Bei weiterem globalem Schweigen

Tötungen in Nigeria könnten sich 2026 verdoppeln

In Nigeria startete das neue Jahr mit weiterer Gewalt und Angriffen auf Christen und Muslime
Nigeria ist das gefährlichste Land für Christen. Im Jahr 2025 wurden dort mehr Christen wegen ihres Glaubens getötet als in allen anderen Ländern zusammen. Schätzungen über die Zahl der allein 2025 Ermordeten reichen von 3’000 bis zu 7’000.

Erschreckenderweise befürchten einige Beobachter vor Ort, dass sich die ohnehin hohe Zahl der Todesopfer in diesem Jahr verdoppeln könnte, wenn nicht ausreichend gegen die islamistischen Gruppen und Banditen vorgegangen wird, die Teile des Landes terrorisieren.

Der nigerianische Präsident hat bereits den Ausnahmezustand ausgerufen und eine Verdoppelung der Polizeikräfte angekündigt, behauptete jedoch, Muslime und Christen seien gleichermassen Opfer. Für diese Behauptung gibt es jedoch kaum Belege.

Auch US-Präsident Donald Trump hat aktives Interesse an der Lage der nigerianischen Christen gezeigt. Er erklärte Nigeria zu einem «Land besonderer Besorgnis» und ordnete am Weihnachtstag dramatisch Luftangriffe auf islamistische Stützpunkte im Land an.

«Release International» warnt

In seinem jährlichen Bericht über Verfolgungstrends warnte Release International (RI), dass sich die Situation weiter verschlechtern könnte. Ein lokaler Partner der Organisation in Nigeria erklärte: «Der Anstieg der Verfolgung resultiert aus der ungehinderten Ausbreitung jihadistischer Gruppen, die durch ideologische Ablehnung des Christentums und westlichen Einflusses sowie durch staatliche Untätigkeit und unzureichende Sicherheitsmassnahmen begünstigt wird.»

RI erwartet erhöhte Risiken durch grenzüberschreitende Übergriffe von im Sahel ansässigen Jihadisten, die nach Nigeria vordringen, und rechnet mit weiteren Märtyrern unter den Christen. «Sollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, könnten die Zahlen die Todesopfer von 2025 übersteigen. Ohne rasches Handeln könnte sich die Zahl der Märtyrer im Jahr 2026 verdoppeln, wenn das globale Schweigen anhält.»

Bis zu 14'000 Opfer?

RI, eine Organisation für Religionsfreiheit, geht von der höheren Zahl von 7’000 Todesopfern im Jahr 2025 aus. Sollte sich die Prognose ihres Partners bewahrheiten, könnten im kommenden Jahr mehr als 14’000 Christen ihr Leben verlieren.

Der gleiche Bericht untersuchte auch die Lage von Christen weltweit. In China erklärte RI, die derzeitige Verfolgung von Christen sei «so schlimm wie seit der Kulturrevolution der 1960er- und frühen 1970er-Jahre nicht mehr». Auch in Indien, Iran und Afghanistan hat sich die Religionsfreiheit weiter verschlechtert. In Europa wurde Russland besonders hervorgehoben, da es zunehmend autoritäre Massnahmen gegen Christen ergreift, insbesondere in den von der Ukraine besetzten Gebieten. Der Bericht stellt fest: «Unter der russischen Besatzung müssen sich ukrainische Christen im Untergrund in kleinen Gruppen treffen. Die einzige Ausnahme gilt für diejenigen, die die russische Staatsbürgerschaft annehmen und sich nach einem restriktiven russischen Religionsgesetz neu registrieren lassen. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung ähnelte die Situation in den besetzten Gebieten derjenigen zur Zeit der Sowjetunion.»

50 Tote in Nigeria

Zurück zu Nigeria: Das bevölkerungsreichste Land Afrikas (und die Nummer sechs der Welt) begann das neue Jahr mit weiterer Gewalt durch bewaffnete Gruppen. Bei mehreren Angriffen zwischen dem 28. Dezember und dem 3. Januar in der Region des Middle Belt wurden rund 50 Menschen getötet.

Ungewöhnlicherweise richteten sich diese jüngsten Gewalttaten nicht gezielt gegen Christen oder christliche Gemeinden. Die meisten Todesopfer kamen bei einem Überfall im Dorf Kasuwan Daji ums Leben. Bischof Bulus Dauwa Yohanna von Kontagora berichtete gegenüber «Kirche in Not», dass die Angreifer zunächst den Markt und Wohnhäuser in Brand setzten und anschliessend 42 Männer fesselten. Die Männer, sowohl Christen als auch Muslime, wurden allesamt getötet, während eine unbekannte Zahl von Frauen und Kindern entführt wurde.

«Geeint Gewalt ablehnen»

Der Bischof erklärte, es habe sich bei den Angreifern um eine Banditengruppe gehandelt, die sich bislang ungehindert und ohne Eingreifen der Sicherheitskräfte bewegen konnte. Er fügte hinzu, dass dieselbe Gruppe zuvor eine katholische Kirche in Sokonbora angegriffen, «ein Kruzifix, Darstellungen der Kreuzwegstationen und Musikinstrumente zerstört» sowie Mobiltelefone, Geld und zwei Motorräder gestohlen habe.

Viele Einwohner sind aus Angst vor weiteren Angriffen der Banditen aus ihren Häusern geflohen. Zu den tödlichen Angriffen sagte Bischof Yohanna: «Dieser sinnlose, barbarische und unmenschliche Akt der Gewalt stellt eine schwere Verletzung der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens und der Menschenwürde dar.»

Weiter rief er die verschiedenen ethnischen Gruppen der Region dazu auf, «einander nicht als Feinde zu betrachten, sondern geeint jede Form von Gewalt abzulehnen und gemeinsam unserem gemeinsamen Feind, den Banditen, entgegenzutreten» und er forderte die Regierung auf, alles Notwendige zu tun, um die Banditen zu beseitigen.

Zum Thema:
Christenverfolgung und Gewalt: Nigeria zwischen Krise und Hoffnung 
US-Regierung unter Druck: Nigeria soll für Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden 
Erlösung in Nigeria: Terroristen werden zu Evangelisten 

Datum: 11.01.2026
Autor: Christian Today / Daniel Gerber
Quelle: Christian Today / Übersetzung: Livenet

Werbung
Livenet Service
Werbung