«Kunst als Gebet der Seele»

Zwischen Krieg und Hoffnung

Das Malen gab ihr einen neuen Sinn (Symbolbild)
Nach ihrer Flucht aus der Ukraine fand Julia Davidenko in der Schweiz nicht nur Sicherheit, sondern auch neue Ruhe durch die Kunst. Nun lädt sie in der reformierten Kirche in Messen (SO) zur Ausstellung «Kunst als Gebet der Seele».

«Ich bin im März 2022 in die Schweiz gekommen», erinnert sich Julia Davidenko (59) gegenüber Livenet. «Seit diesem Datum habe ich ein ganz anderes Leben. In ein anderes Land zu ziehen, ist nicht einfach. Aber Schritt für Schritt wurde mein Leben hier in der Schweiz ruhiger. Ich habe hier sehr viele liebe Menschen getroffen. Ich war überrascht, wie freundlich die Leute sind. Das habe ich sehr geschätzt.»

Überrascht habe sie vor allem die Offenheit, sagt Davidenko: «Ich komme aus einem fremden Land, aus einer anderen Kultur, aus einer anderen Familie. Alles ist anders.»

Ruhe gefunden beim Malen

«Zuerst habe ich eine Ausbildung zur Pflegehelferin gemacht», erinnert sich Julia Davidenko. «Dann hat mir eine Freundin meine erste Ölfarbe gekauft. Mit grosser Freude habe ich meine ersten Bilder gemalt – zuerst einfach Natur und Tiere.»

Das Malen sei für sie eine sehr gute Zeit gewesen. Sie habe dabei Ruhe gefunden und nicht an den Krieg denken müssen. Einige Bilder verschenkte sie. «Es machte Spass zu sehen, wie sehr sich die Leute darüber freuten.» Das habe beide Seiten glücklich gemacht.

Ausstellung in einer Kirche mit grosser Geschichte

Gemälde von Julia Davidenko

«Ich habe viele Bilder gemalt und gedacht, es wäre gut, wenn auch andere Menschen sie sehen könnten», bilanziert Julia Davidenko. Die Idee sei gut angekommen, doch eine Frage habe sich gestellt: «Wo ausstellen? Es gibt keinen speziellen Platz dafür. Da habe ich unsere Pfarrerin gefragt, ob man diese Ausstellung in der Kirche machen könnte. Ich war sehr glücklich, als die Antwort kam, dass ihr diese Idee gefällt. Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich ich war.»

Die Kirche in Messen ist über 800 Jahre alt. «Es ist eine Kirche mit grosser Geschichte. In dieser Kirche haben viele Menschen Ruhe gefunden und gebetet, wenn das Leben schwierig war. Es ist für mich eine Ehre, dass ich hier meine Ausstellung machen kann.»

Mosaik-Künstlerin in der Ukraine

Julia Davidenko hofft, dass alle Besucher in der Ausstellung etwas für sich finden. «Jemand findet Freude, jemand anderes Ruhe. Jeder Mensch hat ein Talent erhalten. Wenn wir unsere Talente weitergeben, erhalten wir das Doppelte zurück.»

In der Ukraine arbeitete Julia Davidenko – die schon seit ihrer Kindheit malt – während 16 Jahren in Kiew als Mosaik-Künstlerin für Kirchen. «Das war eine glückliche Zeit für mich, weil ich in Ruhe etwas für die Kirche machen konnte. Die Arbeit mit Mosaiken erforderte viel Geduld. Es braucht viel Material. Jedes Steinchen muss vorbereitet werden.» Mit dem Malen habe sie in der Schweiz schneller in ein neues Leben finden können.

Vernissage am 30. Januar

Julia Davidenko

Die Vernissage findet am 30. Januar um 19 Uhr statt. «Julia wird dort auch aus ihrem Leben erzählen und darüber sprechen, wie es zu dieser Ausstellung gekommen ist», blickt Christine Dietrich, Pfarrerin in Messen, gegenüber Livenet voraus.

«Für uns ist es eine grosse Freude, denn die Kirche selbst ist ein Kunstraum. Kirche ist selbst Kunst.» Der Titel der Ausstellung lautet «Kunst als Gebet der Seele». Im Anschluss wird ein Apéro mit ukrainischen Spezialitäten angeboten.

«Kunst als Gebet der Seele»

Warum die Ausstellung diesen Titel trägt, erklärt Julia Davidenko durch ihre persönlichen Erlebnisse: «Ich denke, wenn ein Mensch etwas hat und es mit jemandem teilt, der es braucht, dann bringt das beiden viel Freude. Wenn ich jemandem ein schönes Bild schenken kann und sehe, wie glücklich diese Frau oder dieser Mann ist, macht mich das sehr glücklich.»

Zuerst habe sie Bewohnerinnen und Bewohnern in der Seniorenresidenz, in der sie als Pflegehelferin in Messen arbeitet, Bilder geschenkt. «Ich habe gesehen, wie glücklich sie waren. Wir haben alles von Gott erhalten. Wir haben etwas, weil Gott es uns gegeben hat. Wenn ich etwas weitergebe, bekomme ich doppelt so viel zurück. Ich denke, das ist das richtige Leben.»

Besitz allein mache nicht glücklich, sagt die orthodoxe Christin: «Wenn wir alles haben – viel Geld, ein Haus, Tiere und viele Dinge –, wollen wir trotzdem immer mehr. Das bringt kein Glück. Aber wenn wir teilen, erhalten wir mehr.» In jedem Bild stecke ein Teil ihres Herzens. «Ich denke, die Menschen fühlen das. Deshalb trägt meine Ausstellung diesen Namen.»

Zur Ausstellung in der Kirche in Messen: 

  • Freitag, 30. Januar, 19 Uhr: Vernissage mit Apero
  • Samstag, 31. Januar, 10 bis 17 Uhr: Ausstellung
  • Sonntag, 1. Februar, 10 Uhr: Kunstgottesdienst mit Julia Davidenko

Weitere Infos:
Kirchgemeinde Messen 

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Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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