Das kleine Einmaleins des Bibelstudiums

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Die wörtliche Methode

Eine der wichtigsten Regeln für das Bibelstudium lautet: "Wenn ein Abschnitt wörtlich verstanden werden kann, dann sollen wir ihn auch so verstehen." Anders ausgedrückt: Wenn die nahe liegendste Bedeutung sinnvoll ist, dann brauchen wir keine andere Bedeutung zu suchen. Wenn die Bibel sagt, dass Christus für tausend Jahre auf der Erde regieren wird, dann wird er tatsächlich tausend Jahre auf der Erde regieren. Die wörtliche Interpretation der Bibel ist stets zu bevorzugen. Die Alternative wäre, alles zu vergeistlichen oder zu allegorisieren (d.h., allem eine willkürliche symbolhafte Bedeutung zuschreiben). Das Problem dabei ist, dass niemand weiss, wessen geistliche oder allegorische Deutung die richtige ist!

Position und Praxis

Unterscheide zwischen Position und Praxis des Gläubigen; man spricht auch von Stellung und Zustand der Christen. Stellung bedeutet, dass wir in Christus sind. Zustand ist das, was wir im Alltagsleben sein sollten. Kolosser 3,1 sagt, dass wir mit Christus auferweckt sind; das ist unsere Stellung. Deshalb sollen wir nach dem streben, was droben ist; das ist unser Zustand. Unsere Stellung ist vollkommen. Unser Zustand wird niemals vollkommen sein, bis wir das Angesicht unseres Heilands sehen, doch sollten wir bis dahin immer mehr Jesus ähnlicher werden.

Angewiesene Rolle und persönlicher Charakter

Unterscheide zwischen der angewiesenen Rolle und dem persönlichen Charakter. Johannes der Täufer war grösser als jeder andere Prophet vor ihm, das bedeutet grösser in seiner Rolle als Vorläufer des Messias (Lk. 7,28). Doch das bedeutet nicht unbedingt, dass er einen besseren Charakter hatte. Maria war bevorzugt unter den Frauen, weil sie die Mutter unseres Herrn wurde (Lk. 1,28), doch das bedeutet nicht, dass sie einen besseren Charakter hatte als alle Frauen des Alten Testaments. Gott, der Vater, war in seiner Vaterrolle grösser, als sein Sohn es war, solange Jesus auf der Erde lebte (Joh. 14,28). Doch bezüglich ihrer Person waren beide absolut gleich. Der Heiland entäusserte sich seiner Stellung, als er auf die Erde kam, um unser Retter zu werden (Phil. 2,7), doch legte er damit nicht seine Person oder all seine Eigenschaften ab. Das wäre nicht möglich. Staatliche Regierungen sind von Gott eingesetzt. Das bedeutet, dass sie Gottes Zwecken dienen, obwohl die Regierenden Gott nicht persönlich kennen.

Der Text in seinem Zusammenhang

Studiere einen Text stets in seinem Zusammenhang. Hier einige Beispiele:

Der HERR halte Wache zwischen mir und dir, wenn wir uns nicht mehr sehen! (1. Mo. 31,49)

Das ist kein herzlicher Abschiedssegen, wozu dieser Vers heute oftmals benutzt wird, sondern eine Anrufung Gottes, auf zwei Schwindler aufzupassen, wenn sie voneinander getrennt sind und somit nicht gegenseitig auf sich aufpassen können!

Von der Fusssohle bis zum Haupt ist keine heile Stelle an ihm: Wunden und Striemen und frische Schläge; sie sind nicht ausgedrückt und nicht verbunden, noch mit Öl gelindert (Jes. 1,6).

Dieser Vers wird üblicherweise zur Beschreibung der völligen Verderbtheit des Menschen benutzt, doch besagt er lediglich, wie sehr Gott das Volk Juda gestraft hat, bis es von Kopf bis Fuss grün und blau geschlagen war, und das Volk dennoch keine Busse getan hat.

Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen (Joh. 15,6).

In diesem Abschnitt geht es um Fruchtbringen durch Bleiben in ihm, nicht um Errettung. Dieser Vers sagt nicht, dass Gott die verdorrten Zweige aufliest und ins Feuer wirft. Das tun die Menschen. Wahrscheinlich beschreibt das die Verachtung, mit welcher die Welt einen Christen behandelt, der nicht in Christus bleibt.

