Maria ist die bedeutendste Frauengestalt des Neuen Testaments. Zwei Evangelien setzen mit der einzigartigen Geschichte der Geburt von Jesus ein.
Maria: "Was er euch sagt, das tut"
Ein Engel erscheint Maria und kündigt ihr an, dass Gott sie zu Grossem ausersehen habe, denn sie werde die Mutter des Messias sein, des verheissenen Erlösers von Israel. Der Engel redet sie darum als "Begnadete" an (Lukas 1,26-28). Ihre ältere Verwandte Elisabeth nennt sie "gesegnet unter den Frauen" und "Mutter meines Herrn" (Lukas 1,42-43).
Die Evangelisten Matthäus und Lukas beschreiben die Geburt als ganz aussergewöhnlich, hat sie doch als Jungfrau empfangen (Lukas 1,34). Matthäus betont, dass Josef bis zur Geburt keinen Verkehr mit ihr hat (Matthäus 1,25). Mit ihm zusammen reist sie nach Bethlehem und bringt dort Jesus zur Welt (Lukas 2,1-20).
Gesegnet und gezeichnet
In ihrem Lobgesang, bekannt als "Magnificat", zeichnet sich Maria durch Demut aus (Lukas 1,46-55). Zur Beschneidung von Jesus von Jesus am achten Tag gehen Maria und Joseph, wie es die jüdischen Gesetze vorschreiben, in den Tempel. Ein frommer alter Mann, Simeon, prophezeit ihr dort, dass ihr Sohn auf Widerstand stossen wird und "in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet" werden. Dieser Zwiespalt werde sein Leben bestimmen: Von begeisterter Zustimmung bis zu tiefster Ablehnung werde Jesus alles erfahren.
Zu Maria sagt Simeon, ihr werde dabei "ein Schwert durch die Seele dringen". Damit spielt er wohl bereits auf den Schmerz an, der sie durchfährt, wenn ihr Sohn seinen eigenen Weg geht, wenn er abgelehnt wird und am Ende den Tod am Kreuz stirbt. Gibsons Film drückt dieses Leiden sehr deutlich aus.
Grenzen der Verehrung
Lukas hat eine weitere Begebenheit aus Jesu Kindheit überliefert. Im Alter von zwölf Jahren verlieren ihn seine Eltern beim Passahfest in Jerusalem aus den Augen. Nach tagelanger Suche finden sie ihn im Tempel, wo er mit Gelehrten die jüdischen Heiligen Schriften diskutiert (Lukas 2,41-50).
Danach taucht Maria in den Evangelien nur noch an wenigen Stellen auf. Zusammen mit seinen jüngeren Brüdern besucht sie Jesus (Lukas 8,19-21 – die katholischen Übersetzer müssen wegen der Lehre der bleibenden Jungfräulichkeit Marias zu ‚Cousins’ Zuflucht nehmen).
Wer ist selig?
Es ist interessant, dass Jesus bei dieser Gelegenheit die geistlichen Beziehungen über die familiären stellt. Noch schärfer reagiert er, als jemand seine Mutter verehren will: Nicht diese Frau sei "selig" zu nennen, sagt er, sondern jene, "die Gottes Wort hören und es befolgen" (Lukas 11,27.28).
Am Fuss des Kreuzes schliesslich, kurz vor seinem Tod, gibt Jesus seine Mutter in die Fürsorge seines Jüngers Johannes (Johannes 19,26-27). In der Apostelgeschichte, dem Bericht über die Anfänge der Kirche, heisst es, Maria habe sich vor Pfingsten zusammen mit den Jüngern und den Brüdern Jesu im Obergeschoss eines Hauses aufgehalten (Apg. 1,14).
Die schlichte "Magd des Herrn"
Insgesamt äussert sich das Neue Testament zurückhaltend über Maria. Im Kontrast zu den erhabenen Titeln, die ihr später gegeben wurden, hat Maria selber sich schlicht als "Magd des Herrn" bezeichnet, die sich ihm und seinem Willen ganz zur Verfügung stellt (Lukas 1,38). Das hat sie im Gedächtnis der Nachwelt zu einer wahrhaft "Gesegneten" gemacht (Lukas 1,48).