Von der Erotiksendung zum „Fenster zum Sonntag“

Früher moderierte sie eine Sex-Sendung, heute will sie keinen Sex mehr vor der Ehe. Jeanette Meier, die neue Moderatorin der Schweizer TV-Sendung "Fenster zum Sonntag", über Sex, Glauben und ihre Messerstecherei.

Mit ihrer Aussage, sie wolle keinen Sex mehr vor der Ehe, verursachte Jeanette Meier einen Medienwirbel. "Blick", "NZZ am Sonntag", "Schweizer Illustrierte", SF DRS, Tele Züri und viele andere berichteten über die angeblich "verruchte Sexlady", die plötzlich enthaltsam lebt. Jeanette Meier ist 1973 im zürcherischen Dielsdorf geboren. Nach einer Lehre als Coiffeuse fuhr sie Lastwagen im väterlichen Betrieb. 1995 kam sie in den Final der Miss Schweiz-Wahl und wurde von der international erfolgreichen deutschen Dancefloor-Gruppe E-Rotic als Sängerin engagiert. Daneben moderierte sie eine Erotiksendung auf Star-TV. Seit August ist sie zu 40 Prozent bei der Fernsehsendung "Fenster zum Sonntag" (SF 2) angestellt. Ausserdem moderiert sie Modeschauen und Firmenanlässe und verfolgt als "Jeane" eine Solokarriere. Sie gehört seit einiger Zeit der Zürcher ICF-Church an.

Chrischona-Magazin:

Du bist momentan die prominenteste Christin im Land...


Wie gehst du damit um?

Jeanette Meier:

Zoom
Telegen und glaubwürdig: Früher moderierte Jeanette Meier eine Erotiksendung, heute das "Fenster zum Sonntag".
Gut! Ich stehe schon seit Jahren in der Öffentlichkeit. Neu ist, dass ich zum Aushängeschild für das Christentum geworden bin. Früher war ich die Jeannette Meier von der Band "E-Rotic", heute bin ich die Jeanette Meier, die keinen Sex vor der Ehe will (sie lacht). Die Medienauftritte sehe ich als Plattform, die Gott mir gibt für Diskussionen über den Glauben. Viele Junge, auch Nichtchristen, sagen mir: "Jeanette, du strahlst so viel Lebensfreude aus!"

Medienthema sind vor allem deine Aussagen zum Thema Sex. Macht das den Glauben aus?

Sicher nicht! Ich versuche, den Leuten klar zu machen, dass Sexualität etwas Wunderschönes ist, das Gott uns gegeben hat. Wir können sie nach freiem Willen leben. Gott hat aber einen Idealrahmen dafür geschaffen.

Wie sieht dieser Idealrahmen aus?

Dass man sich aufhebt für seinen Ehemann. Das haben mein Schatz und ich im Kontext der Bibel entdeckt und uns dafür entschieden. Verrückt ist: Früher gab es einen Skandal, wenn jemand ein ausschweifendes Sexleben hatte. Heute ist es ein Skandal, wenn ich sage, ich habe keinen Sex - eigentlich eine extrem kranke Welt!

Du bist seit März mit deinem Freund zusammen, und ihr hattet am Anfang auch Sex. Warum habt ihr aufgehört?

Wenn du dich mit einem Thema nicht befasst, kannst du es nicht wissen. Als wir uns damit auseinander setzten, merkten wir, dass Sexualität etwas ganz Reines ist. Und dass der Verzicht darauf nicht eine Fessel ist, sondern Freiheit! Falls sich nämlich herausstellt, dass der Freund nicht der Partner fürs Leben ist, kann man sich leichter trennen, wenn man nicht intim war. Ich stelle mir die Sexualität wie eine Rose vor.

Wie eine Rose?

Ja, eine mit vielen Blüten. Mit jedem Mann, mit dem du schläfst, verlierst du ein Blütenblatt. Ich verbinde mich mit ihm ja nicht nur körperlich, sondern auch geistig, mit seiner ganzen Vergangenheit. Für mich ist das Warten auch eine Prüfung. So bauen wir unsere Beziehung nicht auf die Sexualität, sondern auf das Gebetsleben und auf unsere nicht-sexuelle Beziehung.

Ihr beide hattet früher Sex mit anderen Partnern. Bist du eine Rose, die nicht mehr alle Blätter hat?

Zwar habe ich mich ein paar Mal verschenkt, aber Gott kann erneuern und vergeben - auch in der Sexualität. So kann ich wieder rein dastehen für den Partner fürs Leben.

