Fachleute meinen: Esoterik führt zu Verdummung der Gesellschaft

Der "Verdummung der Gesellschaft" den Kampf ansagen: Das haben sich die österreichischen ÖVP-Nationalratsabgeordneten Gertrude Brinek und Gabriele Tamandl zur Aufgabe gemacht. Ein Dorn im Auge der Politikerinnen stellen unter anderem die Esoterik dar.

Vor den Folgen und Gefahren von Esoterik warnten ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek und die ÖVP-Abgeordnete Gabriele Tamandl in einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem Geschäftsführer der Bundesstelle für Sektenfragen, German Müller, und dem Präsidenten des Weltverbandes für Psychotherapie, Alfred Pritz.

Aufklärung und Transparenz gefordert

"Der Esoterikmarkt bietet auf der Suche nach Selbstverwirklichung und dem verlorenen Sinn ein Angebot. Okkulte Praktiken wie Glasrücken, Edelsteintherapien oder schicksalsbefragende Techniken versprechen dabei Lebenshilfe und Wellness", so Brinek. Ein Problem dabei bestehe aber darin, dass oft nicht nur "Feel Good", sondern auch Heilung und Zukunftsbewältigung versprochen werden. Vor allem fehle häufig die Transparenz über die Qualifikation der Anbieter und es bestehe die Gefahr der Irreführung. Die Politik müsse sich hier um Aufklärung und Transparenz bemühen. Das sei einerseits eine Bildungsaufgabe, andererseits auch eine Frage des Konsumentenschutzes. Brinek sprach sich in diesem Zusammenhang für eine Auszeichnungs- und Kennzeichnungspflicht aus.

"Esoterik ist das Zauberwort, auf dessen Altar nicht nur etablierte Religiosität, sondern zum Teil auch Wissenschaft und Vernunft geopfert werden", meinte auch German Müller. Das alte Wertekorsett sei verloren gegangen und das alte Gut der Pflichterfüllung sei einer Selbstfindung gewichen, bedauerte Brinek.

Frauen und Jugendliche besonders anfällig

Der "Trend zum Ich" zeichne sich schon seit 1990 ab und werde mit dem Wunsch nach neuen Sicherheiten im Bereich Arbeit und Familie kombiniert, betonte Tamandl. Sie verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich bei der Volkszählung 2001 nur mehr 88 Prozent der Bevölkerung zu einer Religion bekannt haben. Die zweitgrösste Gruppe stelle mit zwölf Prozent bereits jene der Konfessionslosen dar.

Für Esoterik seien Frauen und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren besonders anfällig. Drei von vier Frauen glauben an parapsychologische Phänomene, so Tamandl. Es stelle sich aber die Frage, ob die Esoterikangebote wirklich das gewünschte Ergebnis bringen. Es bestehe die Gefahr einer Flucht in eine Scheinwelt. Die Politik müsse den Menschen Stabilität bieten. Es gehe darum, traditionelle Werte stärker zu vermitteln, ohne sich als moderne Partei dem Wertewandel zu verschliessen.

Das eigenständige Denken dürfe nicht ausgeschaltet werden. „Wenn man beginnt, seinen Tagesablauf danach auszurichten, in eine emotionale oder wirtschaftliche Abhängigkeit gerät und in eine Scheinwelt ohne soziale Kontakte abdriftet, dann muss hier - unter anderem auch von Seiten der Politik - eingeschritten werden,“ meinte Tamandl.

Verdummung der Gesellschaft

Es sei Aufgabe der Volkspartei, eine soziale, wirtschaftliche aber auch gesellschaftspolitische Stütze anzubieten und traditionelle Werte zu stärken. Darüber hinaus müsse man auch im Bereich Esoterik auf Konsumentenschutz, das heisst auf Auszeichnungs- und Kennzeichnungspflicht setzen. Gurus, Wunderheiler und andere Kollegen müssten offen legen, wo und in welchem Zeitraum sie welche Qualifikationen erworben haben, so die Forderung Brineks, die in diesem Zusammenhang davon sprach, dass man gegen die "Verdummung der Gesellschaft" vorgehen müsste.

Gefahr esoterischer Rattenfänger

Für den Psychotherapeuten Alfred Pritz, werden die "neuen" Ängste einer unter Globalisierungs- und Zeitdruck stehenden Welt von einigen Gruppen mit "Instant-Produkten" ausgenützt. Oftmals käme es zu einer ökonomischen oder sexuellen Ausbeutung von Mitgliedern. Wichtig wäre daher, so Pritz, eine "stärkere Beseelung der modernen Medizin und die Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindern und Jugendlichen, damit diese skurrilen esoterischen Rattenfängern nicht auf den Leim gehen".

Quelle: ÖVP

Datum: 21.02.2005

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