… sondern wie geschrieben steht: Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (1. Kor. 2,9).

Die Aussage dieses Verses gilt zwar auch für den Himmel, doch beschreibt er Wahrheiten, die zur Zeit des Alten Testamentes unbekannt waren, jetzt aber durch die Apostel und Propheten der Gemeindezeit bekannt gemacht worden sind. Der nächste Vers zeigt, dass Paulus von etwas spricht, das jetzt gilt, und nicht von etwas, das erst im Himmel wahr wird: "Uns aber hat Gott es offenbart durch den Geist."

Was werden sonst die tun, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden, warum lassen sie sich denn für sie taufen? (1. Kor. 15,29).

Der Zusammenhang dieses Verses hat mit Verfolgung und Märtyrertod zu tun. Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann wäre ein Gläubiger ein Tor, wenn er sich selbst dem Tod ausliefert, indem er getauft wird und deshalb als Märtyrer hingerichtet wird.

Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid (2. Kor. 13,5).

Dieser Vers lehrt nicht Heilsgewissheit durch Introspektion, d.h. dadurch, dass Gläubige in sich selbst die Beweisstücke ihrer Wiedergeburt suchen. Vielmehr sagt Paulus den Korinthern als ihr geistlicher Vater, dass ihre Errettung ein Beweisstück für seine Apostelschaft ist.

Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten (Gal. 6,7).

Im Zusammenhang beschreibt Paulus nicht die Missetaten eines Sünders, sondern den Geiz von Gläubigen.

Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! (Phil. 2,12).

Hier lehrt Paulus gewiss nicht die Errettung aus Werken; vielmehr fordert er die Gläubigen heraus, die Lösung ihrer gemeindeinternen Probleme (Uneinigkeit) zu bearbeiten, indem sie dem Beispiel des Herrn Jesus folgen.

… indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht (2. Petr. 1,20).

In diesem Abschnitt geht es nicht um die Auslegung der Bibel, sondern um ihre Entstehung. Die Schreiber gaben nicht ihre eigene Auffassung der Dinge zum Besten, sondern sprachen das, wozu der Heilige Geist sie bewegte.

Lassen wir die Bibel stets durch sich selbst auslegen! Lukas 14,26 wird in Matthäus 10,37 erklärt. Hass ist hier ein vergleichender Begriff und bedeutet "weniger lieben".

Stuart Briscoe, ein englischer Prediger, veranschaulicht mit einer amüsanten Geschichte, wie wichtig es ist, einen Abschnitt in seinem Zusammenhang zu studieren: Ein alter Mann ging mit seinem Maultier und seinem Hund am Strassenrand entlang. Ein kleiner Lastwagen kam angebraust und fuhr das Trio an, so dass alle drei im Strassengraben landeten. Der verletzte Mann verklagte den Fahrer, doch dessen Anwalt wandte ein, der alte Mann habe direkt nach dem Unfall zum Lastwagenfahrer gesagt, dass "es ihm im ganzen Leben noch nie besser gegangen ist".

Im Kreuzverhör fragte der Anwalt den Verletzten: "Kam mein Klient nach dem Unfall zu Ihnen und fragte Sie, ob Sie verletzt sind? "

"Ja."

"Und haben Sie geantwortet, dass es Ihnen im ganzen Leben noch nie besser gegangen ist? "

"Nun ja", antwortete der alte Mann. "Ich und mein Maultier und mein Hund gingen am Strassenrand entlang, als dieser Herr um die Kurve gesaust kam und uns drei in den Strassengraben beförderte. Dann sprang er aus seinem Lastwagen, mit seinem Gewehr in der Hand. Er ging zu meinem Hund, der stark blutend verwundet war, und so erschoss er ihn. Darauf ging er zu meinem Maultier; dessen Vorderbein war gebrochen, und so erschoss er es. Schliesslich kam er zu mir und fragte mich: ›Sind Sie verletzt?‹, worauf ich antwortete: ›Mein ganzes Leben ist es mir noch nie besser gegangen‹."

Fortsetzung: Biblisches Vokabular


Autor: William Mac Donald
Quelle: Effektives Bibelstudium

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