Weltweite Kampagne für sieben eritreische Leiter
Weder Gebremedhin Gebregiorgis noch Futsum Gebrenegus (Gesamtliste siehe unten) wurden seit ihrer Festnahme am 19. November 2004 eines Verbrechens angeklagt, und auch ein dritter orthodoxer Priester, der damals festgenommen wurde, erhielt keinen rechtmässigen Prozess.
Alle drei waren aktiv in einer Erneuerungsbewegung innerhalb der Eritreischen Orthodoxen Tewahedo-Kirche, die vom Regime von Präsident Isaias Afwerki, der seit 1993 an der Macht ist, verfolgt wird … obwohl die orthodoxe Kirche eine von vier legalen Religionsgemeinschaften in Eritrea ist.
Christliche Menschenrechtsgruppen in verschiedenen Ländern riefen kürzlich dazu auf, sich am «Internationalen Tag zum Gedenken an Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Weltanschauung» (am 22. August 2025) für die sieben eritreischen Christen einzusetzen.
Nur vier Religionsgemeinschaften anerkannt
Eritrea erkennt nur vier Religionsgemeinschaften als legal an: die Eritreische Orthodoxe Tewahedo-Kirche, den sunnitischen Islam, die Römisch-Katholische Kirche und die Evangelisch-Lutherische Kirche Eritreas.
Andere Religionsgemeinschaften müssen sich registrieren, aber das Regime hat seit 2002 keine neuen Registrierungen genehmigt.
Etwa 51 Prozent der geschätzten Bevölkerung Eritreas von 6,3 Millionen Menschen sind Sunniten. Etwa 41 Prozent gehören der Eritreischen Orthodoxen Kirche an, 5 Prozent der Römisch-Katholischen Kirche. Protestanten und nicht zugehörige Christen, Atheisten und Nicht-Gläubige, indigene Praktizierende traditioneller Religionen, Schiiten und Bahá’í machen die restlichen paar Prozente aus.
Schreiben nicht angenommen
Im Rahmen einer solchen Kundgebung am 21. August (am Tag vor dem weltweiten UNO-Tag) weigerte sich die Botschaft des Staates Eritrea in Washington D.C., ein Schreiben anzunehmen, in dem die Freilassung von christlichen Leitern gefordert wird, die seit mehr als 20 Jahren ohne Anklage inhaftiert sind … in einem Land, das häufig als «Nordkorea Afrikas» bezeichnet wird.
Die eritreischen Leiter, darunter auch orthodoxe Priester, werden Berichten zufolge im «Wengel Mermera Criminal Investigation Centre» festgehalten, einem Hochsicherheitsgefängnis, das von der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit als «grauenvoll» beschrieben wird.
«Es gibt keine Religionsfreiheit»
Der gebürtige Eritreer Araya Debessay, der sich an der Beinahe Übergabe des Schreibens beteiligte (dieses wird per Post nachgereicht) und der seit über vier Jahrzehnten in den USA lebt, erklärte gegenüber der «Christian Post», dass es «in Eritrea keine Religionsfreiheit gibt. Es gibt so viele, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Das ist verfassungswidrig, das ist falsch, und das darf nicht geschehen.»
Haile Tesfay, der seit fast zwei Jahrzehnten in den USA lebt, sagt: «Alles wird von der Regierung kontrolliert, und die Regierung ist in allen religiösen Institutionen präsent. Es gibt Einflussnahme auf alle Religionen in Eritrea, sei es Orthodoxie, Katholizismus oder Evangelikale.»
Das sind die sieben seit über 20 Jahren Inhaftierten:
- Pastor Million Gebreselassie, Leiter der «Rhema Evangelical Church» in Massawa und Anästhesist. Er wurde im Juni 2004 an einer Sicherheitskontrolle festgenommen und ist seit über 21 Jahren ohne Anklage inhaftiert.
- Dr. Kuflu Gebremeskel, Vorsitzender der Eritreischen Evangelischen Allianz, er wurde nach einer Hausdurchsuchung 2004 festgenommen. Bei der Inhaftierung beschlagnahmten die Behörden die Schlüssel zu seinem Kirchenbüro und bedrohten seine Frau. Open Doors stellte 2021 fest, dass Gebremeskel «an stressbedingtem Bluthochdruck und Diabetes aufgrund seiner Inhaftierung leidet.»
- Priester Gebremedhin Gebregiorgis, ein orthodoxer Priester, wurde im November 2004 verhaftet, weil er «das Wort Gottes in einer lokalen Sprache predigte und damit die traditionelle Nutzung der alten Sprache in der Eritreisch-Orthodoxen Kirche infrage stellte, die nur von Geistlichen verstanden werden konnte.»
- Priester Tekleab Menghisteab, ebenfalls ein orthodoxer Priester, wurde 2004 festgenommen und leidet jetzt unter Bluthochdruck.
- Pastor Kidane Weldou, Leiter der «Full Gospel Church», ist seit 2005 inhaftiert. Open Doors berichtet, dass Weldou an Augenschäden leidet, die auf Diabetes zurückzuführen sind und durch seine langfristige Inhaftierung verschlimmert wurden.
- Priester Dr. Futsum Gebrenegus, ein weiterer orthodoxer Priester, wurde 2004 wegen seiner Beteiligung an einer Erneuerungsbewegung innerhalb der Eritreisch-Orthodoxen Kirche verhaftet.
- Pastor Haile Naizge, ein evangelischer Leiter und ehemaliger Buchhalter bei «World Vision», wurde ebenfalls 2004 inhaftiert. Er hat seine Familie seit über 20 Jahren nicht gesehen.
Teils in Frachtcontainern inhaftiert
Teilnehmer der Protestaktion in Washington berichteten, dass ihre Verwandten in Eritrea von der Regierung schlecht behandelt wurden, etwa indem sie in Frachtcontainern untergebracht wurden, weil nicht genug Gefängnisplätze vorhanden sind. Solche Misshandlungen entsprechen den Aussagen von Überlebenden wie der Gospel-Sängerin Helen Berhane, die 32 Monate in einem Container verbringen musste.
Eritrea belegte 2025 den sechsten Platz auf dem Weltverfolgungsindex von «Open Doors» für die schlimmsten Länder in Bezug auf Christenverfolgung.
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Datum: 29.08.2025
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet/Christian Daily International/Christian Post