Jeder ist wichtig

«Ich bin kein Starpastor»

Die heute geforderten Kompetenzen lassen schnell sagen: «Ich bin nicht gut genug». Josef Villiger durfte lernen, dass Gott auch für Zaghafte und Selbstzweifler einen wunderbaren Plan hat.

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Josef Villiger
Josef Villiger (60) hat eine bewegte Geschichte. In Muri (AG) aufgewachsen, bekam er während seiner Lehrzeit Probleme mit Drogen. Nach einer Verhaftung und der damit zusammenhängenden Untersuchungshaft hatte er eine Begegnung mit Menschen der Heilsarmee. Durch diese Kontakte fand er zu Jesus und schliesslich zu einer Therapie von Best Hope in Herisau.

Die Lehre führte er erst nach einer zweijährigen Therapie weiter. Im Alter von 24 Jahren absolvierte er endlich die Rekrutenschule und arbeitete anschliessend einige Jahre im Baugewerbe. Anfang der 1990er wurde er für mehrere Jahre fester Mitarbeiter bei Best Hope.

Kein Draufgänger

Josef hatte sich nie kopfüber in neue Herausforderungen geworfen. Er war unsicher und brauchte stets die Unterstützung anderer Menschen. Nein, ein Draufgänger war er nie und das hat sich bis heute nicht verändert. Durch Josefs eigene Geschichte konnte er anderen Menschen in der Therapiearbeit helfen. Für seine Andachten erhielt er immer wieder gute Reaktionen und hielt auch ein paar Predigten in verschiedenen Gemeinden. Sein lebensnaher Stil sprach viele an. Menschen prophezeiten ihm ein geistliches Amt und ein Seelsorger empfahl ihm sogar, eine Bibelschule zu absolvieren. Er brauchte diese Zusprüche, um sich für Neues zu öffnen.

Hunger nach Gottes Wort

Josef verspürte ein grosser Hunger nach Gottes Wort. Damals war er 38 Jahre alt, hatte bereits eine Familie und konnte sich nicht vorstellen, wie er den Besuch einer Bibelschule überhaupt finanzieren könnte? Ein Freund empfahl ihm ein Studium am IGW (Institut für Gemeindebau und Weltmission). Dort war er in der Lage, 50 Prozent fürs Studium aufzuwenden, wodurch er immer noch einer Arbeit nachgehen konnte. Doch auch so wusste er nicht, wie er seine Familie ernähren konnte.

Josef ist nicht der Typ grosser Glaubensabenteuer, aber Gott forderte ihn mehrfach heraus, ihm ganz zu vertrauen. So zog er im Glauben los und wurde nicht enttäuscht. Ein Freund anerbot sich, einen unterstützenden Freundeskreis aufzubauen, seine Gemeinde tat ihren Teil dazu, eine Erbschaft kam gerade zur rechten Zeit und seine Frau fand gute Teilzeitjobs.

Gemeindearbeit

Während des zweiten Studienjahres kam eine Anfrage aus seiner Gemeinde, der Vineyard Herisau: «Willst du in die Gemeindearbeit einsteigen?» Das war für ihn eine grosse Überraschung. Nach kurzer Bedenkzeit sagte er zu. Inzwischen leitet Josef die Gemeinde seit 20 Jahren. Doch selbst während dieser Zeit brauchte er immer wieder Gottes Bestätigung, am richtigen Ort zu sein. Und Gott war grosszügig und bestärkte ihn immer wieder. Josef ist nicht ein Visionär und ständig voller Pläne und Träume. Aber Gott hat ihn doch über viele Jahre hinweg immer Schritt für Schritt geführt.

Was ist Erfolg?

Josef war sich sehr wohl bewusst, nicht gerade das Persönlichkeitsprofil eines umworbenen Starpastors zu haben. Es half ihm, für sich selbst zu klären, was «Erfolg» bedeutet. In einer Gesprächsrunde am IGW meinte jemand über den Propheten Jeremia, dass er erfolglos und depressiv gewesen sei. Josef konnte sich mit dieser Äusserung nicht wirklich anfreunden und er kam zu dem Schluss, dass Erfolg nicht in erster Linie vom Ergebnis her abgeleitet werden kann, sondern ob jemand tut, was Gott ihm sagt. In dem Sinne war Jeremia kein Versager. Diese Einsicht liegt dem ganzen Dienst von Josef zugrunde.

Gott kann mit jedem Menschen Geschichte schreiben

Gottes Führung zu suchen, ist für Josef ein grosses Thema. Dabei wurden Beziehungen besonders wichtig. «Für Menschen wie mich, die sich nicht so viel zutrauen und deshalb manchmal zaghaft sind, ist eine tragfähige Gemeinschaft wichtig. Gemeinsam Gottes Willen suchen zu können, ist ein riesiges Geschenk.» Die wichtigste Beziehung ist für ihn aber die mit Jesus. «Aus der Gemeinschaft mit ihm heraus, kann auch ich mutige Schritte tun.»

Der Vergleich mit starken Leitern kann zuweilen sehr deprimieren! Deshalb muss er sich mich immer wieder dafür entscheiden, sich nicht mit anderen zu vergleichen.

Es half Josef zu verstehen, dass nicht alle gleich viel für Gott bewirken können. Sogar die Bibel sagt, dass einige 30-fache Frucht bringen, während es bei anderen das 60- oder sogar 100-fache ist. Das ist ok. Aber Frucht tragen kann jeder!

Falscher Trost

Wir brauchen Selbstreflexion und müssen auch mal eingestehen, dass wir Grenzen in unserem Leben haben. Falsches Schönreden hilft nicht – auch nicht, wenn wir hierzu Bibelstellen zu Hilfe nehmen. Doch Ehrlichkeit allein ist nicht genug. Wir müssen weitergehen und sagen: «Ich entscheide mich, nicht zu resignieren und versöhne mich immer wieder mit meiner Situation. Gott hat immer einen Weg für mich bereit.»

Ein Zitat von Martin Bühlmann (Leiter der Vineyardbewegung im deutschsprachigen Raum) ist für Josef wie ein Leitstrahl: «Konzentriere dich nicht darauf, ein guter Leiter zu sein, sondern ein Nachfolger von Jesus Christus.»

So ist also das Entscheidende, mit Jesus unterwegs zu sein. Dann spielt es keine Rolle, wer und wie du bist, woher du kommst und wohin du unterwegs bist.

Zum Thema:
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Datum: 11.07.2018
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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