu entwickeln und Texte zu verfassen und zu formulieren. 

Schlussendlich kann das die Konsequenz haben, dass wir weniger Zeit für Beziehungen haben. Das ist natürlich auch schade, weil es in der Jugendarbeit nicht darum geht, das Beste Programm zu haben, sondern tragfähige Beziehungen zu leben und zu fördern.

Nun haben wir die Situation, dass seit einigen Jahren immer mehr künstliche Intelligenz (auch KI genannt) in unserer Gesellschaft verwendet und auch geschätzt wird. Gerade in der Bildung, der Informationsbeschaffung und vielen anderen Themenbereichen könnte man KI bereits nicht mehr wegdenken. Ich stelle mir daher die Frage, wie ich künstliche Intelligenz im gemeindlichen Kontext sinnvoll einsetzen kann, damit ich mehr Zeit für meine Beziehungen habe.

Tragfähige Beziehungen

Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass sich viele junge Menschen entweder nicht verstanden oder einsam fühlen. Wir leben demnach in der am stärksten vernetzten, aber gleichzeitig einsamsten Generation überhaupt.

Was heisst das konkret für uns als Jugendleiter? In einer Welt voller Reize, sozialen Medien sind echte Beziehungen kostbarer denn je geworden. Jugendliche festigen ihren Glauben nämlich nicht allein durch perfekte Inputs und Programme, sondern vor allem durch authentische Leiter. Sie brauchen Menschen in ihrem Leben, die nahbar und echt im Leben Jesus nachfolgen und zwar mit allem was dazu gehört: Krisen, Zweifel und den Freuden des Lebens.  

Unser Ziel sollte daher sein, wieder mehr Zeit für diese persönlichen Begegnungen zu gewinnen. Genau hier kann KI zu einem wertvollen Werkzeug werden.

KI als wertvoller Assistent

Hand aufs Herz: Eine KI hat keine Seele. Sie kann keinen Jugendleiter ersetzen und erst recht nicht das Wirken des Heiligen Geistes. Kein Algorithmus der Welt schenkt eine tröstende Umarmung, hört zwischen den Zeilen zu oder geniesst mit uns ein Abendessen. Das sind zutiefst menschliche und geistliche Momente, die man nicht programmieren kann.

Wenn wir Technik nutzen, dann nicht, um uns vor unserer Verantwortung zu drücken oder weniger auf Gott zu hören. Im Gegenteil: Wir lassen die Maschine die mühsame Fleissarbeit im Hintergrund erledigen, damit unser Kopf und unser Herz wieder frei werden. Wir sparen Zeit am Bildschirm, um sie in Menschen zu investieren. KI ist für uns nur ein Werkzeug, das uns den Rücken freihält, damit die echte Begegnung mit jungen Menschen wieder ganz im Mittelpunkt steht.

Wie du KI nutzen kannst

Das sind mögliche Aufgaben, in der KI dich unterstützen kann:

  • Bibelarbeiten und Gruppenstunden vorbereiten: andenken, Ideen liefern, Informationen sammeln usw.
  • Social-Media-Posts machen
  • Veranstaltungen organisieren
  • Präsentationen erstellen
  • Berichte und Protokolle verfassen, strukturieren, korrigieren
  • Aufgabenlisten generieren
  • Material für die persönliche Weiterbildung liefern

Folgende KI-Tools kann man nutzen:

  • ChatGPT/Gemini – Generiert interaktive Bibelarbeiten, Predigten oder kreative Kleingruppenzeiten.
  • Nikodemus AI – Eine KI, die Hintergrundinformationen zu Bibeltexten und praktische Tipps für Bibelarbeiten liefert.
  • Logos Bibel AI – hebt dein Bibelstudium auf ein neues Level.
  • DeepL Write – Optimiert und verfeinert deine Texte.
  • Canva – Hilft dir bei Designs, Präsentationen und Social Media

Wie ich KI nutze

Gabriel Kiener

Für mich ist KI wie ein digitaler Sparringspartner: Sie wirft mir die Bälle zu, aber das Spiel leite ich. Manche Inspiration kommt oft von der Maschine, aber der Herzschlag und die Relevanz kommen von mir.

Ich setze KI gezielt dort ein, wo sie mir Zeit spart – etwa beim Brainstorming für die nächste Jugendstunde, beim Finden von kreativen Spielen oder beim Strukturieren von komplexen Themenreihen. Sie ist ein exzellentes Werkzeug, um aus dem sprichwörtlichen «leeren Blatt Papier» einen ersten Entwurf zu machen.

Doch bei aller Schnelligkeit bleibt eines entscheidend: der kritische Filter. Eine KI versteht biblische Werte nicht aus eigenem Erleben. Deshalb prüfe ich jede Information konsequent auf ihren Ursprung und ihre theologische Basis. Als Jugendleiter bin ich selbst der Filter: Ich messe jeden Inhalt an der Bibel und an meinem geistlichen Fundament, bevor ich ihn weitergebe.

Fazit

KI ist ein Werkzeug – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie dient uns als effizientes Mittel zum Zweck, um den administrativen Aufwand und die oft erdrückende Flut an Hintergrundaufgaben spürbar zu reduzieren. Auf diese Weise gewinnen wir den wertvollen Freiraum zurück, für den wir eigentlich berufen sind: jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen die Liebe Jesu glaubwürdig vorzuleben.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob wir KI nutzen, sondern wie wir sie einsetzen. Wir nutzen hier eine Technik, die unseren geistlichen Auftrag nicht etwa ersetzt oder verwässert, sondern ihn im Gegenteil befreit und unterstützt. Es geht darum, die Technologie klug und verantwortungsvoll zu beherrschen.

Es wäre fatal, wenn unsere Programme, Andachten und Inputs durch den Einsatz von Technik ihre persönliche Note verlieren würden – wenn das spürbare Herz fehlt. Unsere Aufgabe bleibt es, KI punktuell und zielgerichtet einzusetzen, während die eigentliche Verantwortung bei uns selbst liegt. Einen wertvollen Input zu schreiben, braucht Zeit. Es braucht tiefes Nachdenken, gute Gespräche, Momente in Gottes Gegenwart und manchmal auch ein Ringen um die richtigen Worte. Das sind gesunde, geistliche Prozesse, die durch keine KI der Welt ersetzt werden können oder sollten.

Gabriel Kiener, 30 Jahre alt, ist Pastor von Fokus Jugend in der Kirche B-Nord und Teil des Youth-Teams der VFMG. Er wohnt in Steffisburg. Dieser Artikel erschien zuerst bei «Christus im Brennpunkt» der VFMG-Zeitschrift. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung vom Forum Integriertes Christsein.

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Datum: 16.03.2026
Autor: Gabriel Kiener
Quelle: «Christus im Brennpunkt» / Forum Integriertes Christsein

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