Nationalräte zu Trisomie-Test

Eltern behinderter Kinder müssen unterstützt werden

Die bevorstehende Einführung eines neuen pränatalen Tests in diesen Tagen in der Schweiz beschäftigt nun auch die Politik. Der Test ermöglicht ohne Gefahr für das werdende Kind und früher als bisher die Diagnose von Trisomie 21 (Down-Syndrom). Nationalrat Christian Lohr, selbst von Behinderung betroffen, befürchtet Druck auf die Eltern und setzt sich zur Wehr.
Christian Lohr

Kritiker befürchten, dass Eltern in Zukunft öfters den Test machen und daher auch öfter abtreiben. Und dass sie damit vermehrt unter Druck geraten, behinderte Kinder abzutreiben.

Der Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr, der als «Contergan-Kind» ohne Arme und mit missgebildeten Beinen zur Welt kam, warnt vor missbräuchlichen Entwicklungen. Das meldet das St. Galler Tagblatt (14. August). Danach fordert er in einer iInterpellation vom Bundesrat Auskunft darüber, wie man verhindern wolle, dass Versicherungen gewisse Tests als Voraussetzung für einen Versicherungsabschluss fordern könnten. Es dürfe keinesfalls ein gesellschaftlicher Druck entstehen, ein Kind mit Down-Syndrom abzutreiben.

Eltern eines Ungeborenen mit Down-Syndrom müssten die Möglichkeit haben, sich umfassend zu informieren, was für und was gegen eine Abtreibung spreche. Leider sei dies heute nur unzureichend möglich. Die Behindertenpolitik des Bundes beschränke sich vor allem auf die Frage, wie die IV Geld sparen könne.

Gegen «faktischen Zwang zur Abtreibung»

Auch der Waadtländer Ständerat Luc Recordon von den Grünen, der mit verkrümmten Schienbeinen zur Welt kam und auf Prothesen geht, warnt gemäss der Zeitung: «Sollte es jemals so weit kommen, dass die Krankenkassen keine Behandlungen für Down-Syndrom-Kinder mehr bezahlen, wäre das skandalös». Recordon spricht von einem «faktischen Zwang zur Abtreibung». Er plädiert für die uneingeschränkte Freiheit künftiger Eltern, sich für oder gegen ein Kind mit Down-Syndrom zu entscheiden. Wenn der Entscheid aber zugunsten des Kindes ausfalle, müssten die Familien materiell und moralisch unterstützt werden.

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Datum: 16.08.2012
Quelle: Kipa

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