Mit woken Augen gelesen

Junge Leute und "problematische Bibeltexte"

Für junge Menschen können biblische Inhalte eine Herausforderung darstellen
Eine Studie in England zeigt, dass junge Menschen es bisweilen schwer haben, Jahre von «woker» Indoktrination hinter sich zu lassen, wenn sie die Bibel lesen.

Das vergangene Jahr mag das Jahr der «stillen Erweckung» gewesen sein, die offenbar von jungen Menschen angeführt wurde, insbesondere von mehr jungen Männern, die zum ersten Mal in die Kirche gingen; aber ein Jahrzehnt oder mehr «woke» Indoktrination lässt sich nicht so leicht beiseite schieben.

Die christliche Jugendorganisation Youthscape (UK) hat eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass viele Teenager bekannte biblische Geschichten und Personen als «problematisch» empfinden. Jesus macht sich des «Herrklärens» schuldig und ist ein Mann, und die «Machtverhältnisse» zwischen Gott und Mensch lassen angeblich viel zu wünschen übrig, was wiederum Fragen zum Thema Einwilligung aufwirft.

Die Studie war eine gemeinsame Initiative der Scripture Union und der Bible Society, finanziert vom Sir Halley Stewart Trust. Eine Gruppe von 40 Teenagern wurde gebeten, Passagen aus der Heiligen Schrift zu lesen und ihre Reaktionen darauf zu schildern.

«Gewalt, Angst, Machtmissbrauch»

Ein Mädchen, das das Buch Jona las, sagte, dass Gott «wirklich gewalttätig und aggressiv» wirke und dass die Beziehung zwischen Gott und Mensch «auf Angst basiere», was zu «Bedenken hinsichtlich Einwilligung und Machtmissbrauch» führe.

Ein Junge sagte, dass es bei der Begegnung zwischen Jesus und der samaritanischen Frau am Brunnen eine «ungleiche Machtdynamik» gebe. Jesus, so der Junge, wirke wie ein «Herrklärer» (engl. mansplaining) zusammengesetzt aus «Herr» und «erklären»: Wenn ein Mann (nur, weil er Mann ist) einer Frau etwas erklärt, wonach sie gar nicht gefragt hat und was sie eventuell sogar besser weiss.

Dem Bericht zufolge sehen viele junge Menschen Jesus auch nicht als Befreier von der Sklaverei der Sünde, sondern als denjenigen, der das Gericht bringt. «Jesus ist nicht der Befreier vom Gericht, er ist der Handelnde. Er ist eine beunruhigende Figur. Arrogant, mächtig, religiös motiviert und männlich», lautete ein Kommentar.

Im Kern des Problems scheint die moderne liberale Überzeugung zu stehen, dass jeder Einzelne völlig autonom ist oder sein sollte und keiner äusseren Autorität unterliegt. Wahrheit, Recht und Unrecht sind nur eine Frage der Perspektive oder sogar der persönlichen Entscheidung.

Was tun?

Der Bericht rät davon ab, von jungen Menschen zu erwarten, dass sie biblische Geschichten genauso bedingungslos beherzigen wie ältere Generationen. Sie hätten «einzigartige Perspektiven» und auch berechtigte Fragen. Bibellehrer sollten «Raum für echte Begegnungen lassen und darauf vertrauen, dass gutes Zuhören auch uns verändern kann».

Kommentar

Natürlich ist die Frage, welche Passagen den jungen Menschen zum Lesen vorgelegt wurden. Aber: Es kann offenbar nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass Menschen die Freude und erlösende Kraft erleben, wenn sie nur «die Bibel lesen». Eine Frage für die deutschsprachige Situation ist: Wo finden junge Leute, die vielleicht in grösseren Zahlen in die Kirchen kommen, Gelegenheit, über solche Verständnisfragen zu reden? Wo finden sie hörende, aber auch klärende Gesprächspartner? Die gute alte «Bibelstunde» gibt es nicht mehr. Wo findet fundiertes Gespräch über die Bibel statt? Alphalive und andere Kurse können helfen. Aber es braucht auch das Gespräch in Gemeinden, um zu verhindern, dass der Glaube junger Christen mit neuheidnischem Hintergrund sich entweder liberal aushöhlt oder dann zur fundamentalistischen Verfestigung führt.

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Datum: 12.02.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Christian Today / Übersetzung und Kommentar: Jesus.ch

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