Grösste bronzezeitliche Grabanlage der Welt in Israel entdeckt

Ausgrabung

Jerusalem. Bei einer Notgrabung an der "Barkai-Kreuzung" im Norden Israels sind Archäologen der Antikenbehörde auf die "grösste Grabanlage der Welt" aus der frühen Bronzezeit gestossen. Anstatt eine kurze Grabung bei einem Steinbruch binnen weniger Tage zu beenden, stiessen die Archäologen auf "unendlich viele Fundstücke" aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz". Zu den Funden gehörten mehr als 6.000 Töpfe, Schmuck aus Gold und Edelsteinen sowie andere Grabbeilagen.

Tausende Skelette wurden laut Bericht aus bis zu 100 Quadratmeter grossen "Begräbnishallen" hervorgeholt. Die Grabanlage sei vermutlich in den Jahren 3450 bis 2800 vor Christus benutzt worden, so der Archäologe Jehuda Dagan gegenüber "Haaretz". Und wörtlich: "Hier lebten Menschen mit einer hoch entwickelten Kultur, die im ganzen Nahen Osten schon Handel trieben, noch ehe die ersten uns bekannten Kulturen in Ägypten und Mesopotamien entstanden sind."

Nach Angaben der Zeitung wurden die drei Monate andauernden Grabungen am jetzt abgeschlossen. Weil es sich um eine Grabanlage mit vielen menschlichen Überresten handelte, wurde die Grabung geheim gehalten, um keine Protestdemonstrationen orthodoxer Juden zu provozieren.

"Respekt vor der Totenruhe"

Obgleich es sich auf Grund ihres Alters bei den Toten nicht um Juden handeln konnte, habe das israelische Religionsministerium die Tausenden Skelette aus "Respekt vor der Totenruhe" ohne wissenschaftliche Prüfung wieder begraben, berichtete "Haaretz" unter Berufung auf Archäologen weiter. Die Bedeutung der Fundstätte liege nicht an ihrem Alter, sondern an der "ungeheuer grossen Menge von Fundstücken, die es sonst auf der Welt noch nicht gegeben hat", sagte ein Experte der Universität Tel Aviv.

Die Notgrabung wegen des Baus einer neuen Autobahn habe vor allem deshalb eine grosse Bedeutung für die Geschichte der Menschheit, weil in der frühen Bronzezeit, also zwischen 3000 bis 2700 vor Christus, die ersten Städte mit den frühesten Verwaltungsgebäuden errichtet worden seien. Gegen Ende dieser Periode wurden in Ägypten und im heutigen Irak die ersten Schriftzeichen erfunden. Sie gelangten nach Auffassung von Wissenschaftlern erst später ins Heilige Land, das offenbar schon vor fast 6.000 Jahren im Mittelpunkt der wichtigsten Handelswege stand.

Datum: 31.07.2003
Quelle: Kipa

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