Kirchenführer warnen vor Folgen

Gaza: was geschieht mit den Christen?

Die Kirche der Heiligen Familie
Kirchenführer haben erklärt, dass die Aufforderung des israelischen Militärs an die Zivilbevölkerung, Gaza-Stadt vor seiner Grossoffensive zu verlassen, für die geschwächten Asylsuchenden in den Kirchen einem faktischen «Todesurteil» gleichkommt.

Israel plant, den gesamten Gazastreifen einzunehmen, wobei eine Grossoffensive zur Einnahme von Gaza-Stadt in Kürze erwartet wird. Israel hat erklärt, seine Massnahmen seien notwendig, um Angriffe der Hamas zu verhindern. Kritiker weisen auf die menschlichen Kosten des Konflikts hin.

Schutzsuchende in den Kirchen

Die orthodoxe Kirche des Heiligen Porphyrius und die Kirche der Heiligen Familie (katholisch) sind zwei von nur drei Kirchen im Gazastreifen. Während des gesamten Konflikts dienten beide Kirchen Hunderten von Christen als Zufluchtsort. Viele der Schutzsuchenden sind Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die Kirche der Heiligen Familie hat auch viele Menschen mit Behinderungen aufgenommen, die von den Missionarinnen der Nächstenliebe betreut werden. Viele sind geschwächt und unterernährt.

Geistliche und Nonnen: «Wir bleiben»

Nonnen in der Kirche der Heiligen Familie

Israel hat die Zivilbevölkerung aufgefordert, die Stadt zu verlassen und sich im Vorfeld der geplanten Offensive nach Süden zu begeben. In ihrer Erklärung wiesen die orthodoxen und katholischen Führer darauf hin, dass dies aufgrund des geschwächten Zustands der Menschen, die innerhalb der israelischen Mauern Zuflucht suchen, nicht praktikabel sei. «Gaza-Stadt zu verlassen und zu versuchen, in den Süden zu fliehen, wäre nichts weniger als ein Todesurteil», halten sie in einer gemeinsamen Erklärung des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem und des lateinischen Patriarchats von Jerusalem fest. Aus diesem Grund haben die Geistlichen und Nonnen beschlossen, zu bleiben und sich weiterhin um all jene zu kümmern, die sich in den Einrichtungen aufhalten.

Was geschieht mit den Christen?

In der Erklärung wurde weiter darauf hingewiesen, dass unklar sei, was mit der kleinen christlichen Gemeinschaft in Gaza-Stadt und den dortigen Kirchen als Folge der geplanten israelischen Offensive geschehen werde. Religiöse Stätten stehen nach internationalem Recht unter besonderem Schutz, auch im Fall von Evakuierung. Die christliche Bevölkerung in Gaza ist extrem klein (unter 1'000 Menschen) und stark in Gaza-Stadt konzentriert. Eine erzwungene Umsiedlung könnte die Gemeinschaft faktisch «unsichtbar» machen und die über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen zerstören. Für diese winzige Minderheit ohne eigenes Netzwerk im Süden wäre das Risiko besonders hoch.
 

Die Erklärung der Kirchenleitungen schloss mit einem Aufruf zum Frieden: «Das ist nicht der richtige Weg. Es gibt keinen Grund, die absichtliche und gewaltsame Massenvertreibung von Zivilisten zu rechtfertigen. Es ist an der Zeit, diese Spirale der Gewalt zu beenden, dem Krieg ein Ende zu setzen und das Gemeinwohl der Menschen in den Vordergrund zu stellen.»

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Datum: 30.08.2025
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Christianity Today / Livenet

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