Professor Heinz Gstrein äusserte sich kritisch zum Bau von Minaretten. Deshalb wurde er rund um die Abstimmung auf Ansage diskreditiert. Inzwischen ist sein Ruf wiederhergestellt. In der Uni Wien könne er wieder Vorlesungen halten, schlechter sehe es in der Schweiz aus. Die «NZZ» und die «Kipa» würden ihm das Wort verbieten.
«Man hatte mir im Vorfeld der Abstimmung unmissverständlich ausrichten lassen, man würde mich in der Schweiz zu einem Aussätzigen, einem Geächteten machen, wenn ich meine kritische Einstellung zum Minarett nicht ändere», so Gstrein. Das sei im vergangenen Sommer gewesen. «Da suchte mich jemand auf - ich will keine Namen nennen - der mir im Auftrag einer hohen Persönlichkeit das hat ausrichten lassen.»
Gerade als die Initiative angenommen worden war, sei die Abrechnung mit ihm fällig gewesen. Von langer Hand vorbereitet sei gegen ihn vorgegangen worden, insbesondere indem versucht worden sei, Gstreins Glaubwürdigkeit als Journalist zu untergraben, wie auch jene als Professor für Balkanstudien an der Universität Wien. So wurde Gstrein etwa in der «Basler Zeitung» in Frage gestellt.
Schreibverbot bei NZZ und Kipa?
Mittlerweile sind die Vorwürfe entkräftet und der Nahostkenner kann seine Vorlesungen in Österreich fortsetzen. Heinz Gstrein: «Was weh tut, ist, dass mir die "Neue Zürcher Zeitung" das Schreiben verbietet. Auch die katholische Nachrichtenagentur "Kipa" lässt mich nicht zu Wort kommen.»
Gstreins letzter bei der Kipa publizierter Text datiert auf den 12. September 2009. Er trug den Titel «Zürcher Christen feierten die Stadtpatrone Felix und Regula», wie die Kipa mitteilt. Seither habe es keine Zusammenarbeit mehr gegeben. Ausschlaggebend seien Gstreins Aussagen im Zusammenhang mit dem Islam und der Minartett-Initiative gewesen, aber auch kritische Rückmeldungen der Leser.
Die NZZ erklärt auf Anfrage von Livenet, dass Gstrein früher aus Kairo und Griechenland berichtet habe. «Diese gelegentliche Mitarbeit ist aufgrund unserer Dispositionen im Ausland-Korresponentennetz nicht mehr aktuell», so der stellvertretende Chefredaktor René Zeller. «Seither verzichtet die NZZ auf eine Mitarbeit von Herrn Gstrein. Das ist nicht gleichzusetzen mit einem Schreibverbot. Ein solches wurde nie ausgesprochen.»
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