Wie zwei Thurgauerinnen gegen Sex am Fernsehen kämpfen

Nelly Fröhlich und Irma Gugger aus Frauenfeld verteilen Flugblätter gegen den Ostschweizer Privatsender "Tele Top". Sie protestieren wider die "verderblichen Sendungen", womit die Erotikprogramme gemeint sind. Das Gespräch mit dem Fernsehsender haben sie allerdings nicht gesucht.
"Seit Monaten vergiftet der neue Regionalfernsehsender "Tele Top" Nacht für Nacht viele Thurgauer Häuser. Als rechtschaffene Menschen ekelt uns das an. Wer kann diese verderblichen Sendungen verbieten?" Irma Gugger und Nelly Fröhlich, zwei Grossmütter mit zusammen 30 Enkeln, rufen die Thurgauer Bevölkerung zur "Mithilfe für eine anständige Umwelt" auf. Es müsse Umkehr vom lasterhaften Tun geboten werden, schreiben sie auf ihr Flugblatt.

Bei "Tele Top" findet man es schade, dass die Frauen nicht den direkten Kontakt mit den Verantwortlichen des Senders gesucht hätten. "Wir würden mit ihnen gerne ins Gespräch kommen und eine Annäherung suchen", sagt Peter Bronhofer, Marketingleiter von "Tele Top" gegenüber idea. Bei den Sendungen von Mitternacht bis morgens um vier Uhr handle es sich um Softerotik-Clips wie sie in andern Stationen ausgestrahlt würden. Die gleichen Programme laufen auf "Tele Bern". Es habe drei Telefonanrufe gegeben, in denen bedauert wurde, dass nachts keine Nachrichten mehr gesendet würden, so Bronhofer. Die Einschaltquote sei aber gestiegen, was ein Bedürfnis nach solchen Programmen belege. "Tele Top" besteht seit November 1999 und ist in der ganzen Ostschweiz zu empfangen.

Irma Gugger ist 85-jährig. Sie hat einmal eine solche Sendung gesehen. Sie ist überzeugt, dass damit die Jugend verdorben wird. Das "normale Schamgefühl" der Leute sinke immer mehr. Es gebe ja kaum mehr Werbespots ohne Sex-Szenen. Ehrlich gesagt, so zu idea, "es ist eigentlich schon zu spät." Das christliche Abendland wähnt sie auf dem absteigenden Ast. Hinter den Protesten steht der "Neue Rütlibund", dessen Vizepräsidentin Nelly Fröhlich ist. Dieser setze sich für christliche Moral, Menschenwürde und Familienschutz ein. Dass man Behörden und Öffentlichkeit zum Einschreiten aufruft, mit "Tele Top" aber nicht redet, findet Irma Gugger im Nachhinein auch nicht gut. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Datum: 29.04.2002
Autor: Fritz Herrli
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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