Katchi Kui

„Dann sollte ich lebendig begraben werden“

Er war etwa zwölf, als ihn sein Vater erblinden liess. Dann wollte er ihn lebendig begraben. Katchi Kui entkam. Jetzt will er zurück und seinen Eltern vergeben.
Katchi Kui und sein Betreuer in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.
Als Kind zerstörte sein Vater ihm das Augenlicht. Jetzt will er ihm vergeben und Prediger werden.

Ein Huhn „entschied“, dass Katchi Kui erblinden sollte. So verlangte es der Naturglaube seines Vaters. Von einem Geist wollte dieser erfahren haben, dass Katchi kein guter Junge sei. Also wurde als nächstes ein Huhn „befragt“. Wenn es auf die eine Seite fliegt, soll das Kind blind werden. Fliegt es auf die andere, geschieht ihm nichts. Das Hund flog in die erste Richtung…

Allmählich erblindet

«Als ich schlief, tröpfelte mir mein Vater einen Pflanzensaft in die Augen, die das Augenlicht nimmt.» Katchi Kui spricht leise, ruhig und bestimmt. «Ich merkte nichts davon. Aber in den Tagen darauf sah ich immer schlechter. Die Schmerzen wurden stärker. Dann sah ich auch das Licht nicht mehr.» Als Blinder Junge könnte er nun ein Fluch für sein Dorf werden. Darum wollte ihn sein Vater loswerden – auf eine Weise, wie das in dieser westäthiopischen Region, nahe der sudanesischen Grenze, öfters mit Behinderten gemacht wird.

Das Loch war schon ausgehoben

«Mein Vater versuchte mich lebendig zu begraben. Das Loch war schon ausgehoben, und er mir erklärte, ich würde heute lebendig beerdigt. Entsetzt schrie ich auf. Meine Mutter kam dazwischen, hörte, was geschehen soll und schrie ebenfalls um Hilfe.» Auch der Schuldirektor, den Katchi kannte, bemerkte den Tumult und eilte herbei. «Er nahm mich zu sich und brachte mich nach Addis Abeba.» In der äthiopischen Hauptstadt sorgte schliesslich der Leiter einer Blindenschule für den Teeanger.

Zweitbester von 79

Katchi lernte die Braille-Schrift, die Blinde mit den Fingerspitzen abtasten. Dann konnte er die normale Schule besuchen, und das mit Erfolg. «Ich war dort der zweitbeste von 79 Schülern.» Ein ebenfalls blinder Freund von ihm, der aus der gleichen Region stammte, war in seiner Klasse sogar der Beste. Dann erst folgten die sehenden Schüler. «Dieser Freund fing an, in die Kirche zu gehen und die Bibel zu studieren. Ich ging auch und wurde Christ.»

«Ich will meinen Eltern vergeben»

«Ich studiere die Bibel und will dann daraus lehren», sagt Katchi. «Dann will ich zu meinen Leuten zurückgehen, vor allem zu meinen Eltern. Als erstes will ich ihnen vergeben. Denn die Menschen dort kennen den christlichen Glauben noch nicht. Darum haben sie mir meine Blindheit zugefügt. Ich zeige ihnen Gottes Weg und lehre sie anhand der Bibel, so dass sie den Herrn Jesus finden können. Aus Unkenntnis haben sie mir das angetan. Nun will ich ihnen ein gutes Beispiel sein.»

Mit den dortigen Missionaren wolle er zusammenarbeiten und sich in einer Gemeinde anschliessen; «zusammen mit meinem blinden Freund. Wir wollen gemeinsam im Glauben wachsen». Gefährlich sei die Rückkehr nicht. «Ich bin nun erwachsen. Jetzt geschieht mir nichts mehr. Das machen sie nur mit Kindern.»

Datum: 03.10.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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