Mehr als 50 Christen im Jemen verschwunden
Seit Anfang des Jahres sind im Jemen fünfzig Christen verschwunden, nachdem sie aus bislang unbekannten Gründen von Huthi-Rebellen festgenommen worden waren. Sie werden an geheimen Orten zu Verhören festgehalten, was ihre Familien in tiefe Sorge stürzt. Ihnen ist ausserdem jeglicher rechtlicher Beistand verwehrt, berichtet «Open Doors».
Die Huthi-Milizen, sie sich selbst als «Ansar Allah» («die Unterstützer Gottes») bezeichnen, sind Teil einer politisch-religiösen und bewaffneten Bewegung aus dem Norden des Landes, berichtet das französischsprachige Portal «Info Chrétienne». Sie vertreten eine politische Haltung, die der jemenitischen Regierung entgegengesetzt ist, und sind bekannt für Menschenrechtsverletzungen sowie für strenge Einschränkungen der Zivilbevölkerung in den von ihnen kontrollierten Gebieten.
Klima der Angst
Über diese Festnahmen hinaus nimmt die Verfolgung von Christen viele Formen an. Sie werden überwacht und verfolgt, mehrere christliche Leiter wurden bedroht, was ein Klima permanenter Angst schafft.
Laut Beobachtern vor Ort nimmt der Druck auf die christliche Minderheit kontinuierlich zu und sie breitet sich schrittweise auf neue Städte aus. «Die meisten Menschen, mit denen ich in Kontakt stand, sind inzwischen im Gefängnis», erklärte ein lokaler Partner von Open Doors. «Bei denen, die wir noch erreichen können, versuchen wir Wege zu finden, ihnen zu helfen, ohne ihre Situation weiter zu verschärfen.»
Ein zerrissenes Land
Diese Übergriffe ereignen sich vor dem Hintergrund einer besonders instabilen nationalen Lage. Das Land befindet sich seit 2014 in einem Bürgerkrieg, der die Huthi-Rebellen und die von einer von Saudi-Arabien geführten Koalition unterstützte Regierung gegeneinander stellt.
Dieser Konflikt hat eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit ausgelöst (die UNO rechnet mit rund 377'000 Toten als direkte oder indirekte Folge des Krieges zwischen 2014 und 2021), geprägt von Hungersnöten, massiven Bevölkerungsvertreibungen (vier Millionen Menschen von 2015 bis 2020) und dem Zusammenbruch grundlegender Dienstleistungen.
Todesstrafe auf Apostasie
Darüber hinaus bleibt der Jemen eine islamische Republik, deren Gesetzgebung auf der Scharia basiert. Blasphemie und die Verbreitung eines anderen Glaubens als des Islams sind strafbar, während Apostasie mit der Todesstrafe geahndet werden kann.
Laut Open Doors sind «alle Christen im Jemen in Gefahr». Die Organisation betont, dass in den von den Huthis kontrollierten Gebieten die Einschränkungen gegen das Christentum besonders streng sind und jede religiöse Praxis aufgrund eines hohen Masses an Überwachung und Bespitzelung nahezu unmöglich machen. Der Jemen belegt auf dem Weltverfolgungsindex 2026 den 3. Platz.
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Datum: 02.02.2026
Autor:
Elormise Pierre / Daniel Gerber
Quelle:
Info Chrétienne / Übersetzung: Livenet