Der Heilige Gral: Woher weiss Dan Brown das alles?

Auf S. 347 gibt Brown seine wichtigste Quelle preis. Es ist ein Bestseller aus den 80er Jahren: «Der Heilige Gral und seine Erben» von Michael Baigent und Richard Leigh. Dieses Buch verkaufte sich in Deutschland damals 150 000-mal. Im Gefolge von «Sakrileg» sind in den letzten Monaten allein sieben Neuauflagen erschienen.

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Die Gewährsleute von Dan Brown sind die beiden ehemaligen englischen Fernsehjournalisten und bekennenden Agnostiker Michael Baigent und Richard Leigh. Ihre religionskritischen Skandal¬bücher erleben weltweit hohe Auflagen und finden immerwieder ein breites Medienecho.
Baigent und Leigh, zwei ehemalige englische Fernsehjournalisten, sind der theologischen Fachwelt schon lange bekannt. Das Buch «Der Heilige Gral» war in seinen Thesen so absurd (Jesus sei nicht am Kreuz gestorben; Heirat mit Maria Magdalena; Nachkommenschaft Jesu in Frankreich u. a.), dass Wissenschaftler sich weigerten, überhaupt eine Buchbesprechung zu schreiben.

Das Vermächtnis des Messias

Doch die Skandalautoren verfolgten das Thema des «Heiligen Gral» im Buch «Das Vermächtnis des Messias» weiter. Darin bauten sie ihre These aus, nach der die Handschriftenfunde am Toten Meer Geheimbotschaften über Jesus enthielten und dass sich in Frankreich Jesu angebliche Ur-Ur-Ur-...Urenkel in einer Geheimverschwörung auf die Übernahme der Weltherrschaft vorbereiten würden. Der künftige Herrscher Europas als «Blutsnachfahre Jesu» sei Otto von Habsburg.

1992/93 landeten Baigent/Leigh einen Bestseller mit dem Buch «Verschluss-Sache Jesus - Die Qumranrollen und die Wahrheit über das frühe Christentum». Wider besseres Wissen behaupten die Autoren, dass der Vatikan die Herausgabe der Qumranschriften verhindern würde, weil in den jüdischen Texten stehe, dass Jesus ein ganz normaler Mensch gewesen sei.

Bunte Mischung

Dan Browns «Sakrileg» ist eine geschickte Mischung aus den Büchern von Baigent und Leigh sowie weiterer, teils okkulter Literatur. Die gleichen dünnen Behauptungen, wie sie Baigent und Leigh machten, kann man in «Sakrileg» fast wortgleich lesen. So etwa, dass neben den Schriften aus Nag-Hanwiadi die «Schriftrollen ... vom Toten Meer die frühesten Dokumente des Christentums» seien (S. 337) und: «Natürlich hat der Vatikan in Fortsetzung seiner Tradition der Verschleierung und Informationsunterdrückung mit allen Mitteln versucht, die Veröffentlichung dieser Schriften zuverhindern» (S. 323).

Qumranrollen

Hätte Brown nur ein einziges Fachbuch über die Qumranrollen gelesen, hätte er wissen müssen, dass die jüdischen Texte an keiner Stelle Jesus namentlich erwähnen, da sie überwiegend aus der Zeit vor Christus stammen. Auch der Vatikan hatte nachweislich nie etwas mit der Herausgabe der Qumranschriften zu tun, denn dies war und ist Sache der Israelischen Antikenverwaltung.

Seit November 2001 sind alle Texte wissenschaftlich editiert und jeder kann nun selber die Übersetzungen der Qumranschriften lesen und feststellen, dass dort keine Geheimbotschaften über Jesus und Maria enthalten sind. Die Qumranfunde sind die grösste archäologische Sensation, denn die einzigartigen Bibelfunde zeigen uns, wie hervorragend die Schriften des Alten Testaments überliefert worden sind.

«Der Heilige Gral» ist die Hauptquelle für Dan Browns Thesen. Brown behauptet, die These vom «königlichen Geblüt Christi sei in der Gelehrtenwelt ausgiebig und bis ins letzte Detail untersucht worden» (5.346). Doch seine Quelle ist so grotesk, dass Wissenschaftler sich weigerten, auch nur eine Rezension zu schreiben.

Im Folgeband «Das Vermächtnis des Messias» wurde die These der «Blutsnachkommenschaft» weiter ausgeschlachtet.

Im Buch «Verschluss-Sache Jesus» werfen die Autoren dem Vatikan eine Geheimverschwörung in Sachen Qumranrollen vor. Die Schriftrollen vom Toten Meer sollen Geheiminformationen über Jesus enthalten. Doch die Qumranschriften stammen aus der Zeitvor Jesus.

Mehr zum Thema:
Lesen Sie diesen und weitere Texte zum Thema im Factum-Report
Webseite von Alexander Schick: www.sakrileg-betrug.de


Autor: Alexander Schick
Quelle: factum Magazin

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