Der barmherzige Schiedsrichter

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Markus Merk
Markus Merk ist einer der besten Schiedsrichter. Möglich, dass der Deutsche den WM-Final pfeift – sofern nicht Deutschland dort spielt. Hier erzählt er, was er neben dem Fussballplatz tut.

Bei dir ist es ja so, dass du nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Dritten Welt mit deiner Indienhilfe Verantwortung übernimmst. Wie bist du eigentlich auf diese Idee gekommen? Warum gerade Indien?
Ich war zehn Jahre Messdiener und schon damals immer der Praktiker. Ich habe immer alles aufgebaut, die Kollekte eingesammelt und nachher wieder Ordnung gemacht. Ich fand es faszinierend, wenn Leute von ihren Tätigkeiten in der Dritten Welt berichtet haben. Das wollte ich auch machen. Ich hab viele Jahre von der Hand in den Mund gelebt, aber 1990 stand ich kurz vor meiner Selbstständigkeit als Zahnarzt. Und da habe ich mir gesagt: «Wenn du das jetzt nicht machst, deinen Wunsch, einmal in der Dritten Welt zu arbeiten, nicht erfüllst, dann ist es vielleicht zu spät, weil die Selbstständigkeit sehr viel Zeit braucht.»

Hast du das mit deinen Schiedsrichtergehältern finanziert?
Ja, auch. Aber auch durch Vorträge. Und so bin ich dann 1993 zum ersten Mal für eine grosse deutsche Organisation nach Südindien gereist, weil dort gerade jemand gesucht wurde und Asien für mich einfach die Nummer 1 war. Indien ganz besonders, weil Indien mich immer fasziniert hat. Ich war schon vorher dort mit dem Rucksack unterwegs, und wenn man einmal dort war, dann lässt es einen nicht mehr los. Damals haben die jemanden gesucht, der in 35 Kinderheimen rund 2‘500 Kinder zahnärztlich versorgt. Diese Tour habe ich dann des öfteren gemacht. Aber es gab dann viele Philosophien, die mich schließlich dazu bewegt haben, eigene Projekte durchzuführen. Das Allerwichtigste war: Ich wollte, dass jede Mark ankommt, so habe ich das Ganze damals auch genannt: 100 Pfennig helfen. Das heisst, dass das Geld, das hier gespendet wird, zu 100 Prozent wirklich dort hinkommt, wo es benötigt wird. Der ganze Wasserkopf hier bei uns in der westlichen Welt und auch in der Dritten Welt, der muss weg, und das Geld sollte zu 100 Prozent bei den Kindern ankommen. Und so kam es dann zu dem ersten Landkauf 1993 und zur Gründung der Indienhilfe Kaiserslautern 1996. Mittlerweile betreiben wir drei Schulen, acht kleine Waisenhäuser und ein Altenheim.

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Was treibt dich dazu an, all diesen Aufwand am Ende der Welt zu machen? Ist es die Dankbarkeit, die man in den Augen der Betroffenen sieht?
Das ist auch die Folge. Ich glaube da kann sich kein Mensch davon freimachen. Dass Dankbarkeit unbestreitbar etwas Tolles ist, das ist die beste Motivation für mich und meine Familie. Wir sind ein Team, gerade was Indien angeht. Die Mitglieder in unserem Verein arbeiten alle sehr hart für diese Sache. Und da braucht man Motivation. Der Kinderschutzpreis, das ist eine tolle Auszeichnung. Aber der ganz große Preis ist für mich und meine Familie und für die anderen, die die Möglichkeit haben, vor Ort zu sein, dieses Strahlen der Kinderaugen zu sehen. Wenn man bedenkt, dass wir 1993 angefangen haben mit 17‘000 Quadratmeter Land in der Steppe É und heute tummeln sich da 200 Tageskinder und 30 Waisenkinder.

Hast du diese 17‘000 Quadratmeter Land damals privat gekauft?
Ja. Ich habe das Geld mit Fernsehauftritten und Vorträgen zusammen gesammelt. Das waren damals nur 5‘500 Deutsche Mark. Und wir wussten ja noch nicht, dass darauf mal ein Kinderdorf mit diesen vielen Kindern entsteht. Und wir wussten nicht, dass neben diesem Kinderdorf noch weitere Projekte entstehen würden. Wir haben mittlerweile fünf kleine Waisenhäuser und im Moment bauen wir die dritte Schule, die im Juni eröffnet wird. Wir haben im letzten Jahr ein Altenheim für 40 Leute eröffnet. Also, es passiert noch viel in der Folge.

Du bist ja bekannt als jemand, der sich vor dem Anpfiff im Anstosskreis immer bekreuzigt. Hat dein Glaube auch etwas damit zu tun, dass du in die Dritte Welt gehst, um zu helfen?
Da ich immer schon als Sportler aktiv war, ist es fast gar nicht möglich, am Wochenende in die Kirche zu kommen. Das geht nur sporadisch, da gibt es keine Regelmäßigkeit. Aber ich bin praktizierender Christ. Das ist für mich ganz wichtig und ich denke, dass Glaube überhaupt etwas ganz Entscheidendes ist.

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Gibt es eine Lieblingsbibelstelle, über die du sagst: Das ist etwas, das Markus Merk voll trifft? Gibt es eine Bibelstelle, die dir besonders wichtig ist?
Ja, absolut. Also, hin und wieder nehme ich mir mal die Bibel vor, weil da wirklich tolle und lehrreiche Geschichten drinstehen. Und sie liest sich wunderbar. Es gibt eine Geschichte, die ist für mich einfach unschlagbar: Es ist das Gleichnis vom Sämann. Da wird geschildert, dass ein Mann seine Saat ausbringt, auf verschiedene Böden. Einiges fällt auf steinigen Boden, auf sandigen Boden, und das wächst alles nicht so richtig an. Aber er verliert nie die Geduld und sät immer weiter, bis er letztendlich guten Boden findet und dann seine Saat aufgeht hundertfach, tausendfach, millionenfach. Das ist einfach sehr lebensnah: Man braucht viel Kraft, um verschiedene Dinge zu vermitteln. Beim Schiedsrichter ist es klar: Er will «Fair Play» vermitteln, nicht nur im Profifussball. «Fair Play» ist etwas ganz Wichtiges für unsere Jugend, für unsere Kinder im Sport und letztendlich im ganzen Leben. Für den Schiri ist es eine große Aufgabe, da immer konsequent zu bleiben gegen diese großen Anfeindungen, die man immer wieder erleidet. Aber das ist so wie bei dem Sämann: Man macht es und ist erfüllt.

Lesen Sie auch:
Ein Mensch mit Gottvertrauen – pfeift er das WM-Fussballfinale?
WM-Dossier: www.jesus.ch/wm06/

Quelle: www.fussball-gott.com

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Datum: 29.06.2006

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