«Beim ersten Mal überrumpelt»

«EXPLO» und die Landeskirchen

Beim Grossevent «EXPLO 17» in den Luzerner Messehallen wollen dieses Jahr die katholische und die reformierte Landeskirche verstärkt dabei sein. Die «Luzerner Zeitung» widmete dem Thema eine vertiefte Betrachtung.

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Anbetung war ein wichtiger Bestandteil der Explo 15.
«Lange hatten die 'offiziellen' Landeskirchen und die Freikirchen das Heu nicht auf derselben Bühne», stellt Journalist Robert Knobel eingangs fest. Aber in diesem Jahr wollten die Reformierte und die Katholische Landeskirche «verstärkt dabei sein». Veranstalter Campus für Christus habe als freikirchlich orientierter Verein seine «Berührungspunkte» mit der Landeskirche, und die Zusammenarbeit mit den Reformierten sei in den letzten Jahren immer enger geworden.

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Ruedi Beck ist der neue Pfarrer der Luzerner Hofkirche.
Jetzt wage auch die Katholische Kirche eine Annäherung an den «freikirchlichen Kosmos». So habe der Basler Bischof Felix Gmür seine Pfarreien ermutigt, an der «EXPLO» teilzunehmen und wolle gar selbst vorbeischauen, wenn es seine Zeit erlaube. Definitiv zugesagt hat nach der «Luzerner Zeitung» bereits der neue Pfarrer der Luzerner Hofkirche, Ruedi Beck. Er werde nicht nur als Besucher an der «EXPLO» teilnehmen, sondern habe auch seine Mithilfe angeboten. So gehört er zu einem Team von Seelsorgern, die sich an der «EXPLO» für persönliche Gespräche zur Verfügung stellen. Ruedi Beck stellt fest: «Die Zeiten, in denen sich Katholiken und Freikirchen vor allem mit Misstrauen begegneten, sind vorbei.»

«Von den Freikirchen lernen…»

Beck ist «neugierig auf die Begegnung mit anderen Christen». Auf die Unterschiede in Glaubensfragen angesprochen, hält er fest: «Es ist doch selbstverständlich, dass man trotz unterschiedlicher Meinungen zusammenarbeitet.» Der Zeitpunkt sei gekommen, die ökumenischen Bemühungen, in denen sich Katholiken und Protestanten in den letzten Jahren nähergekommen seien, heute auf die Freikirchen auszudehnen. Nach den Worten des reformierten Pfarrers Jonas Oesch aus Horw, ebenfalls ein aktiver Teilnehmer an der «EXPLO», könne man viel voneinander lernen: «Die Freikirchen zeigen uns, wie man ohne falsche Hemmungen Zeugnis seines Glaubens ablegen kann.» Umgekehrt könnten die Freikirchen von den Landeskirchen lernen, «wie man mit einer sehr heterogenen Gemeinde umgeht».

Bei der ersten «EXPLO» in Luzern überrumpelt

Obwohl es die von Campus für Christus organisierte «EXPLO» schon seit Jahrzehnten gebe, habe der Umzug nach Luzern 2015 Katholiken und Reformierte «erst einmal überrumpelt». Der Anlass zelebriere eben einen Glaubensstil, der «vielen traditionellen Kirchgängern völlig fremd war». Gleichzeitig sei die «EXPLO» mit 6'000 Teilnehmern zu gross als dass man sie ignorieren könne. Die gut Schweizerische Lösung: Eine Arbeitsgruppe wurde geschaffen. Vertreter von Katholiken, Reformierten und Freikirchen (darunter auch Ruedi Beck und Jonas Oesch) trafen sich mit der Aufgabe, im Rahmen der «EXPLO» gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen. Als Ergebnis und «Höhepunkt» gebe es am 31. Dezember eine gemeinsame Lichterfeier rund ums Luzerner Seebecken, an der sich «EXPLO»-Teilnehmer und Mitglieder von Luzerner Pfarreien «treffen und gemeinsam feiern».

Regelmässige Gottesdienste

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Jonas Oesch ist reformierter Pfarrer in Horw.
Die Wirkungen der «EXPLO» gehen jedoch über den viertägigen Kongress hinaus. So haben die Pfarrer Ruedi Beck und Jonas Oesch zusammen mit der freikirchlichen Markuskirche Luzern – einer Gemeinde der «Bewegung Plus» – gemeinsame Gottesdienste ins Leben gerufen. Dreimal im Jahr werden in der katholischen Mariahilfkirche, in der reformierten Kirche Horw oder eben in der Markuskirche gemeinsame Gottesdienste gefeiert. «Wir sehen im anderen Bruder und Schwester. Damit wollen wir ein Zeichen setzen in einer zunehmend polarisierenden Gesellschaft», begründet Jonas Oesch sein Engagement gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Die Reformierten hätten aber auch eine historische Schuld, verstärkt den Kontakt mit den Freikirchen zu suchen: «Man vergisst oft, dass die Protestanten früher freikirchliche Bewegungen wie die Täufer brutal verfolgt haben.» Aus diesen Fehlern habe man gelernt und wolle heute den Freikirchen trotz Differenzen mit Wohlwollen begegnen. Dies, obwohl – im Gegensatz zur reformiert-katholischen Zusammenarbeit, die stark instutionalisiert sei – bei den Freikirchen noch solche Gefässe fehlten.

Rachel Stoessel, Sprecherin von Campus für Christus, bestätigt diese Tendenz: «Das gegenseitige Vertrauen ist in den letzten Jahren gewachsen. Bei den wesentlichen Punkten gibt es wenig, wo wir uns nicht einig sind.»

Zur Anmeldung:
Explo 2017

Vom 29. Dezember 2017 bis am 1. Januar 2018 findet in der Messe Luzern die bereits achte EXPLO statt. Dem Einzelnen haben die früheren Konferenzen einmalige Begegnungen, neue Visionen, sowie neues Feuer im Glauben gebracht; entstanden sind daraus auch zahlreiche Initiativen und Projekte.

Zum Thema:
Dossier: Explo 17
Explo-News: Explo 17 in Luzern – Jetzt auch als Tagesgast
Explo-Referenten im Porträt: «Versöhnung bedeutet, Feinden zu ermöglichen, Freunde zu werden»
Erstmals Redner an der Explo: SEK-Ratspräsident Gottfried Locher will von den Jungen lernen

Datum: 14.11.2017
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Luzerner Zeitung

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