Christen richten Petition an Volkskongress
Anlass für die Petition sind die Auseinandersetzungen um die staatlich nicht anerkannte Shouwang-Gemeinde in Peking. Mehrfach wurden in diesem Jahr bis zu 170 der rund 1.000 Gemeindemitglieder festgenommen, als sie versuchten, Gottesdienste im Freien abzuhalten. Der Gemeinde war verboten worden, ihre bisher gemieteten Räume in einem Restaurant weiter zu nutzen. Auch ist es ihr nicht erlaubt, ein Gebäude zu erwerben. In der Volksrepublik versammeln sich die meisten der auf bis zu 130 Millionen geschätzten Christen in staatlich nicht anerkannten Hausgemeinden, weil sie sich der Kontrolle und den starken Einschränkungen des Regimes nicht unterwerfen wollen.
Mehr Christen als Kommunisten
Laut vorsichtigen Schätzungen des US-Forschungszentrum Pew (Washington) gehören zwischen 50-70 Millionen Christen einer staatlich nicht anerkannten Hausgemeinde an. Der staatlich anerkannte Chinesische Christenrat und die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung repräsentieren etwa 18 Millionen Protestanten. Von den etwa 20 Millionen Katholiken gehören rund sechs Millionen zu regimetreuen Kirchen. Zum Vergleich: Die Kommunistische Partei Chinas zählt etwa 78 Millionen Mitglieder. Zusammen mit den staatlich kontrollierten Kirchen gibt es in China heute mehr Christen als Kommunisten.
Beten und Fasten für Religionsfreiheit
Nach Angaben des Hilfswerks China Aid Association (China-Hilfsvereinigung) mit Sitz in Midland (US-Bundesstaat Texas) hat die staatlich nicht anerkannte Gemeinde „Herbstregen“ in Chengdu (Provinz Sichuan) in ihrem Rundbrief vom 8. Mai 2011 einen Aufruf für die Petition veröffentlicht. Sie wurde bereits laut China Aid von Dutzenden Leitern nicht registrierter Hauskirchen unterzeichnet. Sie bitten um eine Garantie der Religionsfreiheit für Hausgemeinden und eine Lösung des Konflikts mit der Shouwang-Gemeinde. Gleichzeitig hat die Herbstregen-Gemeinde am 9. Mai ein dreitägiges Beten und Fasten ausgerufen.
«Historische Chance» für Volkskongress
Der Volkskongress ist das offizielle «Parlament» der Volksrepublik. Nach Ansicht des Präsidenten von China Aid, Bob Fu, gibt die christliche Bürgerpetition der Volksvertretung die historische Chance, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Entweder werde die in der chinesischen Verfassung garantierte freie Religionsausübung auch praktisch umgesetzt oder die Situation werde sich weiter verschlechtern und zu neuen Kollisionen zwischen Staat und Kirche führen. Fu weist darauf hin, dass am 9. Mai in Washington zweitägige Konsultationen von chinesischen und US-amerikanischen Regierungsbehörden über einen «strategisch-wirtschaftlichen Dialog» begonnen hätten. Im Blick auf Menschenrechte bestünden «heftige Meinungsverschiedenheiten» zwischen China und den Vereinigten Staaten, erklärte US-Vizepräsident Joe Biden.
Datum: 12.05.2011
Quelle: idea.de