Göttliche Putzkolonne

„Was haben denn die verbrochen?“

Ein seltsames Bild: Jugendliche putzen in der Stadt Langenthal. Sie sammeln Abfall ein und jäten. Aber die haben nichts verbrochen. Sie machen das freiwillig und gratis. Und nicht zum ersten Mal.
Matthias Nyfeler vom ACJ.
Er spielt in der Band «Exuberance» die ebenfalls ...
... aus dem ACJ entstanden ist.
Doch, doch, lieber Schlagzeuger: Man kann sich das gut anhören!

Zwischen 10 und 20 Leute reihten sich an den drei Einsatztagen in die göttliche Putzkolonne. Diese packte für den Langenthaler Werkhof dort an, wo es am nötigsten war. Zum Beispiel aufräumen nach dem Nationalfeiertag: Raketenüberbleibsel einsammeln, Fahnen herunternehmen und Tische abbauen. „An einem Tag haben wir zudem im Tierpark gemistet“, erzählt Mitorganisator Matthias Nyfeler.

Hände und Füsse

«Händ und Füess» war der Leitsatz des Einsatzwochenendes der Langenthaler Jugendallianz ACJ («Arbeitsgemeinschaft offene Jugendarbeit in Langenthal») am 2. August sowie an zwei Tagen zuvor. Denn bei diesem Gratis-Dienst für die Stadt sollte der Glaube Hände und Füsse bekommen. „Dafür kriegten wir die Bühnenelemente für unseren Open-Air-Gottesdienst gratis.“ Aber das sei nur ein angenehmer Nebeneffekt gewesen.

Die Jugendlichen halfen auch Privatpersonen. Am Samstag besuchten sie Menschen im Altersheim. Nyfeler: „Sie waren megabegeistert, dass junge Leute für sie singen kommen und mit ihnen rausgehen. Auch das Personal freute sich.“

Veloteile und eine Schildkröte

Heuer wurde dieser Gratiseinsatz für die Stadt bereits zum dritten Mal durchgeführt. Im letzten Jahr reinigte das Team unter anderem den Stadtbach, die Langete. Mitorganisator Hans Schneeberger erinnert sich: „Wir fanden im Bach sogar Veloteile und eine entlaufene Sumpfschildkröte.“ Sie wurde ihrem Besitzer zurückgegeben.

Rein rechnerisch war es sogar der vierte Einsatz. Doch beim ersten Mal arbeiteten die Jugendlichen noch gegen Lohn. Schneeberger: „Das war unsere ‚Anstatt-Aktion’. Wir arbeiteten, und der Lohn kam auf ein Konto. Damit spendeten wir zwei Lastwagen für die Schweizer Allianz-Mission in Angola. Die fahren übrigens immer noch.“ Im nächsten Jahr entstand daraus die Gratis-Arbeit für die Stadt.

Ob es noch mehr solche Einsätze gibt, die Nyfeler als „abenteuerlich“ bezeichnet, ist noch offen. „Wir überlegen immer wieder neu, ob es auch dran ist. Klar, es öffnet Türen. Wir wollen es nicht einfach durchziehen, nur damit es gemacht wird oder weil es cool war.“

Die Arbeit wird geschätzt ....

Sehr motiviert seien die jungen Leute gewesen, und sie hätten gute Arbeit geleistet, bescheinigt ihnen Hanspeter Zingg, Leiter des Langenthaler Werkhofs. „Sie waren umgänglich und anständig; eine tolle Sache. Mit Schulklassen, die helfen kommen, ist das nicht immer so“, berichtet Zingg.

Aber fällt es überhaupt ins Gewicht, wenn für ein einige Tage ein paar Leute mehr anpacken – so aufs ganze Jahr gesehen? „Doch“, versichert Zingg. „Grade nach dem 1. August musste der ganze Platz aufgeräumt werden, und zwar in kurzer Zeit. Da bringt das schon etwas, ein paar Leute mehr!“

... von denen, die davon wissen

Früher wurde gefragt, was die denn verbrochen hätten, dass sie für den Werkhof arbeiten müssen. Heuer wurde diese Frage nicht gestellt. Ein kleiner Teil der Bevölkerung weiss um die freiwillige Arbeit der ACJler, aber wohl nicht viele, wie Zingg vermutet. „Sie müssen schauen, dass sie sich besser verkaufen.“

Die erwähnten Verschmutzungen seien übrigens normal: „Wir nehmen wöchentlich ein Velo aus der Langete. Oder Kehricht aus dem Wald.“ Wenn nun der ACJ den Werkhof darin unterstützt, dann könnte man salopp sagen: Diese Jugendlichen haben nicht nur «der Stadt Bestes» gesucht, sondern ihr sozusagen die Füsse gewaschen.

Website: www.acj.ch

Datum: 26.08.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

Werbung
Livenet Service
Werbung