Depression und Herz

«Es kann jeden erwischen»

Stress führt leicht zur Depression. Depressionen erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Umgekehrt führt eine schwere Herzkrankheit leicht in die Depression. Dieser Teufelskreis muss vermieden werden. Denn Stress macht dumm.

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Torsten Berghändler ist Facharzt für Psychiatrie.
An der Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Ärztinnen und Ärzte (AGEAS) wies der Psychiater Torsten Berghändler am 14. Mai 2011 in Oberägeri auf die Risiken für eine Depression hin. Diese steige mit dem Alter und sei sehr oft stressbedingt. Besonders häufig trete sie aber nach einem Herzinfarkt auf. Von einer Depression spricht man laut Berghändler, wenn die Stimmungsveränderung länger als 14 Tage anhält. Ein besonderes Merkmal der Depression sei das Gefühl der Hilflosigkeit. Depression könne auch als Zustand von chronischem Stress verstanden werden. Dieser wirke sich auch auf die Gehirnleistung aus. Vereinfach könne man sagen: «Stress macht dumm».

Bei Herzkranken gegen Depression vorbeugen

Laut dem ehemaligen Chefarzt für Psychosomatik an der Herzklinik in Gais werden Depressionen nach Herzinfarkten und Herzoperationen oft zu spät oder gar nicht erkannt, weil die Patienten keine auffälligen Merkmale zeigten. Besonders die Männer schweigen lieber – oder flüchten in den Suizid. Es wäre daher sinnvoll, meint Berghändler, wenn jeder Herzpatient von Anfang an auch eine vorbeugende Therapie gegen Depression erhalten würde. Wirksam gegen die Depression sei besonders das natürliche Medikament Johanniskraut. Besonders wichtig sei eine Behandlung gegen Depression für Krebskranke.

So lange Leben ist, ist Hoffnung

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Der Psychiater, der heute eine eigene Praxis führt, sprach sich für einen besseren Einbezug der Spitalseelsorge ein. Sie müsse in einer Klinik einen klaren Stellenwert haben und nicht erst für die Sterbebegleitung gerufen werden. «Ich habe in Gais am häufigsten den Spitalseelsorger gerufen, während meine christlichen Kollegen zurückhaltender waren», meinte Berghändler sybillinisch. Er plädierte auch dafür, dass Seelsorger für die jeweiligen Konfessionen zur Verfügung stehen. «Ein depressiver Mensch braucht Hilfe, aber nicht Suizidhilfe», betonte der Facharzt für Psychiatrie. Zum Fall eines psychisch kranken Patienten, dessen Suizid mit Hilfe von Exit kürzlich in einer DOK-Sendung auf SF1 dokumentiert wurde, meinte Berghändler: «So lange Leben da ist, ist auch Hoffnung da – nur der tote Mensch ist austherapiert!»

Gegen zu hohe Erwartungen

Der Psychiater wandte sich aber gegen überzogene Erwartungen an die Medizin und die Ärzteschaft: «Ich bin kein Heiler, ich verspreche nur Besserung.» Der Arzt sei ein Begleiter und könne bei schwerer Krankheit helfen, die Lebensqualität zu verbessern: «Ich bin Arzt, kein Techniker!» Im Blick auf die Diagnose vertraut Berghändler im übrigen stark auf die Wahrnehmung der Patienten: «Ich lasse mir von meinen Patienten ihre Krankheit selbst erklären», betonte der Psychiater.
 
Zum Thema:
Besser umgehen mit uns selbst


Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet.ch

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