Heilung

Jesus und die Aussätzigen

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Um Kranke zu heilen, benötigt Jesus kein Ritual. Er hat Autorität. Ein Wort genügt – für zehn Leprakranke!

Keine Krankheit verbreitet mehr Schrecken: Wer Lepra an sich feststellt, muss gleich weg von seiner Familie, sonst steckt er sie an. Im Grenzgebiet von Galiläa und Samaria haben sich zehn Aussätzige zusammengefunden, um den sozialen Ausschluss gemeinsam zu tragen und einander im Elend beizustehen. Auch ihnen kommt zu Ohren, dass der Wanderprediger und Heiler in der Nähe ist. Sie suchen ihn, bleiben in einiger Distanz stehen und rufen ihn an: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ (Die Bibel, Lukas 17,13) In diesem zehnfachen Schrei ist alles drin: Schwäche und Verzweiflung, bare Bitte – und die Hoffnung, dass Jesus stärker ist als die todbringende Krankheit.

Auf dem Weg geheilt

Zehn Leprakranke, ein Schrei – wie reagiert Jesus? Immer wieder hat er seine Autorität als Heiler unter Beweis gestellt. Andere Aussätzige hat er angerührt und ihnen Heilung zugesprochen. Einzelnen hat er zuerst ihre Sünden vergeben, ihre Beziehung zu Gott ins Lot gebracht. Offensichtlich geht es ihm um mehr als nur körperliche Heilung; er ist vor allem Prediger von Gottes Herrschaft. Hat er ein Wort für die Todgeweihten? „Geht und zeigt euch den Priestern!“ ruft er ihnen zu. Dies tut man zur Bestätigung der Heilung von Aussatz. Sind sie denn geheilt? Die Zehn sehen einander an. Nein, der Aussatz, der ihre Hände und Füsse zerstört, ist noch da. Trotzdem machen sie sich auf zu den Priestern. Ein Weg der letzten Hoffnung – Jesus hat es gesagt.

Auf dem Weg werden sie gesund. Der Gehorsam wird belohnt. Die Lepra verschwindet, die Glieder werden heil. So etwas ist den Priestern noch nie vorgekommen. Zehn Aussätzige auf einen Schlag! Sie bestätigen ihnen die Genesung. Die Zehn jubeln, schlagen sich auf die Schulter, laufen auseinander – zurück geht’s ins Dorf, wieder zur Familie!

Einer kommt zurück

Einer von den zehn verhält sich anders. Er will Jesus danken. „Er kehrte zurück, pries Gott mit lauter Stimme, fiel ihm zu Füssen auf das Angesicht nieder und dankte ihm“ (17,15). Jesus sieht ihn an, denn er erinnert sich genau an den Moment auf Distanz, die ihn als Heiler herausgefordert hat. „Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die übrigen neun?“ Und zu den Umstehenden: „Hat sich keiner gefunden, der zurückgekehrt wäre, um Gott die Ehre zu geben, ausser diesem Fremden?“

Mehrfach hat Jesus die Grenzen des jüdischen Siedlungsgebiets überschritten, doch nie die Unterschiede zwischen Juden und den Nachbarvölkern, die anders glauben, verwischt. Der Samaritaner, der nun zu seinen Füssen liegt, ist (und bleibt) ein Fremder. Was nicht heisst, dass Jesus nichts für ihn übrig hätte. Im Gegenteil, er spricht das Innere an, das nach dem Körper auch heil werden soll: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“

Heil für den inneren Menschen

Gerettet ist mehr als gesund geworden: Der Samaritaner hat nicht nur an seinem Leib Heilung erfahren, sondern er gewinnt auch Heil für seine Seele. Denn er stellt sich Jesus, indem er vor ihm niederfällt, zur Verfügung. Dankbar anerkennt er: Gott hat ihn geheilt – er soll sein weiteres Leben bestimmen. Jesus nimmt ihn nicht hinein in den engsten Kreis seiner Anhänger. Zuerst wird er seinen Leuten, seinem Dorf das Wunder erzählen. Dies wird den Boden vorbereiten, auf dem später eine christliche Gemeinde wachsen kann (Apostelgeschichte 8,25).

Einer von zehn dankt; die anderen freuen sich über die Gesundheit, die Jesus ihnen wiedergeschenkt hat, ohne ihm zu danken. Wäre es heute, in der Konsumgesellschaft, anders? 


Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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