Fasten und Beten

Warum Aila Tasse Gott um nichts mehr bittet

Aila Tasse
Warum beten, wenn wir in Schmerz oder Not sind? Und warum gibt es Christen, die nicht mehr für sich selbst beten? Alia Tasse antwortet auf diese Fragen. Er leitet ein Netzwerk von Hausgemeinden am Horn von Afrika – inmitten von Krieg und Verfolgung.

Aila, welche Rolle spielt das Gebet für dich, wenn du mit Leid konfrontiert bist?
Alia Tasse: 
Ich sehe das Gebet nicht als Programmpunkt – es ist ein Lebensstil für mich. Ich wache auf und habe mir angewöhnt zu beten und auf Gott zu hören. Das ist für mich die grösste Ermutigung. Wenn ich zu jemandem sage: Ich werde für dich beten – dann geht es nicht nur darum, Worte zu sagen. Es geht darum, wie du diese Situation mit Gott verbindest. Es gibt Zeiten, in denen ich bete, aber ich kann nicht laut beten oder Worte formulieren. Wenn ich dann in die Gegenwart Gottes trete und kein Wort finde, dann möchte ich in diesem Moment einfach nur überwältigt dasitzen.

Es gibt Zeiten, in denen unser Glaube auf die Probe gestellt wird. Und Geduld kommt aus uns selbst, wenn wir immer im Gebet bleiben, besonders wenn wir Gott zuhören. Denn es ist sehr schwierig zuzuhören, wenn man schmerzhafte Situationen durchlebt – Umstände und Situationen sprechen laut. Ich habe gelernt, auf die leise, stille Stimme Gottes zu hören. Das kommt durch die Disziplin des Zuhörens im Gebet. Denn für viele von uns ist Beten Reden und Reden, aber wie entwickeln wir die Disziplin des Zuhörens, während wir Gott um etwas bitten?

Was genau ist für dich so ermutigend am Gebet?
Zu wissen, dass es nichts gibt, was Gott überrascht. Er versteht und er weiss. Ich selbst weiss vielleicht nicht, wie ich mit ihm kommunizieren soll, denn wer wird dich schon in diesen Situationen verstehen? Beten bedeutet, es Gott zu erzählen. Es ist wie eine Entlastung meiner Brust. Es ist schlimm, und ich gebe es ihm. Antworten von Gott kommen in verschiedenen Formen – und ich erwarte auch eine Antwort von ihm.

Wie sieht eine unerwartete Antwort von Gott aus?
Zum Beispiel hast du gebetet und gebetet, und in diesem Moment kam keine Antwort, wie du sie erwartet hast. Jemand ist im Gefängnis, und ich bete. Und ich bete jeden Tag. Jetzt sind es fünf Jahre, und er sitzt immer noch im Gefängnis. Das ist ein Gebet – und es ist eine Antwort. Keiner von uns möchte die Antwort, dass wir warten sollen. Aber Gott weiss, was er hinter den Kulissen tut, wenn es sich um eine schmerzhafte Situation handelt. Wir haben ein Problem damit, geduldig zu sein. Denn unser menschlicher Teil mag es nicht zu warten. Wir wollen sofort eine Lösung. Aber dennoch ist es eine Antwort Gottes auf unser Gebet.

Wie betest du?
Das gilt nur für mich: Seit Jahren habe ich Gott nicht mehr um meine Bedürfnisse gebeten. Ich meine, es ist nichts Falsches daran, für seine Bedürfnisse zu beten. Ich sage nicht, dass man das nicht tun sollte. Das letzte Mal, dass ich gesagt habe, ich wolle dies und das und jenes, ist lange her. Nicht, weil ich keine Bedürfnisse habe. Gott hat mein Gebet verändert. Gott wollte, dass ich für die Bedürfnisse seines Reiches bete. Dann hat er meine Bedürfnisse dadurch erfüllt. Als ich das erkannt habe, hörte ich auf, für mich selbst zu beten.

Kannst du ein Beispiel nennen, wie Gott für dich sorgt, auch wenn du ihn nicht um etwas bittest?
Ja natürlich, ich habe viele. Zum Beispiel habe ich keine Schuhe gekauft. Ich habe das Geld, mir neue Schuhe zu kaufen, aber habe es nicht getan. Jemand sagte, er habe ein Geschenk für mich. Und dann brachte er Schuhe in meiner Grösse mit. Da dachte ich: Gott weiss, was ich brauche. Aber das bedeutet nicht, dass ich mir keine Schuhe leisten kann. Ich könnte es mir leisten. Doch Gott möchte mir zeigen, dass er sich auch durch jemand anderen um mich kümmert, den ich nicht kenne. Das hat mich verändert, meine Sichtweise: In der Bibel steht, dass Gott unsere Bedürfnisse kennt. Genauso wie ich die Bedürfnisse meiner Kinder kenne und erfüllen möchte.

Ermutigung zum Gebet:

  • Bete für die Christen am Horn von Afrika, dass sie in ihren Schwierigkeiten gestärkt werden
  • Wasser und Lebensmitteln fehlen an vielen Orten. Bete um genügend Regen und gute Ernten
  • Bete, dass die noch unerreichten Menschen Gottes Wort hören dürfen – was Nahrung für ihre Seele ist.

Im Video spricht Aila über das Warten und Beharrlichkeit:

Zur Webseite:
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Datum: 14.03.2026
Quelle: HMK Schweiz

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