Ist es nicht schwierig, plötzlich auf Sex zu verzichten, nachdem du ihn dir gewohnt warst?

Es ist nicht immer einfach, aber es geht - weil wir auch dafür beten. Mir kommt es vor, als ob Gott unsere Lust reduziert hätte. Für die Männer ist es etwas schwieriger als für die Frauen, aber es geht. Es geht wirklich!

Die halbe Schweiz weiss nun, dass du mit dem Sex bis zur Ehe warten willst. Hast du keine Angst, du könntest scheitern?

Überhaupt nicht! Wir beide sind so motiviert, und wir werden dieses Ziel mit Jesus schaffen, sofern wir nicht auseinander gehen. Das weiss man ja nie. Viele Leute erwarten jetzt, dass wir in den nächsten zwei Monaten heiraten. Aber das ist kein Thema. Erstens hat er mich noch gar nicht gefragt, und zweitens heiraten wir sicher nicht, bloss um wieder Sex haben zu können.

Wie ist das alles für deinen Freund?

Nicht immer einfach. Erstens hat er keine grossen Erfahrungen mit den Medien, und zweitens ist er noch sehr jung im Glauben. Wir haben zum Glück viele, die für uns beten.

Wie bist du überhaupt zum Glauben gekommen?

Ich habe schon als Kind an Gott geglaubt, mich aber nie für ihn interessiert. Ich war ein sehr aggressiver Teenager und Mitglied einer Heavy-Clique. Eines Abends, als ich 17 war, haben meine Kollegin und ich mit ein paar Mädchen aus der Rapper-Szene einen Streit angezettelt. Eine stach mich im Zürcher Hauptbahnhof nieder.
Sie stach mir ein Messer in den Rücken - wie im Film. Mein Leben hing an einem seidenen Faden. Damals schrieb ich Gott: "Wenn es dich gibt, dann übergebe ich dir mein Leben, ohne dass ich weiss, wo ich damit landen werde." Heute ist mir klar, dass Gott damals eine Handbremse gezogen hat. Ich begann, Schlagzeugunterricht zu nehmen. Der Lehrer war praktizierender Christ und hat das negative Bild, das ich vom Christentum hatte, zerstört. Statt Schlagzeugstunden machten wir oft Religionsunterricht. 1992 bekehrte ich mich.

Dann wurdest du Sängerin bei "E-Rotic" und Moderatorin einer Sex-Sendung auf Star-TV - nicht gerade die typische christliche Karriere.

Wenn man Gott in sein Leben einlädt, wird man ein geistliches Baby. Manche Christen kehren radikal um, andere leben lange in einer Grauzone. Ich war so. Ich hatte keine Gemeinde und keine gläubigen Freunde. Deshalb kam ich nicht weiter und machte Dinge wie diese Erotiksendung. Ich brauchte neun Jahre, bis ich begann, radikal als Christin zu leben.

Warum hast du mit der Sex-Sendung aufgehört?

Eines Morgens hörte ich Gott, als ob er in meinem Zimmer stehen würde: "Jeanette, jetzt musst du aufhören mit diesem Seich!" Am gleichen Tag sagte ich dem Chef, dass ich die Sendung nicht mehr machen möchte.

Was für ein Verhältnis hast du heute zu deiner Vergangenheit?

Ein sehr gutes! Gott hat mich verändert, und ich schaue schmunzelnd zurück. Gott sei Dank können wir uns weiter entwickeln!

Jeanette Meier
Mit ihrer Aussage, sie wolle keinen Sex mehr vor der Ehe, verursachte Jeanette Meier einen Medienwirbel. "Blick", "NZZ am Sonntag", "Schweizer Illustrierte", SF DRS, Tele Züri und viele andere berichteten über die angeblich "verruchte Sexlady", die plötzlich enthaltsam lebt. Jeanette Meier ist 1973 im zürcherischen Dielsdorf geboren. Nach einer Lehre als Coiffeuse fuhr sie Lastwagen im väterlichen Betrieb. 1995 kam sie in den Final der Miss Schweiz-Wahl und wurde von der international erfolgreichen deutschen Dancefloor-Gruppe E-Rotic als Sängerin engagiert. Daneben moderierte sie eine Erotiksendung auf Star-TV. Seit August ist sie zu 40 Prozent bei der Fernsehsendung "Fenster zum Sonntag" (SF 2) angestellt. Ausserdem moderiert sie Modeschauen und Firmenanlässe und verfolgt als "Jeane" eine Solokarriere. Sie gehört zur Zürcher ICF-Church. Internet: www.jeane.ch .

Datum: 02.12.2002
Quelle: Chrischona Magazin

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