One of us

Gott wurde einer von uns

An Weihnachten bewies Gott, dass er sich mit den Menschen identifiziert. Er wurde selbst einer! Und er wurde kein Übermensch, sondern einer der Benachteiligten. Eine unermessliche Wertschätzung für Leute in schwierigen Situationen.

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Szene aus dem Film «Son of God»
In den 1990er Jahren lief der Hit von Joan Osborne im Radio rauf und runter. Die Worte «What if God was one of us» mögen noch immer in manchen Ohren nachklingen. Was wäre, wenn Gott einer von uns geworden wäre? Und zwar wirklich «einer von uns»! Nicht ein Übermensch, der uns besuchte, um seine Überlegenheit zu demonstrieren, sondern tatsächlich ein Mensch wie wir…

Gott identifiziert sich mit den Menschen

Millionen von Menschen haben die lebensverändernde Kraft von Kreuzigung und Auferstehung erlebt. Weihnachten brauchte es, damit Karfreitag, Ostern und Pfingsten Tatsache werden konnten – dieser Sachverhalt ist allen Christen klar. Aber wollen wir einmal einen Moment innehalten und darüber nachdenken, dass Gott Mensch wurde. Die ersten dreissig Jahren seines irdischen Lebens hob sich Jesus kaum von der Menge ab. Er war einfach «einer von uns». Als Kind spielte er mit anderen Kindern, er war hungrig und müde – genauso wie alle anderen auch. Er durchlief alle Entwicklungsphasen und passte sich den damaligen kulturellen Gepflogenheiten an. Damit stellt sich Gott nicht nur auf unsere Seite, er identifiziert sich sogar mit uns.

Alle wollen Jesus vor den Karren spannen

«Jesus kam für alle Menschen!» Diese Worte sind fast schon ein Slogan. Und es ist wahr: Jesus kam tatsächlich für die ganze Menschheit – für alle! Gott stellte sich auf die Seite der Menschheit, deren Sünde sie von ihm getrennt hatte.

Immer wieder scheint es, dass gewisse Menschengruppen Jesus für sich beanspruchen. Katholiken glauben, Jesus sei einer von ihnen. Dasselbe glauben auch Reformierte, Freikirchler und solche, die in institutionellen Gemeinschaften keinen Platz mehr finden. Sogar Vertreter politischer Parteien erwecken zuweilen den Anschein, dass Jesus zweifellos Teil ihres politischen Programms sein würde.

In welchem Umfeld wurde Gott Mensch?

Viele Zeitgenossen hielten ihn zweifellos für einen unehelich gezeugten Jungen – sein Lebensstart entsprach nicht dem Ideal der Leute. Gott wurde ein Galiläer – eine unbedeutende Gegend: arm und ungebildet. Hätte Gott in einer angesehenen Familie in Jerusalem das Licht der Welt erblickt, hätten ihm Beziehungen zur politischen und religiösen Elite Möglichkeiten eröffnet, seine Botschaft unters Volk zu bringen. Aber Gott entschied sich, Teil einer «belanglosen» Handwerkerfamilie im unbedeutenden Nazareth zu werden. Damit identifizierte sich Gott mit Menschen, deren Leben belanglos erscheint.

Ein Lebensstart mit grosser Aussagekraft

Heute versuchen Christen, ein idyllisches Weihnachtsfest im Kreis der Familie zu feiern. Gefühle der Geborgenheit werden automatisch in die biblische Schilderung von Weihnachten transportiert. Aber Maria hatte beim Entbinden kaum eine Hebamme zur Seite und den Schutz eines Stalles gab es wohl ebenfalls nicht. Wahrscheinlich brachte Maria ihr Kind auf dem Hinterhof einer Herberge zur Welt, wo die Tiere der Gäste angebunden waren. Aber: Gott war Mensch geworden. Er lag in einem Futtertrog, mit minimalem Schutz vor Wind und Kleintieren. Kurz darauf flohen seine Eltern mit ihm in ein fremdes Land, wo er als Migrant seine ersten Lebensjahre verbrachte. Eines wird klar: Gott stellte sich ganz klar auf die Seite der Benachteiligten.

Gott wurde einer der Geringsten

Es ist eine unermessliche Wertschätzung, dass Gott Mensch wurde! Damit sagte er: «Hey, ich bin einer von euch!» Gott wurde ein Obdachloser und ein Flüchtling. Er entschied sich, als einer von denen geboren zu werden, die als benachteiligt bezeichnet werden. Aber Jesus war kein Benachteiligter. Er wusste, dass in seinem Vater alle Schätze des Himmels verborgen liegen. Als König der Könige bewegte er sich unter den einfachsten Menschen und drückte mit seinem ganzen Leben aus: «Ich bin einer von euch!»

Die Botschaft für Sie!

Halten Sie sich selbst für einen Benachteiligten? Eine zerrütte Herkunftsfamilie oder frühes Scheitern in irgendwelchen Bereichen des Lebens – es gibt viele Gründe, sich benachteiligt zu fühlen. Menschen leider darunter, verlassen, behindert oder unbegabt zu sein. Egal, welche Handicaps Sie haben mögen, die Botschaft von Weihnachten gilt Ihnen: «Gott wurde einer wie Sie!» Er stellte sich nicht primär auf diese Seite der Reichen, Begabten und Erfolgreichen.

Viele Menschen fühlen sich, als wäre der schmutzige Futtertrog ihr Zuhause. Ihnen kann gesagt sein: Gott war «one of us»! Er wurde einer wie Sie und ich!

Zum Thema:
Wahrheit oder Mythos: Was ist wirklich dran am Christkind?
Dritter Advent: Was sich durch Weihnachten verändert
Zweiter Advent: Das Wunder erkennen

Datum: 23.12.2017
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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