Die Immunschwächekrankheit breitet sich immer weiter aus, auch wenn sich die Zahlungen der Entwicklungshilfe für den Kampf gegen HIV/Aids in den letzten vier Jahren von zwei Milliarden auf fast acht Milliarden US-Dollar erhöht haben. "Im vergangenen Jahr gab es mehr Neuinfektionen und Aids-bedingte Todesfälle als jemals zuvor", so UN-Generalsekretär Kofi Annan anlässlich einer Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Thema HIV/Aids am 2. Juni. Insgesamt infizierten sich 2004 etwa 4,9 Millionen Menschen mit HIV und 3,1 Millionen starben an Aids. Das Kinderhilfswerk World Vision Deutschland hat die Zusage der G8 Finanzminister bei ihrem letzten Treffen in London ausdrücklich begrüsst, allen von Aids betroffenen Menschen Zugang zu lebensrettenden und -verlängernden Medikamenten zu verschaffen. Jetzt komme es darauf an, den Worten auch Taten folgen zu lassen. „Die Kinder, deren Eltern mit HIV infiziert sind, brauchen dringend unsere gemeinsame Unterstützung, um die Eltern vor dem Tod und die Kinder vor dem Waisenschicksal zu bewahren“, schrieb das Hilfswerk. 15 Millionen Kinder haben bereits ein oder beide Elternteile durch Aids verloren. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte diese Zahl nach UN-Schätzungen leicht auf 25 Millionen steigen. Die UNO geht davon aus, dass weitere sieben bis acht Milliarden US-Dollar nötig wären, um die Seuche zu stoppen. Peter Piot, der Direktor des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS), äusserte Zweifel, dass die Ausbreitung von HIV/Aids bis 2015 eingedämmt werden könne. Besonders kritisch sei die Lage in Osteuropa und Zentralamerika. "Wir bewegen uns momentan immer noch auf eine Globalisierung der Aids-Epidemie zu", sagte Piot. Immerhin 70 Prozent aller Frauen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, erhalten bereits die nötigen Dienstleistungen, um eine Mutter-zu-Kind-Übertragung zu verhindern. Doch nur 12 Prozent aller Aids-Kranken in Entwicklungsländern bekommen antiretrovirale Medikamente. Dies geht aus einem aktuellen UN-Report hervor, der anlässlich der Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Thema HIV/Aids veröffentlicht wurde. Dem Bericht zufolge sind ausserdem fast die Hälfte der 39,4 Millionen HIV-Infizierten Frauen und Mädchen. Sie sind besonders gefährdet, egal ob sie verheiratet oder ledig sind, viele Sexualpartner haben oder monogam leben. "Die Entwicklung geht dahin, dass mehr junge Frauen als junge Männer infiziert werden", sagte Thoraya Obaid, Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, UNFPA. "Wenn sie verheiratet sind, können sie nicht enthaltsam sein. Sie sind treu, aber der Ehemann ist nicht treu." Forscher und Politiker waren sich einig, dass künftig mehr Gewicht auf die Entwicklung neuer Technologien zur HIV-Prävention gelegt werden müsse. Der Kampf gegen HIV/Aids könne nur gewonnen werden, wenn es Wirkstoffe gibt, die es Frauen ermöglichen, sich effektiv gegen eine Ansteckung zu schützen. Genannt wurden vor diesem Hintergrund Mikrobizide und Impfstoffe. Mikrobizide sind Wirkstoffe, die Frauen als Creme, Schaum oder in anderer Verabreichungsform vaginal applizieren können. Sie verhindern eine HIV-Infektion beim Geschlechtsverkehr, indem sie ein Eindringen des HI-Virus in den Körper verhindern. Die Marktreife von Mikrobiziden sei bereits in fünf bis sechs Jahren zu erwarten so der UN-Bericht. Die Entwicklung eines HIV-Impfstoffes werde dagegen voraussichtlich noch mindestens 20 Jahre dauern. Auch junge Menschen sind nach UN-Angaben besonders schwer von HIV/Aids betroffen: Jeden Tag stecken sich weitere 5’000 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren an. Vor allem junge afrikanische Frauen und Mädchen sind einem hohen Risiko ausgesetzt. Das Ziel, bis 2015 die Infektionsraten unter Jugendlichen um ein Viertel zu senken, könne nicht erreicht werden, so Annan. UN-Bericht zu HIV/Aids Datum: 28.06.2005G8: Folgen den schönen Worten Taten?
UNAIDS: Globalisierung der Seuche
Besonders gefährdet: Frauen und Jugendliche
www.un.org/esa/population/publications/concise2005/PopdevHIVAIDS.pdf
Nie waren die HIV-Infektionsrate und die Anzahl an Aids-bedingten Todesfällen höher als im Jahr 2004. Vor allem Jugendliche und Frauen sind gefährdet.