Rasches Wachstum bringt erfreuliche Herausforderung
Im Gespräch mit der «Church Mission Society» (CMS) beschrieben regionale christliche Leiter ein beispielloses Mass an geistlicher Suche. Hervor geht dieser Hunger aus den vielen Jahren, die geprägt waren von Krieg, Vertreibung, politischer Instabilität und globalen Umbrüchen.
Diese Leiter erklären, dass das Ausmass und die Geschwindigkeit des Interesses am Christentum – insbesondere unter Menschen, die durch Konflikte vertrieben wurden oder von Korruption desillusioniert sind – alles übertreffen, was in den letzten Generationen zu beobachten war.
Mit Corona kam die Offenheit
Doch ohne nachhaltige Investitionen in lokal geleitete Jüngerschaft befürchten sie, dass viele Schwierigkeiten haben werden, im Glauben verwurzelt zu bleiben.
Eine regionale Leiterin, die sich aus Sicherheitsgründen nur als «S.» bezeichnet, sagte, das gegenwärtige Klima habe eine seltene Offenheit für die christliche Botschaft geschaffen. «Alles gerät ins Wanken, aber im Unsichtbaren hat Gott die Herzen vorbereitet», so S.
Nach Angaben der regionalen Leiter begann diese Offenheit während der Covid-19-Pandemie und hielt durch die darauffolgenden regionalen und globalen Krisen an. Menschen, die Jesus zum ersten Mal begegneten, taten dies, während sie vor der Gewalt flohen oder in mehreren Ländern des Nahen Ostens mit Verlusten rangen.
Verlust führte zu Jesus
Eine Frau, die durch den Krieg in Syrien vertrieben wurde, teilte einem regionalen Leiter mit, dass der Verlust ihres Zuhauses sie letztlich dazu geführt habe, Jesus zu begegnen.
Weitere Leiter berichten, dass sich inzwischen Zehntausende in der Region mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen. Diese Wachstum stösst auf gravierende Lücken in der seelsorgerlichen und jüngerschaftlichen Begleitung.
In einigen Ländern bedeuten zunehmende Einschränkungen der Religionsfreiheit, dass neue Gläubige – insbesondere solche aus muslimischem Hintergrund – traditionelle Kirchen nicht sicher besuchen können. Infolgedessen haben sich informelle Hausgemeinden und Online-Bibelkreise rasant ausgebreitet, die oft im Verborgenen arbeiten, um Verfolgung zu vermeiden.
Kontextualisierte Jüngerschaft fehlt
S. beobachtet: «Sie brauchen Liebe, Annahme und eine sichere Gemeinschaft. Sie brauchen Hilfe dabei, ihre Identität in Gott zu entdecken. Und viele Kirchen in der Region sind dafür schlicht nicht ausgerüstet.»
Der Vorstandsvorsitzende und ehemalige Missionsdirektor von CMS, Andy Roberts, erläutert, dass das Risiko nicht in einem Mangel an evangelistischer Antwort liege, sondern im Fehlen einer nachhaltigen, kontextualisierten Jüngerschaft. Sie erklärte: «Es wächst im Nahen Osten in sehr realem Sinne eine Jüngerschaftslücke. Wenn wir in diesem entscheidenden Moment nicht handeln, könnte sich das nachteilig auf die Zukunft des Leibes Christi dort auswirken.»
CMS erklärt, dass das Werk seine Bemühungen darauf konzentriert, lokal geleitete Antworten zu stärken, insbesondere in Gebieten, in denen Christen eine kleine und verletzliche Minderheit bleiben.
«Die Ernte ist gross»
Dazu gehöre die Schulung lokaler Gläubiger darin, andere zu Jüngern zu machen, Investitionen in aufstrebende Leiter, die die kulturellen und emotionalen Realitäten von Konvertiten verstehen, der Ausbau digitaler Angebote sowie die Unterstützung beim Aufbau kleiner, diskreter Glaubensgemeinschaften.
S. hält fest, dass die Zusammenarbeit zwischen christlichen Organisationen entscheidend sei, wenn die Dynamik aufrechterhalten werden solle. «Wir können nicht mit ‘Business as usual’ weitermachen. Die Ernte ist gross. Wir müssen auf neue Weise zusammenarbeiten», sagte sie. «Gott verbindet moderne Esthers, Josefs und Daniels – gewöhnliche Menschen mit einem aussergewöhnlichen Auftrag.»
«Die grösste Ernte, die die Welt je gesehen hat»
Der gegenwärtige Moment stelle eine seltene Gelegenheit dar, es gehe um «die grösste Ernte, die die Welt je gesehen hat». Sie rief Gemeinden im Vereinigten Königreich dazu auf, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten und ihre jeweiligen Stärken zu bündeln, um wirksam auf die wachsenden Bedürfnisse vor Ort zu reagieren.
S. betonte, dass die Zukunft der Bewegung in der Basisarbeit und nicht auf öffentlichen Plattformen liege. «Erweckung wird aus dem Namenlosen und Gesichtslosen, aus der Basis kommen; kleine Gruppen sind gut, aber sie müssen miteinander verbunden sein.» Abschliessend sagte sie: «Evangelisation und Errettung sind wichtig, aber das Wachstum in Christus ist ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger. Wir müssen die gepflanzten Samen pflegen, sonst werden sie wieder weggerissen.»
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Datum: 27.01.2026
Autor:
Obianuju Mbah / Daniel Gerber
Quelle:
Christian Today / Übersetzung: Livenet