Denken ist Macht

"Cogito, ergo sum" - "Ich denke, also bin ich": Dieser Satz des Philosophen Descartes enthält eine wesentliche Erkenntnis: Denken gehört grundlegend zum Menschsein. Was sagt die Bibel über unsere Fähigkeit, zu denken?


Laut der Bibel gehört Denken zum Herz, nicht zum Verstand. Bild: PixelQuelle.de

1. Denken ist Teil unserer Ähnlichkeit mit Gott

Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen (Die Bibel, 1.Mose, Kapitel 1, Vers 27). So wie Gott kreativ und schöpferisch ist, so wie er plant und denkt, so hat er auch einen Menschen geschaffen, der diese Fähigkeiten besitzt.

Dabei ist sehr interessant, dass das Denken im Verständnis des Alten Testamentes nicht in unserem Verstand oder im menschlichen Geist angesiedelt wird, sondern im Herzen (Die Bibel, 1.Mose, Kapitel 6, Vers 5). Das Herz ist in der Bibel die Mitte der Person, das, was wir gewöhnlich mit "Ich" umschreiben. Denken und Persönlichkeit gehören also ganz eng zusammen. Unser Denken ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Ichs. Man könnte es so formulieren: "Wir sind, was wir denken - und wir denken, wie wir sind."

Unsere Persönlichkeit prägt die Art und Weise unseres Denkens. Menschen, die von ihrem Charakter her zum Beispiel eher melancholisch veranlagt sind, haben häufig auch sehr tief gehende Gedanken, geben sich nicht so schnell mit Antworten zufrieden. Menschen dagegen, die eher impulsiv leben und handeln, neigen auch im Denken zu schnellen und manchmal vorschnellen Antworten und Lösungen.

2. Auch das Denken ist "gefallen"

Als der Mensch sich entschloss, sein Leben unabhängig von Gott in eigener Regie und gegen Gottes Gebote zu führen, hatte dieser Entschluss Konsequenzen für alle Bereiche des menschlichen Lebens. Der Sündenfall erstreckte sich auch auf das Denken, ja, das Denken war sogar ein wichtiger Aspekt der Versuchung selbst. Für Eva war die Frucht des Baumes ja gerade deshalb so verlockend, weil sie "klug machte" (Die Bibel, 1.Mose, Kapitel 3, Vers 6).

Dennoch verlor der Mensch durch den Sündefall nicht einfach seine Ebenbildlichkeit mit Gott. Die von Gott geschenkten Begabungen und Fähigkeiten hörten nicht auf. Aber sie erhielten sozusagen ein negatives Vorzeichen. Eigentlich war der Mensch geschaffen worden, um mit Gott in Gemeinschaft leben, ihn lieben und zu ehren. Stattdessen entschloss sich der Mensch, seinen eigenen Vorteil an die erste Stelle zu setzen. Auch sein Denken erhielt dadurch einen neuen Massstab. Seit damals wird der Mensch beherrscht und bestimmt durch seinen Egoismus.

3. Das Denken steuert das Handeln

Diese grundsätzliche Motivation des Menschen steuert und beherrscht sein Leben. So wie damals Eva von der Frucht ass, weil sie hoffte, dadurch klug zu werden, so prägt und beherrscht dieses Streben nach Grösse und Macht den Menschen auch heute. Wir wollen - koste es, was es wolle - wichtig und bedeutend sein.

Dabei geht es nicht nur um einen bewussten Egoismus, der aktiv und zielgerichtet den eigenen Vorteil sucht. Vielmehr ist die in unserem Denken tief verankerte Selbstsucht ("Jeder denkt an sich, nur ich denk an mich!") häufig das unbewusste Steuerungsmuster vieler unserer Handlungen. Sogar das helfende und dienende Handeln kann dem eigenen Vorteil und der eigenen Ehre dienen. Immer wieder wird ein Muster deutlich: Unser egoistisches Denken steuert unser Handeln - bewusst oder unbewusst.


Positives oder negatives Denken prägt uns. Bild: PixelQuelle.de

4. Das Denken beherrscht unser Sein

Aber unser Denken steuert nicht nur unser Handeln, sondern es beherrscht auch unser Sein. So wie unser Charakter unser Denken bestimmt, so formt und verändert unser Denken umgekehrt auch unser ganzes Sein. Aus der Psychosomatik zum Beispiel wissen wir, dass dies bis in den Bereich unseres Körpers hinein gilt. Menschen können körperlich krank werden aufgrund von seelischen Missständen, aber auch aufgrund von falschen Denkweisen.

Unser Denken beherrscht unser Sein. Natürlich darf man diesen Gedanken nicht zu weit ausdehnen. Manche meinen, man müsse nur richtig (positiv) zu denken lernen und schon würden Krankheiten verschwinden und wir würden glücklich und reich. Dass das nicht stimmt, zeigt zum Beispiel das Buch Hiob in der Bibel. Weder falsches Denken noch Sünde waren der Grund für Hiobs Leiden. Eine direkte Gleichung "Falsches Denken = Krankheit" und "Krankheit = Falsches Denken" ist somit sicherlich falsch.

Trotzdem hat unser Denken Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Dies gilt besonders für unser Denken im geistlichen Bereich. Eine falsche Vorstellung über Gott zum Beispiel kann äusserst negative Folgen für uns haben. Wird Gott etwa nur als "strafender Richter" gesehen, kann dies bei Menschen zu psychischen, aber auch zu körperlichen Krankheiten führen.

5. Heilung und Heiligung des Denkens

Die Bibel fordert uns auf, auch unser Denken Gott unterzuordnen. Paulus schreibt, dass wir "alles Denken in den Gehorsam Christus gegenüber" gefangen nehmen sollen (Die Bibel, 2.Korinther, Kapitel 10, Vers 5). Unser oft falsches und manchmal krankes Denken braucht Heilung von Gott. Gott möchte das, was durch den Sündenfall in uns zerstört wurde, wieder erneuern. Wir sollen Schritt für Schritt verwandelt werden "in sein Bild". Wenn wir uns ihm anvertrauen und damit Gottes Kinder werden, tauscht er unser "altes Herz" (= die Mitte unserer Person) gegen ein "neues Herz" aus.

Und doch sind nicht sofort alle egoistischen Verhaltensweisen und Denkmuster mit einem Schlag beseitigt. Vielmehr geht es darum, ein neues Verhalten und ein neues Denken zu lernen. Schritt für Schritt soll auf diese Weise Gottes ursprüngliche, gute Schöpfung wieder sichtbar werden, soll man an uns das Ebenbild Gottes, zu dem wir geschaffen wurden, wieder erkennen können.

Gott will Veränderung unseres Denkens. Diese Veränderung geschieht unter anderem durch die Beschäftigung mit seinem Wort, der Bibel. Die Veränderung unseres Denkens wiederum führt zur Veränderung unseres Verhaltens und unseres ganzen Lebens. Und so können wir immer mehr wieder das sein, wozu wir ursprünglich geschaffen wurden: Ebenbild des lebendigen Gottes.

Artikel zum Thema:
Die Macht der Gedanken
Wie beeinflussen Gedanken Ihr Handeln?
Buchtipps zum Thema "Denken"

Autor: Hans-Georg Wünch
Bearbeitung: David Sommerhalder


Quelle: Neues Leben

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