Echte Freiheit

Vergeben, was unverzeihlich scheint

Stephen McWhirter
Er sah, wie Menschen nach den Predigten seines Vaters zu Jesus fanden – und zu Hause, wie seine Mutter durch Misshandlungen litt. Stephen McWhirter wurde zum Feind Gottes…

«Ich bin in einer kleinen Stadt namens Corydon aufgewachsen und habe viel Ärger gemacht», gibt Stephen McWhirter unumwunden zu. Gleichzeitig war er mit seinem Vater unterwegs, der als Evangelist von einem Gemeindecamp zum nächsten zog. «Mein Vater hielt Erweckungspredigten, doch der Mann, den ich hinter der Kanzel sah, und der, den ich zu Hause erlebte, waren zwei völlig unterschiedliche Menschen.»

Leute fanden durch Vaters Predigten zu Jesus. «Aber zu Hause musste ich mit ansehen, wie er meine Mutter körperlich misshandelte.» Sollte Gott real sein, ist er nicht gut, war für Stephen McWhirter in jungen Jahren klar. Und mit diesem Jesus wollte er nichts zu tun haben.

Feind des Kreuzes

Stephen McWhirter begann zu rebellieren. Rauchen, trinken, Marihuana, später kamen Crystal Meth und vieles andere dazu. «Ich glaube, ein Teil meines Traumas hatte damit zu tun, dass wir alle eine besondere Beziehung zu unseren irdischen Vätern haben.»

Dies hinge mit Gott als Vater zusammen. «Selbst die besten irdischen Väter – so sehr sie sich auch bemühen – verblassen im Vergleich dazu, wie gut Gott ist.»

Doch wenn ein Vater behaupte, Jesus nachzufolgen und sogar Prediger sei, setze man den himmlischen Vater und den irdischen Vater irgendwie gleich, so Stephen McWhirter. «Für mich bedeutete dieses Trauma – das, was meine Mutter durchmachen musste, und diese schrecklichen Momente hinter verschlossenen Türen – dass mein irdischer Vater und mein himmlischer Vater in meiner Geschichte zu den Bösewichten wurden. Ich setzte die beiden gleich.»

Das Einzige, was nötig ist

Eines Nachts um drei Uhr sass er in seinem Zimmer, auf dem Nachttisch lagen Drogen. «Ich wusste, dass Gott im Raum war. Man weiss es einfach. Und ich sagte: ‘Ich will dir mein Leben geben. Ich will mit all dieser Sucht, dieser Dunkelheit, dieser Wut, dieser Depression und diesem Trauma, mit dem ich schon so lange lebe, aufhören.’»

Aber gleichzeitig dachte Stephen, dass er das nicht könne, weil das alles war, was er schon so lange kannte. «Es war wie Teil von mir. Ich konnte mir nicht vorstellen, jemand anderes zu sein.»

Dann kam ihm ein Gedanke, von dem er wusste, dass er von Gott kommen musste: «Stephen, du wirst es nicht tun. Ich werde es tun.» Wie es in der Bibel steht, in Epheser, Kapitel 2, Vers 8,  dass wir durch Gnade gerettet sind. «Das ist nichts, worauf man stolz sein kann. Es ist Gottes Werk. Er tut es. Aber es gibt etwas, das ich tun kann und das du tun kannst, und das ist das, was Jesus in Johannes Kapitel 6, Vers 29 sagt: Das einzige Werk, das der Vater von dir verlangt, ist zu glauben.»

«Das klingt entsetzlich»

Stephen McWhirter wusste, dass Gott ihn dazu rief, das Schwerste zu tun, was er je in seinem Leben getan hat: «Meinem Vater zu vergeben. Das klingt entsetzlich. Für mich klang es nach der schlechtesten Idee der Welt. Wenn man Missbrauch erlebt oder gesehen hat, denkt man: Man kann nicht vergeben. Es geht einfach nicht. So fühlte es sich an.»

Also ging er zu seinem Vater. «Ich sagte einfach: ‘Hey, ich vergebe dir das alles.’ Er sah mich an, als wäre seine ganze Realität gerade zusammengebrochen, und antwortete: ‘Oh, okay, danke.’ Und ich sagte nur: ‘Ja, bitte. Okay. Ich liebe dich.’ Dann stieg ich ins Auto und fuhr davon, als hätte ich etwas gestohlen. Es war völlig unbeholfen, aber ich wusste, dass Gott in diesem Moment etwas getan hatte, das über das hinausging, was ich mit meinen Augen sehen konnte.»

«Hört das denn nie auf?»

Einige Zeit später sagte seine damalige Verlobte und heutige Frau: «Ich habe das Gefühl, der Herr möchte, dass dein Vater dieses Thema der Vergebung weiterführt. Ich glaube, Gott möchte, dass dein Vater dich und mich tauft.» Stephen McWhirter dachte nur: «Oh mein Gott, hört das denn nie auf?» Und nach der Taufe meinte seine Verlobte: «Ich denke, dein Vater sollte unsere Trauung durchführen.»

Als Stephen McWhirter zum Glauben kam, war es etwa elf Jahre her, seit sein Vater seine Mutter zum letzten Mal misshandelt hatte. «Und ich sage immer: Wenn du in Gefahr bist, bring dich in Sicherheit. Aber meine Mutter blieb bei meinem Vater.»

Die Schuld zerreissen

Viele Jahre später sass Stephen McWhirter in Vaters Krankenzimmer. «Wenn man schon einmal bei jemandem im Krankenhaus war, der im Koma liegt und nur noch knapp am Leben ist, kennt man diesen Moment, in dem ein Angehöriger sagt, dass es in Ordnung ist zu gehen. Mein Vater hatte tagelang durchgehalten. Ich war allein im Zimmer; meine Mutter war zum ersten Mal seit Tagen kurz hinausgegangen, um etwas zu essen zu holen. Ich sah, wie mein Vater um Luft rang. Ich beugte mich ein letztes Mal zu ihm und flüsterte: ‘Ich liebe dich, und ich vergebe dir.’ Und ich sah, wie mein Vater seinen letzten Atemzug tat.»

Stephen McWhirter, heute Autor und Worshipmusiker, erklärt: «Auf der anderen Seite der Vergebung liegt etwas zutiefst Kraftvolles. Es geht nicht um Gegenseitigkeit. Vielleicht sagt dir jemand nie: ‘Ich bitte dich um Vergebung.’ Aber du hast die Möglichkeit, die Schuld zu zerreissen und wegzuwerfen. Und das ist echte Freiheit, echte Wiederherstellung.» Oder, mit einem Zitat von Bill Johnson: «Im Leben ist manches unverzeihlich. Aber nichts ist unvergebbar".  

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Datum: 20.02.2026
Autor: Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle: Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch

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