Nigeria: 162 Menschen getötet

Sie wollten nicht islamisch beten

Das Massaker fand im Bundesstaat Kwara statt
Bewaffnete exekutierten mindestens 162 Menschen in zwei überwiegend muslimischen Dörfern im westnigerianischen Bundesstaat Kwara. Die Einwohner hatten sich geweigert, eine radikal-islamische Predigt anzunehmen.

Die gewaltsamen Angriffe der Radikalen dauerte etwa zehn Stunden. Dabei lagen in Woro und Nuku zahlreiche Leichen auf den Strassen, wie Einwohner der Nachrichtenagentur «Associated Press» berichteten. Bereits Wochen zuvor war den Bewohnern ein Schreiben zugestellt worden. In diesem wurde ihnen mitgeteilt, dass eine radikale Auslegung des Islam verbreitet würde.

Die Bewaffneten kamen auf Motorrädern, fesselten vielen Dorfbewohnern die Hände auf dem Rücken und richteten sie hin, so Augenzeugen. Zudem gingen die Angreifer von Haus zu Haus und eröffneten das Feuer.

Präsident Bola Tinubu entsandte nach den Morden ein Armeebataillon in die Region. Laut «BBC» machten die Behörden Boko Haram für die Gewalt verantwortlich, diese Terrorgruppe war zuvor weiter nördlich aktiv.

Angriff wegen Widerstand?

Der Abgeordnete des Bundesstaates Kwara, Saidu Baba Ahmed, erklärte, 38 Menschen seien entführt und zahlreiche Gebäude zerstört worden. Er bezeichnete den Angriff als Vergeltung für den Widerstand gegen radikale Islamisten. Lokale Sicherheitsgruppen seien mobilisiert worden, dann jedoch überwältigt worden, als die Angreifer eintrafen.

In einer Erklärung sagte Gouverneur AbdulRahman AbdulRazaq, das Massaker sei eine Reaktion auf jüngste Anti-Terror-Operationen und ein Versuch gewesen, Sicherheitskräfte abzulenken.

«Amnesty» spricht von vollständigem Versagen

Babaomo Ayodeji vom Nigerianischen Roten Kreuz bestätigte, dass die Zahl der Todesopfer bei 162 liege. Es würden jedoch erwartet, dass die Zahl der Opfer noch steige, da die Sucharbeiten andauerten.

«Amnesty International» erklärte in einer Stellungnahme, dass mehr als 170 Menschen getötet worden seien, und forderte eine umfassende Untersuchung. Die NGO spricht von einem vollständigen Versagen beim Schutz der Zivilbevölkerung.

Ein Land kommt nicht zur Ruhe

Immer wieder gerät das bevölkerungsreichste Land Afrikas (und die Nummer sechs der Welt) wegen anhaltenden Übergriffen radikaler Muslime in die Schlagzeilen.

Kommentar: Ist es uns egal?

Die Liste würde weit länger werden, wenn man Überfälle mit einberechnen würde, bei denen jeweils mehrere Dutzend Christen oder gemässigte Muslime umgebracht wurden. Doch auf säkularer Ebene gibt es keine Massenproteste, keine Kundgebungen. Keine Hörsäle an den Unis werden besetzt und mit «Not in our name!»-Sprechchören flankiert (ebenso wenig wie für die Gräuel im Südsudan oder die Unterdrückten Armenier und Assyrer). Und wo sind die Bekundungen für das persische Volk, das nach Freiheit ringt?

Und bezüglich dem christlichen Raum: Wo sind die Gebetsstunden zu diesem Thema (ja, es gibt welche, das ist löblich, aber es dürften weitaus mehr sein)? Wo sind die Gottesdienste zum Thema (ja, es gibt sie, der Verfasser dieser Zeilen leitete selbst etliche davon – nicht einzig aber insbesondere zu Nigeria … und ja, es lässt sich sogar etwas Ermutigendes für den Alltag mitnehmen. Aber es dürften wesentlich mehr sein). Wir sind es unsere verfolgten Geschwistern schuldig, dass wir unsere Stimmen und Gebete erheben und für sie einstehen. So wie Paulus einst schrieb im 1. Korinther-Brief Kapitel 12, Vers 26: «Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.»

Natürlich: Wir leben in herausfordernden Zeiten, wer mag sich da noch mit schwierigen Themen beschäftigen und, wie Paulus auffordert, mitleiden, mittragen, mitbeten? Nun, es gibt Hoffnung: Es war Saulus, der den Befehl zum ersten, biblisch dokumentierten Mord an einem Christen gab (die Steinigung des Stephanus). Doch nach seinem göttlichen Wandel wurde aus Saulus einige Zeit später Paulus. Die Verfolgung hat nicht das letzte Wort. Beten wir, dass diese Geschichte sich noch oft wiederholen darf, dass Verfolger zu Nachfolgern werden. Gebet für Unterdrückte darf Hoffnung bergen und ermutigend sein. Sie alle sollen uns nicht egal sein.

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Datum: 12.02.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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