Zur Prostitution gezwungen

Christen gegen den Frauenhandel

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In der Schweiz gehen einige tausend Prostituierte unfreiwillig auf den Strich.
Bis zu 3000 geköderte Mädchen landen jedes Jahr auf dem helvetischen Sexmarkt. Ein Schweizer Werk wehrt sich für diese gedemütigten Kreaturen.

„Es ist viel Unwissenheit da“, seufzt Beatrice Käufeler. Und auch viele Vorurteile; zum Beispiel, „dass die Frauen ja ‚freiwillig’ auf dem Sexmarkt seien.“ Sicher gebe es einzelne, auf die das zutrifft. „Aber meistens steckt dahinter eine tragische Geschichte.“ Der Bericht Innere Sicherheit des Bundes spricht von bis zu 3000 Frauen, die jährlich illegal über die Grenze geschleust und zur Prostitution gezwungen werden. „Das sind keine Täterinnen, sondern Opfer. Und ihr Anteil auf dem Sexmarkt ist viel grösser als man meint.“

Ein ganzes Dorf

3000 junge Frauen – das entspricht einem ganzen Dorf. Der Grossteil von ihnen arbeitet auf dem Sexmarkt. Andere würden im Heiratsschwindel untergehen. „Diese Frauen werden in der ‚Ehe’ sexuell ausgebeutet, an andere verliehen oder sogar verkauft.“ Und das ausgerechnet in der humanitären Schweiz.

Dabei wären die Grundlagen eigentlich vorhanden, um Gegensteuer zu geben. Doch sie werden nicht umgesetzt, zum Beispiel beim Opferschutz. „Menschenhandel wird immer noch als ein Randproblem behandelt. Wenn man im Bordell eine Frau findet, die sich illegal im Land aufhält, wird sie einfach ausgeschafft.“ Und irgendein Menschendealer stopft diese Lücke wieder mit „Frischfleisch“. Es wird also nur das Symptom bekämpft. Die lukrative Ursache dagegen bleibt bestehen.

Die Illegalen

Ihren Hintermännern müssen die Frauen viel Geld bezahlen, damit die sie in die Schweiz bringen. Oft mit falschen Versprechen. Und beim Verkauf der „Ware“ springt nochmals ein schöner helvetischer Batzen* ab. Den Mädchen, die glaubten, im Verkauf oder einem Restaurant arbeiten zu können, nimmt man den Pass ab. Oder man lässt das auslaufen. Damit wird ihr weiterer Aufenthalt illegal, und irgendwann werden sie ausgeschafft. Denn durch abgelaufene Visen oder entwendete Pässe haben die Frauen kein Recht mehr, sich im Land aufzuhalten. Und so werden sie, wenn sie bleiben wollen, ihren „Herren“ umso gefügiger. Den Zusammenhängen dahinter geht man aber nicht nach. Die formale Illegalität steht im Vordergrund.

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Sie wohnen in den Zimmern mit den roten Lämpchen.

„Wir wollen wachrütteln“

Beatrice Käufeler leitet bei der Christlichen Ostmission (COM) in Worb/BE das Frauen- und Kinderhandelsprojekt. Zur Zeit sucht sie vor allem den Kontakt mit anderen Organisationen, die bereits auf diesem Gebiet tätigt sind, und beginnt, die Bevölkerung zu sensibilisieren. „Wir machen aufmerksam auf die Tragödien, die hinter den Zahlen stehen. Das sind Frauen, die hier bei uns in der Schweiz ein sklavenähnliches Dasein fristen und ohne Hilfe von aussen null Chancen haben.“

Doch in Sachen Opferschutz stehe die Schweizer Politik und Gesetzgebung noch am Anfang. «Bisher haben wir vor allem im Ausland präventiv gearbeitet», damit die jungen Frauen gar nicht erst in diese Szene geraten, sagt Käufeler. Zudem habe die COM Projekte unterstützt, über die tatsächliche Opfer betreut werden.

Am Knackpunkt des Lebens

So baut das Hilfswerk in Moldawien ein Sozialnetz auf. Dieses fängt junge Frauen auf, die aus Altersgründen aus den Waisenkinderhäusern austreten müssen. Sie fallen dann nicht in die Hände dubioser Geschäftsleute, «sondern sie werden in Familien und Übergangsheimen platziert und im Integrationsprozess begleitet».

Andernfalls könnten sie unvermittelt auf dem Schweizer Sexmarkt landen (oder auf einem anderen in Westeuropa). «Die Gefahr besteht. Denn sie sind in diesem Moment an einem schwachen Punkt in ihrem Leben. Sie kommen aus diesen Waisenhäusern, haben keine Eltern oder solche die nichts von ihnen wissen wollen. Mit 16 stehen sie auf der Strasse. Da gibt es verschiedene, die mit diesen jungen Mädchen gerne Geld verdienen möchten.»

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«Du bist keine Ware» – eine staatliche Kampagne in Osteuropa.

«Wir Christen haben einen Auftrag»

Durch das neubegonnene Engagement will das christliche Hilfswerk den ausgebeuteten Frauen helfen – ein möglicherweise gefährliches Engagement. Zu viele profitieren von dem Geschäft. Im Moment fühlen sich die Mitarbeiter noch nicht selber bedroht. «Je intensiver man aber dran ist, desto mehr wird man das wohl spüren. Doch wir Christen haben den Auftrag, uns für die Schwachen und Benachteiligten einzusetzen.»

Das kann man tun

- Bei der COM-Gebetsgruppe mitmachen
- Freier informieren (z.B. am Arbeitsplatz)
- Aufdecken was geschieht und damit an die Öffentlichkeit treten
- Die Prävention in Osteuropa finanziell unterstützen
- Sich für den Opferschutz einsetzen
- Die COM kontaktieren: mail@ostmission.ch / 031 838 12 12

Die Christliche Ostmission COM, seit Herbst 2005 Mitglied der Fachgruppe Menschenhandel Schweiz
www.ostmission.ch
FIZ Fraueninformationszentrum für Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa, Zürich
www.fiz-info.ch
Factsheet der der Koordinationsstelle des Bundes:
Menschenhandel – Eine moderne Form der Sklaverei
Bundesamt für Polizei:
Bericht Innere Sicherheit der Schweiz 2001
Bericht Innere Sicherheit der Schweiz 2003 Seiten 55-57

* Batzen = ansehnlicher Geldbetrag

Datum: 19.03.2006
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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15. Nov. um 19:30 Uhr in Winterthur
14.- 15.November 2014 in der EXPO Thun
Mi., 5.11.2014, 11.30 – 13.30 Uhr in Basel (Gellertkirche)
Fr., 7.11.2014, 12.00 – 14.00 Uhr in Winterthur (gate17)