Christen gibt es in Indien schon länger als in Mitteleuropa: Der westlichen Küste entlang lebten vor 2000 Jahren Juden, und Thomas, der mit Jesus gelebt hatte, soll zu ihnen gereist sein. Dadurch kamen, weiss Alfy , auch Hindus zum Glauben an Christus. Weil sie den höheren Kasten angehörten, behielten sie die neue Religion für sich. So brannte das Christentum in Indien lange auf kleiner Flamme. „Unter 2000 Schülern in meiner Schule war ich einer von sechs Christen“, erinnert sich Alfy . Sein Grossvater hatte durch Basler Missionare Christus gefunden. Sie gründeten in Südindien Schulen und Spitäler, bauten Fabriken und Spinnereien. „Sie übersetzten nicht nur die Bibel in unsere Sprache, sondern auch 367 deutsche Kirchenlieder!“ Die englischsprachigen Schulen der Missionare hatten einen so guten Ruf, dass sich auch Schüler aus hohen Kasten einschrieben. „So lernten sich meine Eltern kennen.“ Sie kamen aus verschiedenen Welten: der eine Grossvater unterrichtete an der Schule, der andere gehörte der verachteten Unterschicht der Dalits an. Alfy ist bei der christlichen Organisation „Operation Mobilisation“ (OM Indien ) in leitender Stellung tätig. Dass durch ihre Teams seit dem Jahr 2000 viele hundert christliche Gemeinden entstanden sind, bewegt ihn tief, rührt ihn, wie er davon erzählt, beinahe zu Tränen. Denn Tausende Menschen kommen aus einem kaum vorstellbaren Elend. „Was hätten wir da ausrichten können? Gott hat es getan. Jesus liebt diese Menschen, die zu ihm schreien wie einst die in Ägypten versklavten Israeliten.“ Vor fünf Jahren sah es für die OM-Teams, die in Nordindien Literatur verkauften, gar nicht gut aus. Von den Behörden und von Schlägerbanden radikaler Hindus kam zunehmend Widerstand gegen ihre Aktivitäten. Was sollten sie den Ärmsten bieten, die das Evangelium hören wollten, weil sie nach neuer Hoffnung Ausschau hielten? „Im Gliedstaat Punjab, wo Gott am meisten gewirkt hat, sind vor allem Lumpen- und Abfallsammler Christen geworden.“ Die Intensität dieser Bewegung zeigte sich bei einer dreitägigen Grossveranstaltung in der Stadt Amritsar im Oktober 2005: Gegen 8000 Personen strömten herbei. „Ich habe in meinem ganzen Leben so etwas noch nie gesehen. Man legte Matten auf den Boden. Sie setzten sich darauf. In der Nacht schliefen sie darauf. Männer, Frauen, Teenager – sie gaben Gott die Ehre, lobten ihn zusammen. Viele waren krank. Nach der ersten Abendversammlung betete der leitende Pastor bis morgens um vier mit Bedürftigen. Um acht Uhr morgens stand er wieder auf der Bühne, um zu predigen...“ Alfy ist überzeugt: Gott liebt diese Menschen, die im Staub leben, besonders. In nordindischen Städten, in denen bisher von Jesus Christus kaum die Rede war, versammeln sich nun regelmässig viele tausend Menschen. An einem Tag liessen sich 800 Frauen und Männer taufen. Vorausgegangen ist dieser einmaligen Bewegung eine Versprechen : Leitende indische Christen verpflichteten sich 2001 in einem Treffen feierlich, dass sie – anders als frühere Generationen – Dalits nicht mehr abweisen werden. Deren Vertreter äusserten einen grossen Wunsch: 100'000 Schulen in englischer Sprache für ihre Kinder, davon will OM 100 übernehmen.Aufbruch aus dem Elend
Gebet bis morgens um vier
Datum: 14.10.2006
Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch