Regula Rebiai

«Das wollen wir keinem Kind vorenthalten»

Im Buch «Euse Vatter» («Unser Vater») bringt die Autorin Regula Rebiai das Gebet «Unser Vater» den Kindern nahe. Und sie ermutigt dazu, es mit Kindern zu beten. «Das gemeinsame Beten gibt Zuversicht, verankert ein Kind in der Beziehung zu den Eltern und Geschwistern und zu Gott.» Livenet unterhielt sich mit Regula Rebiai über ihre Veröffentlichung. In Krisengebieten helfe das Beten beim Überleben.

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Regula Rebiai mit drei Enkeln
Livenet: Regula Rebiai, was ist der Inhalt des Buches «Euse Vatter»?
Regula Rebiai: Vor mehr als 30 Jahren habe ich das Unser Vater für meine Kinder in Mundart übersetzt, damit diese zu den wichtigen Aussagen einen einfacheren Zugang hätten. Alles Wichtige für meine Beziehung zu Gott ist darin zusammengefasst, jede Zeile eine Pointe. Jeden Morgen beteten wir dieses Gebet als Familie am Frühstückstisch, darauf durfte jeder seine persönlichen Anliegen auch noch vor Gott bringen. Noch heute beten wir zum Anfang vom Tag dieses Gebet in Mundart, auch wenn die Kinder schon längst ausgeflogen sind. Und sie haben dieses Gebet wiederum ihren Kindern beigebracht. Emilie hat für ihre Kinder, meine Enkel, einfache Illustrationen dazu gemacht, zur Verinnerlichung der Aussagen und als Hilfe zum Auswendiglernen; diese haben wir nun jedermann zugänglich gemacht.

Warum mit Kindern das Unser Vater beten?
Jesus selbst hat uns dieses Gebet gelehrt, als einziges überhaupt. Das Wesentliche ist am Anfang und am Schluss wiederholt: Gott ist der Wichtigste, die Referenz von allem, der Anfang und das Ende. Ihm ist jederzeit alles möglich. Von ihm kommen wir, und zu ihm nach Hause sind wir unterwegs. Kinder sind eine Leihgabe Gottes. Eltern haben von Gott den klaren Auftrag, die Kinder zu ihm hinzuführen und sie mit seiner Liebe, Fürsorge, Gegenwart, Kraft und Heiligkeit vertraut zu machen. Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren rüsten sich fürs Leben und fürs Überleben. Es ist die Zeit der Prägung und der Festlegung; das Lebensfundament wird gelegt. Wichtig dabei sind Sehen und Nachahmen, weniger das Verstehen. Die Beziehung zum lebendigen Gott schafft in einem Kind Sicherheit, Geborgenheit, Schutz und die Gewissheit über sich und seine Zukunft. Das wollen wir keinem Kind vorenthalten!

Kann ein Kind noch nicht sprechen, hört es zu – so ruhig, wie das in diesem Alter möglich ist. Ein Elternteil hält beim Beten die Bilder auf, Seite für Seite. Die Bilder helfen einerseits, das Gebet auswendig zu lernen, andererseits erinnern sie gleichzeitig an den Inhalt. Die Bilder sind auch als Kartenset erhältlich, damit man sie beim Esstisch aufhängen kann – als ständige Erinnerung: Gott ist da, er ist der Wichtigste.

Wie sprechen Kinder darauf an?
Kinder lieben Rituale. Das gibt ihnen Sicherheit in einer Welt, die ihnen in vielem noch unbekannt und unerklärlich ist. Angst ist wohl der grösste Feind der Kinder. Das gemeinsame Beten gibt Zuversicht, verankert ein Kind in der Beziehung zu den Eltern und Geschwistern und zu Gott. Nicht immer ist ein Kind aufgelegt zum Beten, dann muss man es als Eltern mit Überzeugung dahinführen, sich dennoch an Gott zu wenden.

Können Kinder dabei besondere Erlebnisse haben?
Je jünger ein Kind ist, desto grösser ist seine natürliche Ahnung von Gott. Selbst wenn keiner ihm erzählt hat, dass da ein Gott ist, an den man sich wenden kann, wird ein Kind beten. Darum sind auch Gebetserhörungen für ein Kind alltäglich. Es geht davon aus, dass Gott antwortet. «Gott, Jesus, hilf mir, dass ich die Schaufel wiederfinde, die ich gestern vergraben habe.» Das Kind beginnt zu graben und erfährt, dass Gott es an die richtige Stelle zum Suchen leitet. Oder ein Kind ist krank und bittet Gott um Genesung; und wenn es lange dauert, um Geduld, weiter im Bett auszuharren. Mit Sicherheit wird es die Zuwendung von Gott erfahren! Den Kindern gehört ja sein Reich!

Sie leben seit Jahrzehnten im Nahen Osten. Beten Kinder im Nahen Osten anders als Kinder hier?
Nein, Kinder beten auf der ganzen Welt die gleichen Gebete – zum gleichen Schöpfergott. 

Was erleben Sie unter Kindern im Nahen Osten beim Thema Beten?
Für Kinder aus Kriegsgebieten ist Beten eine Frage vom Überleben, nicht nur physisch, auch psychisch. Meist auf sich allein gestellt, erfahren sie Schutz und Hilfe durch Gebet. Da ist ein Mädchen, das auch im Winter nur ein leichtes Sommerkleid zum Anziehen hat. Es bittet Gott, dass er ihr warm gibt. Das Mädchen erlebt, dass Gott ihr Schutz gibt, sie umgibt und dass sie nicht friert! Ein Junge würde gerne zur Schule gehen und lesen und schreiben lernen, aber seine Eltern haben kein Geld dafür. Zusammen mit anderen Kindern bittet er Gott um eine Schule. Immer wieder. Eines Tages kommen Fremde in ihr Flüchtlingslager und laden die Kinder ein, in ihre Schule zu kommen – kostenlos! Ein anderes Mädchen ist von ihren Erlebnissen im Krieg stark traumatisiert und lebt in ständiger Angst. Verstört und verschüchtert hängt sie auch als älteres Mädchen der Mutter an. Sie lernt Jesus kennen, den Friedensfürst, der sogar stärker ist als der Tod, und lädt ihn in ihr Herz ein. Die Angst verlässt das Mädchen, sie wird fröhlich und frei. Und sie ist sich sicher: Jesus ist ihr ständiger Schutz und Schild – was könnte ein Böser ihr antun?!

«Euse Vatter» ist erhältlich im Verlag Stiftung GDV, Postfach, 8404 Winterthur, sekretariat@gdv-cor.org, ISBN 978-3-9524917-0-6

Zur Person:
Regula Rebiai lebt seit 20 Jahren mit ihrem Mann Marcel in Israel und setzt sich dort
für Versöhnung ein.

Zum Thema:
«Gott verspricht nicht zu viel» - Die Lebens-Geschichte von Marcel Rebiai, dem Mann von Regula
Beten mit Kindern: Immer nur: «Ich bin klein, mein Herz ist rein»?
7 Gründe es zu verbieten: Warum das «Unser Vater» so gefährlich ist

Datum: 16.04.2018
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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